Kommentar
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Letzte Ausfahrt Blockchain

Börsenkommentar von Martin Laqua (Redakteur, |transkript)

„Es tummeln sich auch Spekulanten und windige Geschäftemacher am Markt“, warnte Elisabeth Roegele von der Wertpapieraufsicht bei der Finanzbehörde Bafin vor einigen Wochen mit Blick auf die Entwicklung der Kryptowährung Bitcoin.

Anleger ficht das aber nicht an. Sobald einer Firma ein Klebchen angeheftet wird, auf dem Blockchain steht, kennt der Kurs nur eine Richtung: himmelwärts. Da scheint es auch unerheblich, dass eine Firma zuvor mit zwei Geschäftsmodellen baden gegangen ist. So geschehen bei der US-Firma Bioptix Inc. und bei der deutschen Biosilu Healthcare AG. Vormals ein Entwickler und Verkäufer eines Tests zur Früherkennung von Blinddarmentzündungen, wechselte der Fokus bei Bioptix später auf eine Technologie, mit der Wirkstoffentwickler ihre Erfolgschancen hätten erhöhen sollen. Dieser Plan war aber nur fünf Monate gültig. Dann wurden Geschäftsmodell und Namen abermals ausgetauscht – diesmal mit Erfolg (zumindest an der Börse): Riot Blockchain sicherte sich ein paar Beteiligungen an Blockchain-Firmen und der Kurs ging von 4 US-Dollar auf zeitweise fast 40 US-Dollar steil. Wer denkt, dies könne nur in den USA passieren, der irrt. Der im Sommer 2016 bestellte Vorstand der Biosilu Healthcare AG, Klaus Wilgenbus, sollte die vormalige AMP Biosimilars AG neu ausrichten. Statt Biosimilars zu entwickeln, sollten „Arzneien für den wachsenden Bedarf von asiatischen Patienten“ identifiziert und kommerzialisiert werden. Ein erster Vorvertrag mit der Berliner Glycotope GmbH zu einem glykooptimierten Follikel-stimulierenden Hormon für den Einsatz bei In-vitro-Fertilisationen war aber offenbar nicht genug. Wenige Wochen später legte Wilgenbus im Herbst 2017 sein Amt nieder. Anfang 2018 wurde eine zweite Neuausrichtung des Geschäftsmodells beschlossen: Unter dem Namen Northern Bitcoin AG werden künftig Bitcoins geschürft – in einem mit Wasserkraftenergie betriebenen Rechenzentrum in einer ehemaligen Mine am norwegischen Lefdal-Fjord. An der Börse kam der Schwenk bei den Anlegern prächtig an: Im Dezember notierte die Aktie bei 3,30 Euro, wenig später erreichte sie zwischenzeitlich mehr als 75 Euro. Allen enttäuschten Biotech-Anlegern seien diese Kurssprünge gegönnt. Dennoch sollte man festhalten: Im Vergleich zu Blockchain-Firmen sind Investments in die Biotechnologie hochgradig konservativ.  

Erschienen in |transkript 1-2/18.