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Früher Exit für Luxendo

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Nur anderthalb Jahre nach der Startfinanzierung hat sich für das Heidelberger Start-up Luxendo ein Käufer gefunden. Der Mikroskopie-Experte wird vom US-Konzern Bruker übernommen.

Luxendo ist eine Ausgründung des European Molecular Biology Laboratory (EMBL) in Heidelberg, die Lichtscheibenfluoreszenzmikroskope (SPIM; Single Plane Illumination Microscopy) entwickelt. Die Startfinanzierung über 6 Mio. Euro im Oktober 2015 hatten die Risikokapitalgeber Life Science Partners (LSP) sowie EMBL Ventures über den EMBL Technology Fund II jeweils zur Hälfte gestemmt. Anfang 2017 wurde die Finanzierung auf 8 Mio. Euro aufgestockt. Neben LSP und EMBL Ventures war auch die EMBL Enterprise Management Technology Transfer GmbH (EMBLEM) an der Erweiterung der Runde beteiligt. Anfang Mai wurde das Start-up an den 6.000 Mitarbeiter zählenden US-Konzern Bruker verkauft. Wie bei Brukers Zukäufen der vergangenen Jahre herrscht Stillschweigen, was die Details der Transaktion angeht. Erfahrungsgemäß willigen Risikokapitalgeber zu einem so frühen Zeitpunkt der Entwicklung der finanzierten Firma nur ein, wenn das Kaufangebot äußerst lukrativ erscheint. Auch Details zum Verbleib von Unternehmenssitz, Management und den insgesamt 17 Mitarbeitern konnte |transkript nicht in Erfahrung bringen. Andreas Pfuhl, CEO von Luxendo, bezeichnete den Deal am Telefon aber als „sehr spannend“. Auch blicke man „mit Freude“ in die Zukunft.

Joachim Rothe, Geschäftsführender Gesellschafter bei LSP, kommentierte den Exit der Portfolio-Firma: „Unsere Anlagestrategie basierte auf der Annahme, dass am EMBL erneut eine revolutionäre Lichtmikroskopietechnologie entwickelt wurde – inklusive eines fundierten Patentportfolios.“ Mark Munch, Präsident der Bruker Nano Group, ergänzte: „Die Luxendo GmbH hat sich schnell auf dem Markt für Lichtscheibenfluoreszenzmikroskope etabliert, vor allem in Europa. Wir glauben, dass wir die Aktivitäten auf die nächste Ebene heben können – sowohl was die globale Marktreichweite als auch was die nächste Gerätegeneration angeht.“ EMBL-Generaldirektor Iain Mattaj erwartet, dass Bruker „mit seinem hervorragenden Ruf bei der Bereitstellung innovativer Technologien SPIM noch breiter verfügbar macht“.

Die Lichtscheiben- beziehungsweise Lichtblattfluoreszenzmikroskopie wurde von der Fachzeitschrift Nature Methods zur Methode des Jahres 2014 gewählt. Weil jeweils nur eine wenige Mikrometer starke Schicht einer Probe beleuchtet wird, besticht SPIM im Vergleich zu Konkurrenztechnologien mit einer besseren Auflösung und einem deutlich verminderten Bildhintergrund. „SPIM revolutioniert die Bildgebung in der Biologie. Luxendo hatte bisher eine einflussreiche Rolle bei der Verbreitung dieser Technologie zur Untersuchung von Lebendproben inne“, so Pfuhl.

Bruker, gegründet 1960 in Karlsruhe, stellte Ende 2015 mit Vutara 352 das nach eigenen Angaben erste hochauflösende Mikroskopiesystem vor, das quantitative Analysen erlaubt. Das System wurde im Sommer 2014 durch den Kauf des US-Start-ups Vutara erworben. Mit dem Kauf von Luxendo baut Bruker sein noch junges Angebot im Bereich der Mikroskopie konsequent aus. Bruker selbst bezeichnet die Transaktion als „einen weiteren wichtigen Schritt nach vorn bei der Transformation des Portfolios”. 

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