Mensch & Unternehmen

Mit Pillen gegen Schuppenflechte

Manfred Gröppel
Immunic

Richtig, Manfred Gröppel ist seit April dieses Jahres Vorstand einer neuen Firma, hat eine bemerkenswerte Erstrundenfinanzierung auf die Beine gestellt und glaubt mit Herz und Seele an den Erfolg seiner Immunic AG. Und trotzdem, gibt er zu, passiert es ihm hin und wieder, dass er noch „4SC“ auf den Lippen hat, wenn er sich einem neuen Gesprächspartner vorstellt.

Das liegt wohl nicht nur daran, dass er 15 Jahre lang die 4SC AG im Business Development mit geformt hat, sondern auch dass er mit Immunic jetzt Projekte fortführt, die bei 4SC entwickelt wurden.

Es war im Sommer 2016, als die 4SC 29 Mio. Euro Kapitalerhöhung bekam – mit der Auflage, sich auf die Onkologie zu konzentrieren. Also bot der damalige Geschäftsführer Enno Spillner Gröppel an, 4SCs Immunologie-Projekte in eigener Regie fortzuführen. „Ich habe keinen Moment gezögert“, sagt der 48-Jährige. „Ich kenne das Programm seit 2001, das ist mein Baby.“

Die „härteste Nuss“ sei es gewesen, den Lead Investor, die niederländische Life Sciences Partners V Coöperatief U.A., zu überzeugen. „Als LSP dann 9 Mio. Euro zugesagt hatte, war es einfacher, auch die anderen ins Boot zu holen“ – etwa die Schweizer LifeCare Partners, Bayern Kapital und den High-Tech Gründerfonds. Das war im März 2016, einen Monat später gründete er Immunic.

Es folgten turbulente Monate. 4SC wollte erst verkaufen, wenn ein akzeptabler Preis in Aussicht gestellt werden konnte, die Investoren aber wollten erst unterschreiben, wenn sie die Konditionen kannten. „Die Verhandlungen zogen sich bis in den Juni hin.“ Eine kuriose Situation, denn offiziell war Gröppel bis Ende August noch Angestellter der 4SC, verhandelte aber schon für Immunic. „Am Ende war es wohl ein fairer Kompromiss, da sich beide Seiten beschwert haben“, sagt Gröppel, ohne die Höhe der vereinbarten Zahlungen zu nennen.

Bislang besteht Immunic nur aus dem promovierten Chemiker Gröppel und dem Chief Medical Officer Andreas Mühler, der zuvor Interims-CMO bei Millennium Pharmaceuticals in Boston war. „Ich habe ihn über Linkedin gefunden“, sagt Gröppel. Auch ein CSO, CEO, COO sowie ein Managementassistent werden im kommenden Jahr zu Immunic wechseln. Bei fünf Mitarbeitern wird es aber bleiben – denn Immunic wird eine virtuelle Firma sein. „Wir werden alle nötigen Entwicklungsschritte mit Dienstleistern abwickeln“, sagt Gröppel. Um zwei Projekte werden sich die fünf kümmern: Der Wirkstoff IMU-838 werde noch im ersten Quartal 2017 in die Phase I der klinischen Prüfung starten, sagt Gröppel. „Derzeit werden dafür die Tabletten produziert.“ Zunächst werden Probanden eine Einzeldosis, später dann Mehrfachdosierungen des Medikaments bekommen. Für Ende 2017 sei dann die Phase II-Studie mit Morbus-Crohn-Patienten geplant. „Da laufen schon die ersten Key Opining Leader Meetings fürs Studiendesign.“ Der zweite Wirkstoff, IMU-366, soll gegen Schuppenflechte eingesetzt werden. „Die Substanz zeichnet sich dadurch aus, Zytokine besonders gut zu inhibieren und reichert sich vor allem in der Haut an“, sagt Gröppel. Parallel zur Formulierungsoptimierung von IMU-366 wird Immunic aus einer Gruppe von etwa 1.000 Substanzen ähnlicher Wirkungsweise aber auch alternative Moleküle etablieren. „Ziel ist es am Ende, sowohl mit IMU-366 als auch IMU-838 einen Wirksamkeitsnachweis bei Patienten zu erreichen.“ Dieser Punkt soll in dreieinhalb Jahren, im ersten Quartal 2020, erreicht sein und einen Verkauf der Wirkstoffkandidaten ermöglichen. Das Geld sollte bis dahin reichen. 17,5 Mio. Euro hat Gröppel bereits eingeworben, ein Second Closing läuft noch bis Ende März 2017. „Da suchen wir noch Investoren, um unser Ziel von etwa 23 Mio. Euro zu erreichen.“

So schwer Gröppel der Abschied von 4SC auch fiel, die neue Aufgabe kam genau zum richtigen Zeitpunkt. „Mit 48 ist man schließlich noch nicht tot, sondern kann noch etwas Neues aufbauen.“ Das Risiko sei überschaubar. Selbst wenn es im schlimmsten Fall kein Erfolg werden sollte, habe er sicher wertvolle Erfahrungen gesammelt. „Allein so viele interessante Investoren kennengelernt und überzeugt zu haben, das nimmt mir keiner mehr.“

Foto: Manfred Gröppel hat die Chance gern genutzt, auf Basis der Wirkstoffkandidaten, die er schon seit 15 Jahren bei 4SC mitentwickelt hat, sein eigenes Start-up zu gründen.