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Optimismus in Martinsried

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Für die Biotech-Szene in Martinsried wird 2017 ein gutes Jahr werden. Da waren sich die Teilnehmer des Frühjahrstreffs des Innovations- und Gründerzentrums für Biotechnologie (IZB) einig.

Wer sich in der Biotech-Szene in Martinsried umhört, der trifft derzeit vor allem auf positive Nachrichten. Etablierte Firmen wie Morphosys blicken hoffnungsvoll dem ersten Markteintritt eines ihrer Antikörper entgegen. Andere Firmen wie Rigontec starten in die klinische Erprobung ihrer RNA-basierten Immunkrebstherapie. Welche Herausforderungen Therapieentwickler zu meistern haben, darüber wurde Anfang Mai auf der fünften Biotech-Presselounge am Innovations- und Gründerzentrum für Biotechnologie (IZB) diskutiert. Mehr als 100 Gäste – darunter Biotech-Unternehmer, Journalisten, Wissenschaftler und Investoren – folgten der Einladung von IZB-Geschäftsführer Hanns Peter Zobel in den Faculty Club. „Wir sitzen hier Tür an Tür mit Topwissenschaftlern und Nobelpreisträgern“, unterstrich der Gastgeber. „Die Dynamik am Standort ist ungebrochen. Im letzten halben Jahr haben sich mit Immunic, Scimab und Metaheps drei neue Start-ups hier angesiedelt.“ Auf 26.000 Quadratmetern sind derzeit rund 60 Biotech-Unternehmen mit mehr als 630 Mitarbeitern am IZB aktiv.  

Dass aus Start-ups etablierte Unternehmen erwachsen können, zeigt die Historie der Morphosys AG. Vor 25 Jahren nahm die Firmengeschichte in Martinsried ihren Anfang, im Sommer soll das Jubiläum ausgiebig gefeiert werden. Zwischen 1997 und 1999 gehörte man zu den Mietern des damals neuen IZB, inzwischen schickt sich die börsennotierte Firma an, ein vollintegriertes Biopharma-Unternehmen zu werden. Das Antikörper-Präparat Guselkumab, der von Morphosys’ Partnerfirma Janssen zur Behandlung von Schuppenflechte entwickelt wurde, könnte in der zweiten Jahreshälfte 2017 als erster Morphosys-Antikörper die Marktzulassung erhalten – und die Kassen für die eigene Medikamentenentwicklung füllen. Bei der von Julia Groß (Euro am Sonntag) moderierten Presselounge berichtete Interimsforschungsvorstand Markus Enzelberger davon, wie es ist, ein Juniorpartner in solch einer Entwicklungspartnerschaft zu sein. Man habe im Detail wenig selbst in der Hand, könne aber bei Erfolg partizipieren.  

Noch ganz am Anfang der klinischen Entwicklung stehen wiederum die Immuntherapie-Experten von Rigontec. Die Dosierung des ersten Patienten in der gerade angelaufenen Phase I/II-Studie für den Kandidaten RTG 100 ist erfolgt, das nötige Kapital hatte die Firma mit einer 15-Millionen-Euro-Finanzierung im Jahr 2016 eingesammelt. Geschäftsführer Christian Schetter erläuterte das große Potential des Ansatzes, aber auch die Herausforderung, sich im wachsenden Immunonkologie-Markt zu behaupten. „Wir haben die Vision, unseren First-in-Class-Ansatz möglichst rasch in den Markt zu bringen und stehen in engem Kontakt mit den Regulierungsbehörden“, sagte er. Darüber hinaus sei man nicht nur in Martinsried, sondern inzwischen auch mit einer Niederlassung in den USA vertreten. 

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