Kommentar

Ein nicht auszuschlagendes Angebot - oder?

Kommentar von Heiko Bruhn (Gechäftsführer Schweiz bei Gensearch)

Bewerbungsprozesse für Positionen mit gehobener Bedeutung laufen in der Regel über einen Zeitraum von mindestens drei Monaten. Am Prozessende steht die Angebotsverhandlung. Es kommt vor, dass Kandidaten mit dem Gedanken spielen, das verhandelte Angebot ihrem aktuellen Arbeitgeber vorzulegen, um so ein höheres Gehalt zu verhandeln.

Diese Strategie birgt Gefahren, deren man sich bewusst sein sollte. Auch kann es natürlich sein, dass der aktuelle Arbeitgeber von sich aus ein Gegenangebot unterbreitet, sobald er von dem Kündigungswunsch des Mitarbeiters erfährt. Auch dies sollte sorgfältig durchdacht sein.

Die Absichtsunterbreitung, ein Arbeitsverhältnis aufzulösen, setzt meist einen langen Prozess voraus. Sollte der Kandidat seinem neuen Arbeitgeber nach guten Verhandlungen unerwartet eine Absage erteilen oder die Erwartung auf Nachverhandlungen haben, kann er hierdurch seinen Ruf ruinieren. Seitens des aktuellen Arbeitgebers kann der Versuch, ein höheres Gehalt zu verhandeln, als erpresserisch wahrgenommen werden. Auch falls der aktuelle Arbeitgeber zunächst auf Verhandlungen eingeht, kann dies schlicht eine Strategie sein, Zeit zu gewinnen, um im Hintergrund eine Suche nach Ersatz zu starten. Seitens des Mitarbeiters sollte die Frage in jedem Fall lauten, warum das höhere Gehalt nur durch Druck zustande kam. Meist ist das Arbeitsverhältnis bei Verbleib im Unternehmen nach einer solchen Aktion belastet. Verschiedene Studien haben gezeigt, dass weit mehr als 50% derer, die ein Gegenangebot annehmen, im Anschluss weniger als ein Jahr im Unternehmen verbleiben. Natürlich spielt hier auch das Thema „innere Kündigung“ eine Rolle.

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