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Bionnale mit Besucherrekord

© BIOCOM AG

Die Bionnale hat sich mit rund 1.000 Besuchern zur diesjährigen Ausgabe fest als Life Science Event in der Hauptstadt etabliert – ein neuer Rekord.

Die Bionnale hat sich in den 15 Jahren ihres Bestehens von einem regionalen Biotech-Treff zu einer internationalen Konferenz entwickelt. In diesem Jahr wurden rund 1.000 Besucher aus 30 Ländern gezählt, die sich am 17. Mai im Ludwig-Erhard-Haus über Trends der Biotech-, Pharma- und Medizintechnik-Industrie ausgetauscht haben. Mit 30 Vorträgen und 40 Pitches war das Programm sehr breit aufgestellt: In den Biotech/Pharma-Sessions ging es vor allem um die Rolle von Big Data und digitalen Lösungen sowie die Frage, wie große Konzerne über Start-ups herausfinden können, welche Zukunftstrends relevant werden. Bettina Zielke von Microsoft Deutschland diskutierte darüber unter anderem mit Jeroen Bakker von Merck Ventures und stellte fest, dass die „Deutsche Angst“ dem digitalen Fortschritt hierzulande viel zu oft im Weg stehen würde. Ähnlich formulierte es Markus Wyss vom niederländischen Konzern DSM mit Blick auf neue Entwicklung in der biobasierten Wirtschaft. Gleichwohl unterstrich er: „Wenn wir neue Technologien einsetzen, müssen wir der Bevölkerung den Nutzen klar erklären.“ 

Gesundheitswesen im digitalen Zeitalter

Dass gerade das Gesundheitswesen vor einem radikalen Wandel steht, machte der Vortrag der kanadischen Zukunftsforscherin Zayna Khayat deutlich, die auf Einladung des deutschen Ablegers der kalifornischen Hightech-Schmiede Singularity University nach Berlin gekommen war. Gerade die Gesundheitsbranche werde zunehmend von Firmen wie Amazon oder Google aufgerollt, die ursprünglich nichts damit zu haben, so Khayat: „Da es sich hier nicht um einen an sich wachsenden Markt handelt, steht das gesamte System vor einem signifikanten Umbruch, bei dem digitale Technologien eine wesentliche Rolle spielen.“

Facebook für Forscher

In der Keynote am Vormittag stand wiederum das Thema „Open Science“ im Fokus. „Der Wissenschaftsfortschritt lebt von der offenen Kommunikation unter Forschern. Sie brauchen die Möglichkeit, sich über Erfolge und Misserfolge auszutauschen“, betonte Ijad Madisch, Geschäftsführer und Gründer der Plattform Researchgate. Im Jahr 2005 ging das „Facebook für Forscher“ erstmals an den Start, inzwischen haben die Berliner bereits zwölf Millionen Nutzer auf der ganzen Welt – Tendenz steigend. 

Medizintechnik-Pitch setzt sich bei Speed Lecture durch

Zu den weiteren Bionnale-Highlights am Abend zählte erneut der Speed Lecture Award, der in diesem Jahr von Pitch Doctor Christoph Sollich moderiert wurde. Sechs Wissenschaftler aus der Region Berlin-Brandenburg hatten die Gelegenheit, mit 3minütigen Pitches das Publikum von ihrer Forschungsarbeit zu überzeugen. Das inhaltliche Spektrum reichte von Bioplastik aus Koffein über 3D-Druck von Organen und Knochen bis hin zu nanotechnologischen Beschichtungen. Durchsetzen konnte sich am Ende eine Idee aus der Medizintechnik. Constantin Wiesener von der Technischen Universität Berlin will Rollstuhlfahrern durch gezielte Funktionelle Elektrostimulation (FES) der Beine Bewegungen wie Fahrradfahren oder Schwimmen ermöglichen. Seine im Pitch präsentierten Einspieler-Filme begeisterten nicht nur das Bionnale-Publikum, sondern sollen nun auch Investoren überzeugen. „Wir bereiten gerade die Firmengründung vor“, so Wiesener.

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