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Enttäuschung bei Curevac

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Der RNA-basierte Wirkstoff der Tübinger Curevac AG hat das Gesamtüberleben von Prostatakrebspatienten in einer Phase IIb-Studie nicht verbessern können.

Es war ein Weihnachtsgeschenk, auf das Curevacs CEO Ingmar Hoerr gern verzichtet hätte: Die 2012 begonnene Langzeitstudie mit 197 Chemotherapie-naiven Prostatakrebspatienten hat keine Verbesserung der Gesamtüberlebenszeit durch den mRNA-basierten Wirkstoff CV9104 feststellen können. Diese Ergebnisse gab Hoerr heute Nacht auf der 35. J.P. Morgan-Konferenz in San Francisco bekannt.

Zwar sei man enttäuscht, weil man sich mehr erhofft hatte. Aber das Studienkonzept stamme nun mal aus dem Jahr 2008, sagte Hoerr gegenüber |transkript.de. „Damals war es üblich, Monotherapien zu fahren, weil es Checkpoint-Inhibitoren und andere Modulatoren noch nicht gab.“ Inzwischen habe sich die Immuntherapie allerdings rasant weiterentwickelt und die vor drei Jahren geschlossene Kooperation von Curevac mit Boehringer Ingelheim sieht ohnehin eine Kombination von Curevacs RNA-Wirkstoffen mit verschiedenen Checkpoint-Inhibitoren vor. „Selbst wenn die Monotherapie positiv gewesen wäre und wir in Phase III hätten gehen können, hätten wir das Produkt noch einmal verändert und Kombinationen mit den Checkpoint-Inhibitoren entwickelt.“ Präklinisch habe man das bereits vorbereitet. In der strategischen Ausrichtung sei Curevac deshalb nun keineswegs zurückgeworfen worden.

Die Studie selbst sei hochwertig gewesen und man habe sich entschlossen, die Ergebnisse rasch zu veröffentlichen, um damit das Feld der RNA-Wirkstoffentwicklung voranzubringen, so Hoerr. Die vollständigen Daten werde Curevac nun analysieren und auf einem der nächsten Medizinkongresse im Detail vorstellen.

Inzwischen sei die Enttäuschung neuem Optimismus gewichen, sagt Hoerr: „Wichtig für uns ist, dass wir jetzt Klarheit haben, der alte Zopf der Monotherapie abgeschnitten ist und wir uns auf die Kombinationstherapie mit Checkpoint-Inhibitoren konzentrieren können.“

Bessere Nachrichten konnte Hoerr dem J.P. Morgan-Publikum aus einer Phase I-Studie mit dem Tollwut-Impfstoff CV7201 berichten, der für das G-Protein des Tollwut-Virus kodiert. Die rund hundert Probanden hätten den Impfstoff bislang gut vertragen und in einer Kohorte von 21 Probanden konnten bei allen virusneutralisierende Antikörper festgestellt werden, bei 17 wurde sogar der von der Weltgesundheitsorganisation WHO als schützend angesehene Grenzwert überschritten. Curevac arbeitet inzwischen an einem weiteren Tollwut-Impfstoff, der in den Muskel injiziert werden kann und 2017 in die klinische Prüfung gehen soll.

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