Mensch & Unternehmen

Alte Besen kehren gut

Manfred Schuster
RMB Research GmbH

Manfred Schuster macht keinen Hehl daraus, dass sein jüngstes Projekt, die Substanz ­Stathmin zu einem Wundheilungsmedikament zu machen, keine neue Idee ist, sondern von einer Biotech-Firma stammt, die nach neun Jahren Entwicklung scheiterte.

"Vor etwas mehr als zwei Jahren sprach mich ein Investor an, ob ich Interesse hätte, diese Substanz zu übernehmen und weiterzuentwickeln", erzählt der promovierte Biochemiker und Biotechnologe, der zuletzt elf Jahre im Management der österreichischen Apeiron AG gearbeitet hat. Zwar trug sich Schuster bereits mit dem Gedanken, etwas Neues zu wagen, dennoch war er skeptisch. "Sehr skeptisch sogar, insbesondere wenn man die Experimente selbst zu reproduzieren versucht und anfangs überhaupt nichts funktioniert", sagt Schuster.

Ein halbes Jahr habe sich sein Team durch Forschungsergebnisse aus neun Jahren gearbeitet, die bei der inzwischen liquidierten Firma TMB TissueMed Biosciences aus Krems angefallen waren - bis der Grund für die inkonsistenten Ergebnisse des Signalstoffs auf die Wundheilung gefunden war: "Die Zellkulturen, mit denen gearbeitet wurde, waren verunreinigt, und nur wenn zufällig inflam­matorische Zytokine vorhanden waren, zeigte Stathmin die gewünschte wundheilende Wirkung." In der Immunologie brauche es immer mehrere Auslöser, bevor eine Reaktion erfolgt – ein natürlicher Schutzmechanismus. Testete Schuster Stathmin in der Wundflüssigkeit von Patienten, erzielte er gute Ergebnisse, in Zellkulturen, die nachweislich frei von inflammatorischen Zytokinen waren, blieb die Reaktion hingegen aus. "Geringste Mengen dieser Zytokine reichen, aber sie müssen da sein, damit Stathmin wirkt", so Schuster. Und die Wirkung war so beachtlich, dass sich der erfahrene Medikamentenentwickler im September vergangenen Jahres entschloss, gemeinsam mit dem Investor Maurizio Totta die RMB Research GmbH zu gründen – wobei RMB für "reset to make it best" stehe.

"Ich gehe offen damit um, dass wir etwas 'Altes' aufgreifen, denn ich halte es für einen großen Vorteil", sagt Schuster. So wie erst alte Reisigbesen gut kehren, weil sie durch den Gebrauch zurechtgestutzt werden, habe sein Team auch die potentiellen Schwachstellen des Stathmin-Projekts erkannt und korrigiert und sei nun besser gewappnet für eine schnelle Entwicklung als Neugründer: "Zum Beispiel haben wir bereits einen genehmigten GMP-Prozess für die Stathmin-Produktion und müssen nicht die gesamte Präklinik wiederholen." Das exklusiv von RMB einlizenzierte Patent für die therapeutische Nutzung von Stathmin in der Wundheilung habe TMB glücklicherweise erst 2014 beantragt und erhalten, so dass genug Zeit bleibt, die Arznei zu vermarkten.

Bis Ende des Jahres will Schuster die erste Finanzierungsrunde und Anfang nächsten Jahres eine Kapitalerhöhung abgeschlossen haben. Insgesamt peilt der RMB-Geschäftsführer 7,5 Mio. Euro Investitionen von privaten Investoren und öffentlichen Förderinstitutionen an, "um damit bis zu einer Phase II mit Patienten mit venöser und diabetischer Ulzera zu kommen, die dann hoffentlich interessante Daten für einen Pharmapartner produziert."

Das Marktpotential sei "gewaltig", sagt der Wiener. Über 10 Millionen Menschen leiden allein in den USA und Europa an chronischen, auch nach acht Wochen nicht verheilenden Wunden und verursachen Kosten in Gesundheitssystem und Volkswirtschaft von schätzungsweise 10 Mrd. Euro pro Jahr. Vor allem Patienten mit Diabetes und chronisch-venöser Insuffizienz sind betroffen.Schuster ist sich sicher, dass Stathmin das Potential hat, die schwärenden Wunden solcher Patienten zu schließen. "Der Charme der Substanz ist, dass sie diverse Zelltypen aktiviert, die für die Wundheilung wichtig sind, aber nur in der Wunde." Um das Protein vor abbauenden Enzymen im Körper zu schützen, hat sein Team ein Gel entwickelt, das den Wirkstoff binden und abschirmen kann und nur langsam freigibt. Das Gel hat RMB vor kurzem separat zum Patent angemeldet. Statmicoll nennt die Firma die Kombination aus Gel und Wirkstoff, womit eine doppelt so starke Wirkung erzielt werde als wenn der Wirkstoff allein eingesetzt wird.

Foto: Elf Jahre hat Manfred Schuster bei Apeiron Erfahrungen in der Medikamentenentwicklung gesammelt. Nun wagt er mit RMB Research etwas Neues mit etwas „Altem“.