Kommentar
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Alles Agro – oder was?

Börsenkommentar von Martin Schnee (Analyst, Schnee Research)

Kurz vor Toresschluss und nach einem gefühlten Bergmarathon hat die Bayer AG die finale konditionale Zustimmung aus den USA zur Übernahme des Konkurrenten Monsanto erhalten.

Im Zuge der Transaktion verkauft Bayer 3,3 Mrd. Euro Umsatz an einen anderen Wettbewerber, die BASF, und das zu einer stolzen Bewertung (4,1x Umsatz; 14,4x ­EBITDA). Neben der Marktstellung von aktuellen Produkten trat erstmalig die Wettbewerbsbetrachtung von künftigen Digitalangeboten in den Fokus der Kartellwächter. Die Marktstellung der Digital-Farming-Lösungen von Monsanto und Bayer wurde intensiv geprüft. Mit Blick auf Monsanto wurde der Vergleich mit Facebook bemüht, da in der Monsanto-eigenen Lösung bereits die Fläche von Deutschland ‚abgebildet‘ ist.
Unterdessen ist ein Erdbeben in der Kölner Bucht absehbar – zumindest metaphorisch. Im Raum Monheim verschieben sich die Kräfteverhältnisse nach der Megafusion von Bayer und Monsanto. Das kombinierte Crop-Science-Geschäft gewinnt innerhalb von Bayer an Gewicht – auch weil es deutlich profitabel ist. Damit einhergehend wird die Bedeutung der Pharmasparte für den Konzern trotz des aktuell gut laufenden Geschäfts geringer und die derzeit beschränkten finanziellen Möglichkeiten für Zukunftsinvestitionen dürften den Bereich ausbremsen. Hinzu dürften intra-divisionale Irritationen kommen: Durch die gemachten Zugeständnisse werden zirka 3.600 Crop-­Science-Mitarbeiter abwandern, während Monsanto rund 22.500 Mitarbeiter (ca. 57% in der Division; ca. 23% im Konzern) beisteuert. Hinzukommt, dass den ehemaligen Monsanto-Mitarbeitern ein gewisses Selbstverständnis (Wir-gegen-den-Rest-der-Welt) nachgesagt wird.
Wie der Firmentausch (Monsanto statt Covestro) ex post zu bewerten ist, lässt sich bislang noch nicht sagen. Die Übernahme wird jedoch kein Selbstläufer. Zwar besteht das neue Management-Team von Bayer Crop Science numerisch mehrheitlich aus Bayer-Managern (7:5), doch ergibt ein kritischer Blick auf die Zuständigkeiten möglicherweise andere interne Kräfteverhältnisse. Auch die Entwicklung des von Merck & Co. erworbenen Geschäfts für freiverkäufliche Medikamente, wo die Erreichung bestimmter Ziel immer noch aussteht, lässt den Marathon für Bayer noch nicht auf der Zielgeraden erscheinen. Das Augenmerk bleibt wohl noch länger auf dem Thema Integration.

Erschienen in |transkript 7-8/18.