Kommentar
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Nicht so defensiv wie es scheint

Börsen-Kommentar von Daniel Wendorff, Analyst, Commerzbank AG, Frankfurt am Main

Der DJ STOXX 600 Healthcare Index hat 2019 schon circa 20% zugelegt und dabei in etwa wie der breite DJ STOXX 600 abgeschnitten.

Aufgrund des defensiven Charakters des Healthcare-Sektors und der politischen und wirtschaftlichen Turbulenzen in der Weltwirtschaft hätte man eher eine bessere Performance dieses Unterindexes erwarten können. Interessanterweise war das bis zum August auch der Fall. Seitdem hat sich das Blatt gewendet, was unter anderem auch damit zusammenhängt, dass es einige Gewinnwarnungen im Healthcare-Sektor gab. Die Gründe dafür waren durchaus sehr unterschiedlich, wobei die aktuellen Handelskonflikte und Revidierungen des Wirtschaftswachstums eine Rolle spielen. So hatte Qiagen für 2019 bereits zweimal gewarnt. Die erste Warnung vom August bezog sich auf ein Joint Venture der Firma mit Maccura Biotechnology in China, aus dem nicht die gewünschte Anzahl an neu entwickelten und zugelassenen Tests auf NGS (Next-Generation Sequencing)-Basis hervorgegangen ist. Dadurch musste die Guidance für das Gesamtjahr gesenkt werden. Die jüngste Warnung, die zunächst einmal nur das Umsatzwachstum für das dritte Quartal betrifft, bezieht sich interessanterweise wieder auf China, wo sich insbesondere die Nachfrage nach diagnostischen Produkten von Qiagen abgeschwächt hat. Ein anderes Unternehmen, das jüngst seine Erwartungen für 2019 zurücknahm, war Philips. Insbesondere war die Margenentwicklung im Q3 unter den Erwartungen geblieben. Das lag auch an den negativen Auswirkungen der Handelskonflikte weltweit. Philips sprach bei der Vorstellung der vorläufigen Zahlen auch von etwas schwierigeren Bedingungen in Nordamerika und Europa bezüglich des Auftragseingangs. Vor diesem Hintergrund scheint die Suche nach den defensivsten unter den defensiven Bereichen immer wichtiger zu werden. Ein Subsektor im Healthcare-Bereich hat sich zum Beispiel in diesem Jahr bisher mit kontinuierlich starken Wachstumsraten im zweistelligen Prozentbereich hervorgetan, der Zulieferbereich für die biopharmazeutische Produktion (Merck KGaA 15%, Sartorius mehr als 20% in der ersten Jahreshälfte). Der Bereich profitiert vom kommerziellen Erfolg von biotechnologisch hergestellten Molekülen und dem Aufbau einer biopharmazeutischen Industrie in China. Es deutet aus unserer Sicht nichts darauf hin, dass sich das Marktwachstum substantiell verlangsamen wird.

Erschienen in |transkript 04/2019