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Politik sieht in Hightech mit Bio-Label die Zukunft

BMBF/Hans-Joachim Rickel

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) stellt seinen Bericht zur Umsetzung der Hightech-Strategie (HTS) vor und kommt zu dem Schluss, die HTS „zeigt Wirkung“. Die wohl wichtigste Randbemerkung bei der Vorstellung in Berlin: Es wird an einer Blaupause zu einer „Agenda Biologisierung“ gearbeitet.

Dass Staat und Wirtschaft gemeinsam Forschung und Innovationen anwendungsbezogen voranbringen, habe sich als sehr erfolgreich erwiesen. So lautet das positive Fazit des BMBF zur HTS der Bundesregierung: „Der vorliegende Bericht zeigt, dass sich der lange Atem in der Forschungs- und Innovationspolitik auszahlt. Die HTS zeigt Wirkung.“ Derzeit wird die Neuausrichtung der Innovationspolitik für die nächste Legislaturperiode diskutiert. Bundesforschungsministerin Johanna Wanka setzte bei der Vorstellung der offiziellen Bilanz zu zehn Jahren HTS der Bundesregierung Ende März in Berlin ein ambitioniertes Ziel: „Bis 2025 wollen wir den Anteil von Forschung und Entwicklung am Bruttoinlandsprodukt von 3% auf 3,5% steigern.“ Derzeit liegt die Bundesrepublik gemessen an der Zahl der Patenten pro Einwohner weit vor Forschungsweltmeister USA. Auch bei den Forschungspublikationen belegen heimische Wissenschaftler Spitzenplätze und hinsichtlich der F&E-Ausgaben ist man laut Wanka unter den Top 5 weltweit. „Wenn wir Deutschlands Stellung als Innovationsführer und Exportweltmeister behalten und ausbauen wollen, müssen wir bereit sein, noch stärker in Forschung und Innovation zu investieren“, erklärte die Ministerin. Die Bioökonomie als Treiber einer biobasierten, nachhaltigen Wirtschaft dürfte hier künftig eine wichtige Rolle spielen. Man arbeite „an einem Blueprint einer Agenda Biologisierung“.

Für den Bundeshaushalt der nächsten Legislaturperiode würde ein solcher forschungspolitischer Kraftakt Zusatzausgaben von etwa 3,7 Mrd. Euro bedeuten. Zwei Drittel der zusätzlichen Gesamtausgaben für Forschung und Entwicklung müssten Wanka zufolge von der Wirtschaft kommen. „Dies wird nur gelingen, wenn wir mehr Unternehmen motivieren, Innovationen hervorzubringen. Dazu brauchen wir eine steuerliche Forschungsförderung neben der bewährten Projektförderung“, so Wanka weiter.

Zuvor stellte Kanzleramtsminister Peter Altmaier Ende März auf dem Forschungsgipfel 2017 unter dem Motto „Aufbau einer Innovations- und Wagniskultur“ öffentlich die Frage, „ob wir neben der Digitalen Agenda auch eine Agenda Biotechnologie brauchen“. Nach der Digitalisierung sei der Bereich der Biotechnologie der nächste große Innovationstreiber der deutschen Volkswirtschaft. BMBF-Staatssekretär Georg Schütte bestätigte auf dem Spitzentreffen, dass es Gespräche zu einer Agenda Biologisierung gebe. Noch gibt es jedoch keine offiziellen Angaben darüber, wie eine solche Agenda konkret aussehen wird. Erstmals angestoßen wurde die Priorisierung der Biologisierung beim „Innovationsdialog Biotechnologie“, der im November 2016 auf Initiative der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina gemeinsam mit Vertretern der Forschungsorganisationen im Bundeskanzleramt stattfand. Grundlage des von der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften Acatech vorbereiteten Treffens bildete ein Dossier zum Stand der Biotechnologie-Industrie in Deutschland, dessen überarbeitete Fassung in der ersten Aprilwoche von Acatech veröffentlicht werden soll. Hierin wird unter anderem die große Bedeutung lebenswissenschaftlicher Innovationen für den Aufbau einer biobasierten Wirtschaft hervorgehoben und eine Bestandsaufnahme der Biotech-Szene Deutschlands vorgenommen. 

Den Anzeichen nach wird die Biologisierung auch in der Neufassung der Hightech-Strategie von großer Bedeutung sein. Als Basis dienen ebenfalls auch die Handlungsempfehlungen des Hightech-Forums, das im Mai seine finalen Ergebnisse offiziell vorstellen und an die Bundesregierung übergeben will. Die Bioökonomie stand hier unter anderem im Fachforum „Nachhaltiges Wirtschaften“ auf der Agenda. Mit einer solchen „Agenda zur Biologisierung“ würde sich Deutschland an der vordersten Front der Bioökonomie-Staaten weltweit plazieren und auch auf europäischer Ebene punkten. Denn in welche Richtung die Bioökonomie-Strategie der Europäischen Kommission künftig weiterentwickelt wird und ob dies überhaupt geschieht, bleibt offen. Bei dem jüngst in Brüssel veranstaltetem Forum des EU-Konsortiums „Biostep“ wurde bekannt, dass die Begutachtung zum zweiten Mal in zwei Jahren verschoben wurde. Ergebnisse werden nun offenbar erst Ende 2018 erwartet, wie Medien berichten.

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