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Chinesischer Investor will Biotest kaufen

© Biotest AG

Die Pharmafirma Biotest verhandelt mit der Investmentgruppe Creat Group über eine Übernahme. Die Nachricht löste einen Ansturm auf die Aktien der hessischen Firma aus.

In einer nächtlichen Ad-hoc-Mitteilung verriet die Biotest AG Ende März, derzeit Übernahmegespräche mit der Creat Group Corporation (China) zu führen. Die Investmentgruppe will das Unternehmen in Dreieich für insgesamt rund 940 Mio. Euro kaufen. Dabei will Creat den Inhabern der Stammaktie und damit vor allem der Gründerfamilie Schleusner und der Kreissparkasse Biberach einen kräftigen Aufschlag zahlen. Es geht um ein Plus von rund 43% im Vergleich zum Preis des Papiers vor Bekanntgabe der Nachricht. Die Eigentümer der im SDAX notierten Vorzugspapiere sollen dagegen nicht mehr bekommen als die Aktie nach dem jüngsten Kursanstieg an der Börse wert ist. Angestrebt wird ein Angebotspreis von 28,50 Euro je Stammaktie und ein Preis von 19,00 Euro je Vorzugsaktie der Biotest AG.

Die Transaktion ist aber noch nicht in trockenen Tüchern. So stehe die Zustimmung des Hauptaktionärs von Biotest, der OGEL GmbH, aus. Auch Fragen der Due Diligence und der Finanzierung müssen noch geklärt werden. Biotest betont, es gäbe keine Garantie, dass eine endgültige Vereinbarung zwischen den beiden Parteien erzielt werden kann oder dass ein Angebot in dieser Form unterbreitet wird. Die Zusage der Chinesen, den Firmensitz in Hessen zu belassen, gibt es allerdings. Dabei sollen die geltenden Betriebsvereinbarungen, bestehende Tarifverträge sowie die betriebliche Mitbestimmung fortgeführt werden. Biotest beschäftigt weltweit mehr als 2.500 Mitarbeiter. 2016 setzte das Unternehmen 610,4 Mio. Euro um.

Die sich zu 100% im Streubesitz befindenden Vorzugsaktien waren Anfang 2017 zunächst deutlich gestiegen und hatten sich damit etwas von ihrem vorangehenden Kursrutsch erholt. Als der Kooperationspartner Immunogen (USA) vor einer Woche erklärte, sich doch nicht an der Entwicklung und Vermarktung von Biotests Indatuximab Ravtansine (BT-062, ein Immunkonjugat aus einem monoklonalen Antikörper gegen den Rezeptor CD138 und einem zytotoxischen Maytansin-Derivat) auf dem US-Markt zu beteiligen, brachen die Aktien um 15% ein. Nach der Nachricht über die mögliche Übernahme stieg der Aktienpreis dann wieder rasant. Momentan liegt er bei knapp 24 Euro – ein Niveau, das zuletzt im Sommer 2014 erreicht wurde.

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