Nachrichten

Rentschler kauft Leukocare-Anteil

© ivandanru/fotolia.de

Die CMO Rentschler Biotechnologie GmbH sichert sich den exklusiven Zugang zu Leukocares patentgeschützten SPS-Formulierungstechnologien – gültig für den Bereich Auftragsfertigung von Biopharmazeutika. Zudem erwirbt Rentschler 10% der Leukocare AG.

Wie viel Geld im Gegenzug auf Leukocares Konten fließt, darüber schwiegen sich die Partner bei der Bekanntgabe der Allianz Anfang Februar aus. Mit Blick auf die Finanzierungsgeschichte von Leukocare dürfte der Wert des 10%-Anteils im niedrigen einstelligen Millionenbereich liegen. Ursprünglich war das Unternehmen ein Spin-off der Universität Frankfurt am Main, gegründet 2001. Im August 2004 von einer Beteiligungs-GmbH in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, stieg Ende 2006 mit der KfW der erste institutionelle Investor ein und übernahm 14% der Anteile. Neben einer Reihe finanzstarker Privatinvestoren und der KfW gehört seit dem Sommer 2015 auch das Schweizer Family Office Lifecare Partners zu den Investoren des Formulierungsentwicklers. 

Für Rentschler ist Leukocares proprietäre SPS-Technologie-Plattform (SPS: Stabilizing and Protecting Solutions) von Bedeutung. Sie ermöglicht die thermische Stabilisierung von biologischen Molekülen. Damit können die Lagerbedingungen vereinfacht, die Lagerzeiten verlängert und der Logistikaufwand reduziert werden. Auf dieser Basis entwickelt Leukocare zum Beispiel stabile flüssige Darreichungsformen biopharmazeutischer Produkte mit höherer Temperaturbeständigkeit und Lagerfähigkeit. „Die patentierte SPS-Plattform zeichnet sich durch spezifische und neuartige Kombinationen von bereits regulatorisch etablierten pharmazeutischen Hilfsstoffen aus“, so Michael Scholl, CEO von Leukocare.

Auftragsentwickler und -hersteller Rentschler kann dank der Allianz seinen Kunden von Beginn an eine „best-in-class-Formulierung und -Darreichungsform“ versprechen. Leukocare – bisher in Partnerschaften mit Impfstoffentwicklern und Medizintechnikherstellern – eröffnet sich über Rentschler ein neuer Kundenkreis: „Gemeinsam mit Rentschler als starkem Partner wollen wir das Thema Formulierung auf die Agenda der Biopharma-Branche setzen“, erklärte Scholl. Den Partnern zufolge können Entwickler von Biopharmazeutika mit der SPS-Formulierung ihrer Wirkstoffe „signifikante Wettbewerbsvorteile und das maximale Produkt- und Marktpotential erfolgreich ausschöpfen“. Rentschlers exklusiver Zugang zu Leukocares Technologien gilt für den Bereich Lohnherstellung von Biopharmazeutika. Scholl betont, dass seine Firma weiterhin an direkten Partnerschaften mit Wirkstoffentwicklern interessiert sei.

Leukocare ist seit einigen Jahren in Martinsried bei München zuhause und beschäftigt 20 Mitarbeiter. Das mittelständische Familienunternehmen Rentschler mit Sitz in Laupheim hat rund 700 Mitarbeiter. Der Auftragsfertiger kann auf mehr als 100 Kunden weltweit verweisen und hat bereits mehr als 200 verschiedene Moleküle produziert. Rentschler-Chef Frank Mathias ist seit knapp einem Jahr im Amt. Mit dem Leukocare-Deal setzt er seine 1. große Duftmarke.

© transkript.de/ml