Mensch & Unternehmen

Für den Wow-Effekt im Labor

Byosens GmbH
Byosens GmbH

Nachdem er von den technischen Details und möglichen Einsatzmöglichkeiten des Lyte96 geschwärmt hat, schiebt Yousef Nazirizadeh noch ein Argument nach, warum dieser Mikroplattenleser die Konkurrenz in den Schatten stellt: „Er sieht einfach sexy aus!“  

Kompakt, klare Linien und eloxiertes Aluminium - ein kurzer Blick auf das Gerät ruft Zustimmung hervor. Das Alleinstellungsmerkmal des Lyte96 ist aber zweifelsohne seine Größe. Die Grundfläche entspricht der einer Mikrotiterplatte mit 96 Vertiefungen. Wenn Elektroingenieur Nazirizadeh den fragenden Blicken seines Gegenüber erwidert, dass das wirklich nicht der Plattenständer, sondern tatsächlich der Plattenleser sei, dann ist er wieder da: der Wow-Effekt.

Zum ersten Mal gab es dieses erhebende Gefühl 2013 in Kiel, als es Postdoc Nazirizadeh gemeinsam mit seiner Chefin Martina Gerken gelang, die Dreifaltigkeit Lichtquelle, -detektor und Optikeinheit auf die Größe eines Wells einer dieser Mikrotiterplatten zu schrumpfen. "Wir haben uns damals sofort gedacht: Wir müssten das eigentlich kommerzialisieren", so der 35-Jährige. Gesagt, getan. Dank der EXIST-Förderung des Bundeswirtschaftsministeriums konnte das Gerät zur Analyse von markerfreien Zellassays weiter optimiert werden. Mitte 2015 wurde schließlich die Byosens GmbH gegründet, die bald darauf von Kiel nach Hamburg umsiedelte - auch, aber laut Nazirizadeh nicht nur, wegen der in Aussicht gestellten Innorampup-Förderung des Stadtstaats.

Auch im Team selbst gab es Bewegung: Zwei vormals involvierte Mitarbeiter in Gerkens Institut für Elektro- und Informationstechnik zogen andere Karriereoptionen, dafür heuerten der Informatiker Volker Behrends und der Betriebswirt Sebastian Metz an. Behrends, der für die Softwareentwicklung zuständig ist, ging übrigens ganz klassisch auf einer Firmenkontaktmesse in Kiel mit Byosens auf Tuchfühlung: "Sie suchten einen Entwickler und für mich ist die Beteiligung an einem Start-up einfach der ideale Start ins Berufsleben." Den dringend benötigten Betriebswirt stöberte Nazirizadeh auf einem Schiff im Kieler Hafen auf. "Ich war zwar mit meiner Promotion beschäftigt, wollte aber nebenher noch etwas Praxisrelevantes machen. Daher bin ich auf diese Gründerveranstaltung gegangen", so Metz. Da die Doktorarbeit mittlerweile geschafft ist, kann sich der Byosens-Geschäftsführer ab sofort mit voller Energie in sein Start-up einbringen.

Entwickler Behrends erinnert sich noch an den Vorläufer des Lyte96: "Das erste, eher grob zusammengebastelte Gerät war ein ganz schöner Energiefresser." Für einen batteriebetriebenen Plattenleser, der mit seiner Mobilität punkten will, ist das natürlich ein Knockout-Kriterium. Doch der 29-Jährige hat die Probleme in den Griff bekommen. Die ersten Geräte sind bei einer Handvoll Laboren im Praxistest. "Wenn alles gut läuft, dann sind wir in einigen Monaten auf dem Markt", ist sich Nazirizadeh sicher. "Daher sind wir gerade ziemlich aufgeregt, denn jetzt wird sich zeigen, ob die drei Jahre Entwicklungszeit Früchte tragen."

Auch für die weitere Finanzierung der Firma ist es enorm wichtig, dass die Kunden anbeißen. Byosens hat hier öffentliche Forschungslabore im Blick, die bisher den Einstieg in markenfreie Technologien aufgrund der hohen Preise gescheut haben. "Wir sind kostengünstiger als die Konkurrenz", stellt Nazirizadeh klar. Darüber hinaus dürfte der Lyte96 aber auch für Pharma- und Biotech-Firmen reizvoll sein. Aufgrund seiner Kompaktheit passt das Gerät in Brut- und Kühlschränke - und in automatische Pipettiersysteme. Damit bietet er unzählige neue Anwendungsmöglichkeiten bei der Echtzeitüberwachung von Versuchen.

Wenn es nach den Vorstellungen der drei Jungunternehmer geht, dann ist der Lyte96 erst der Anfang. "Wir haben jetzt das Know-how, wie man Analyseinstrumente miniaturisiert und produziert", so Nazirizadeh. Perspektivisch wolle sich Byosens neben der markerfreien Detektion noch weiteren Technologien zuwenden und dafür neue Geräte entwickeln. Sexappeal natürlich inklusive.

Foto: Drei Gründer und ein Mikrotiterplattenleser (v.l.): Volker Behrends, Sebastian Metz und Yousef Nazirizadeh. Nicht im Bild ist Mitgründerin Martina Gerken. Die Professorin an der Kieler Christian-Albrechts-Universität hält sich aus dem Tagesgeschäft heraus.