Kommentar
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Neuling bereichert Börse

Börsenkommentar von Ulrich Huwald (nalyst, Warburg Research GmbH)

Siemens Healthineers gelang ein erfolgreicher Börsengang. Damit wird der Börsenzettel um einen interessanten Medizintechnik-Titel bereichert.

Vorangegangen waren die Reduzierung des Plazierungsvolumens sowie Zugeständnisse in punkto Ausgabepreis, um potentiellen Risiken im Geschäftsmodell Rechnung zu tragen. Mit der separaten Notierung wird Healthineers die Möglichkeit gegeben, Übernahmen mit eigenen Aktien zu bezahlen und damit eine aktive Rolle in der Konsolidierung der Branche zu übernehmen. Aktuell beruhen die Planungen allerdings lediglich auf organischem Wachstum.
Trotz der Marktführerschaft im Bereich Imaging (Weltmarktanteil 31%) liegt der Fokus aber auf dem Bereich Diagnostics (Laborgeschäft), in dem man zu den Top-3-Anbietern weltweit gehört. Diagnostics fällt nämlich die Rolle des Wachstums- und Ergebnistreibers zu. Dafür spricht zum einen das Marktwachstum von 5% jährlich. Zudem wird gerade das neue, automatisierte Analysesystem Atellica Solution am Markt eingeführt. Atellica soll in den nächsten Jahren alte Siemens-Systeme bei Kunden ablösen. Dadurch sollen die Teilevielfalt reduziert und der Service auf Atellica fokussiert werden. Entsprechend positive Auswirkungen auf das Working Capital, die Profitabilität und das Ergebnis werden erwartet. Nach dem „Rasierer-Klinge-Prinzip“ ist ferner bei zunehmender Anzahl verkaufter Atellica-Systeme mit steigenden Umsätzen der profitablen Verbrauchsmaterialien zu rechnen. Die operative Marge des Bereichs soll entsprechend deutlich steigen. Doch ein Risiko dabei bleibt das Gelingen der Markteinführung des Systems, welches sich zum Teil gegen etablierte Konkurrenzprodukte von zum Beispiel Abbott, Danaher und Roche durchsetzen muss. Da zudem die Einführung des Vorgängersystems Dimension unbefriedigend verlief, sind hier durchaus kritische Stimmen von Marktbeobachtern zu vernehmen. Vor diesem Hintergrund ist eine mehrjährige Einführungsphase vorgesehen. Da sich diese strategische Zielsetzung jedoch über einen Zeitraum von mehr als zwei Jahren erstreckt, stellt sich die Frage nach Zwischenzielen, an denen sich der Erfolg messen lässt. Da diese jedoch nicht zur Verfügung stehen, wird künftigen Aussagen zum Markterfolg von Atellica große Bedeutung zukommen.

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