Kommentar
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Darf die Kirche den Dialog verweigern?

Kommentar von Dr. Horst Rehberger (Ehrenmitglied der FDP, Vorsitzender Forum Grüne Vernunft e.V.)

„Die EKD (Evangelische Kirche Deutschland) wird sich immer wieder lautstark in gesellschaftliche Debatten einbringen und das Gespräch auch mit denen suchen, die Dialog ablehnen!“

So lautete am 28. Mai 2017 in der Lutherstadt Wittenberg die Botschaft des Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland, Prof. Dr. Heinrich Bedford-Strohm, vor zehntausenden Besuchern beim Abschluss-Gottesdienst des evangelischen Kirchentags. Zu den Themen, die in unserem Land seit Jahren heftig diskutiert werden, gehört die Grüne Gentechnik. Kürzlich haben dazu mehr als 120 Nobelpreisträger aus aller Welt in einer gemeinsamen Erklärung die Blockade der Grünen Gentechnik im Allgemeinen und des das Leben von Millionen Kindern in Asien und Afrika rettenden Goldenen Reises im Besonderen als „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ bewertet, also als Massenmord.

Genau für dieses „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ setzt sich die Führung der EKD massiv ein, indem sie verkündet, dass die Menschheit die Grüne Gentechnik keinesfalls brauche und die Produktion von gentechnisch gewonnenem Saatgut genauso verwerflich sei wie die Produktion von ABC-Waffen oder die Durchführung von Glücksspielen. Die Haltung der EKD-Führung ist umso erschütternder, weil die EKD-Verantwortlichen genau wissen, dass sie selber täglich „Genfood“ essen. In mehr als 70% unserer Lebensmittel steckt nämlich Gentechnik. Seit Jahren bemüht sich das Forum Grüne Vernunft um einen Dialog mit der EKD-Führung. Ohne Erfolg. Den Dialog über ein Thema zu verweigern, bei dem es um Leben und Tod zahlloser Menschen heute und die Zukunft der Menschheit morgen geht, ist mit der christlichen Botschaft, aber auch mit Bedford-Strohms eigenen Ankündigungen unvereinbar. Der Dialog ist überfällig!

(Erschienen in |transkript 10/17.