Kommentar
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Gekommen, um zu bleiben

Kommentar von Michael Nawrath (Senior Aktienanalyst, Zürcher Kantonalbank)

Biosimilars sind Kopien von Biologics, meistens Antikörper, und genauso komplex und schwierig herzustellen.

In Europa sind relativ einfache Biosimilars zum Beispiel zu Wachstumshormonen oder Epoetin alfa schon seit rund zehn Jahren am Markt, jedoch mit bescheidenen Umsätzen. Jetzt aber fällt der Patentschutz für die Mega-Blockbuster in der Onkologie und den Entzündungskrankheiten. Bei letzteren haben allein die drei TNFa-Antikörper Humira von Abbvie, Remicade von Johnson & Johnson und Enbrel von Amgen/Pfizer 2016 einen Gesamtumsatz von fast 30 Mrd. US-Dollar erzielt. Alle Biologics kommen auf einen globalen Umsatz von mehr als 200 Mrd. US-Dollar, was 35% aller Medikamentenumsätze ausmacht. In den USA beträgt dieser Anteil rund 50%.

Doch ausgerechnet die USA galten für Biologics lange Zeit als uneinnehmbar – einmal eingestellt auf die originalen Biologics für lange Behandlungsperioden würde es wohl kein Arzt wagen, auf Biosimilars zu switchen, hieß es. Jetzt aber, wo die Ausgaben für alle Gesundheitskosten die 20%-Marke vom GDP erreicht haben, bekommen sie unverhofft große Unterstützung durch den neuen FDA-Chef Scott Gottlieb. Um für die Innovationen in den Bereichen der Immunonkologie, der Autoimmunerkrankungen sowie der Gen- und Zelltherapie und der neurodegenerativen Störungen, allen voran Alzheimer, – um nur einige zu nennen – weiter bezahlen zu können und all die verheißungsvollen Neuentwicklungen nicht durch ausbleibende Anreize abzuwürgen, ist die Umverteilung der Kosten innerhalb des Gesundheitssystems die einzige Option. Zudem verspricht der demographische Trend Biosimilar-Herstellern eine rosigen Zukunft. Die Lebenserwartung steigt und damit die Zahl chronischer Erkrankungen. Da kommt der immer breitere, weil bezahlbare Biosimilars-Zugang zu den besten Medikamenten gerade recht. Amgen hat bereits die Zulassung für ein Humira-Biosimilar in den USA und Europa sowie Novartis/Sandoz eine EU-Zulassung für ein Mabthera-Biosimilar. Samsung-Bioepis zusammen mit Biogen und Merck sowie Eli Lilly und Boehringer Ingelheim vertreiben schon Bio­similars zum Insulinanalogon Lantus. Es bleibt festzuhalten: Nachfrage, Timing und namhafte Hersteller – alles spricht für Biosimilars.

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