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WHO gibt Richtung vor

© WWU/H. Dornhege

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat erstmals eine Liste mit den 12 gefährlichsten Antibiotika-resistenten Bakterien veröffentlicht, die klare Prioritäten für künftige Forschungsstrategien setzen soll. 

„Die Antibiotika-Resistenz wächst und uns gehen die Behandlungsmöglichkeiten aus,“ erklärte Marie-Paule Kieny, WHO-Generaldirektorin für Gesundheitssysteme und Innovation. Die Liste stelle sicher, dass Forschung und Entwicklung auf die Bedürfnisse der öffentlichen Gesundheit reagieren. „Wenn wir die Entwicklung neuer Antibiotika den Marktkräften alleine überlassen, werden sie nicht rechtzeitig entwickelt.

Als besonders gefährlich wurden 12 Stämme multiresistenter Bakterien eingestuft, die eine Bedrohung in Krankenhäusern und Pflegeheimen darstellen. Unter ihnen ist auch der Keim Acinetobacter baumannii, gegen den selbst Reserveantibiotika wie Carbapeneme und Cephalosporine keine Wirkung mehr zeigen.

Kriterien für die Aufnahme in die neue WHO-Liste, waren neben dem lebensbedrohlichen Potential der Erreger auch die Häufigkeit ausgebildeter Resistenzen außerhalb von Krankenhäusern und Pflegeheimen und die Anzahl möglicher Therapieansätze und Forschungsaktivitäten für neue Medikamente. „In den nächsten fünf Jahren sollen Anreize für die Forschung hinsichtlich multiresistenter gramnegativer Bakterien gegeben werden. Bisher wurden viele Antibiotika gegen grampositive wie zum Beispiel MRSA-Stämme entwickelt, aber das ist nicht mehr das Hauptproblem,“ unterstreicht Evelina Taconelli, Infektionsforscherin der Universität Tübingen.

Neue Strategien zur Bekämpfung von Antiobiotika-Resistenzen hat auch der G20-Gipfel der Gesundheitsminister diese Woche in Berlin auf die Tagesordnung gesetzt. Kurz zuvor kamen hier rund 130 Antibiotika-Experten aus Pharma, Forschung und Industrie auf der Berlin Conference zusammen, um die neuen Entwicklungen des europäischen Antibiotika-Marktes zu diskutieren.

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