Kommentar
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Gute Zeiten für Auslizenzierungen

Börsenkommentar von Daniel Wendorff, Team Head Healthcare & Chemicals Equity Research, Commerzbank AG

Nach schwachem Start in das Jahr 2018 legte der Index Dow Jones STOXX 600 Healthcare bis August um mehr als 17 Prozent zu. Und trotz leichter Eintrübung bleibt das Umfeld für Healthcare-Unternehmen freundlich.

Nachdem der Index Dow Jones STOXX 600 Healthcare (SXDP) einen eher schwachen Start in das Jahr 2018 hingelegt und bis Ende März über 10% verloren hatte, konnte er danach bis zu seinem Hoch am 7. August 2018 um mehr als 17% zulegen. Die anfängliche Skepsis wich der Überzeugung, im Healthcare-Segment einen sicheren, defensiven Hafen mit Überraschungspotential anlaufen zu können. Bei vielen Unternehmen mit positiven Nachrichten und überzeugenden Quartalszahlen kannten die Bewertungsparameter nach oben oftmals keine Grenzen. Leider hat sich das Börsenumfeld seitdem etwas eingetrübt. Seit dem Hoch am 7. August dieses Jahres hat der SXDP wieder 5% eingebüßt.

Wir gehen allerdings nach wie vor davon aus, dass das Umfeld für Healthcare-Unternehmen freundlich bleibt. Das betrifft sowohl das von uns erwartete Wachstum für den globalen Pharmamarkt (+6% jährlich von 2017 bis 2022) als auch die Nachfrage nach Produkten aus dem Bereich Life Sciences Tools & Equipment. Die Zahl vor der Zulassung stehender Pharmaprodukte, besonders Biologika, ist nach unseren Berechnungen hoch. Das fördert sowohl das Pharmamarktwachstum als auch die Zulieferindustrie für die biopharmazeutische Produktion. Sowohl die Merck KGaA als auch die Sartorius AG konnten nach unserer Einschätzung vom letztgenannten Trend im ersten Halbjahr 2018 eindeutig profitieren. Ferner sehen wir die Nachfrage nach Produkten für die akademische Forschung und für die Pharmaforschung als gesund an. Dies betrifft auch die Nachfrage nach innovativen, neuen diagnostischen Testsystemen. Vor diesem Hintergrund überrascht es nicht, dass die beiden Unternehmen mit der besten Performance im SXDP seit Jahresanfang die Swedish Orphan Biovitrum AB (+88%) und Sartorius Stedim Biotech (+75%) waren. Aufgrund der steigenden Zulassungsraten von neuen Medikamenten und auch der hohen Innovationsrate gerade bei vielen kleineren Biopharma-Unternehmen erwarten wir in den nächsten Monaten eine weiterhin gesunde Partnering- und Auslizenzierungsaktivität mit Big Pharma. Den Konzernen geht es oftmals nicht nur um die Verteidigung eines gewissen Umsatz- und Gewinnwachstums, sondern auch darum, in bislang starken Indikationen in einem sich schnell wandelnden Markt konkurrenzfähig zu bleiben.


Aus |transkript 11-12/2018