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Foto: Axel Griesch/MPI für Biochemie

Biophysiker erhält Stifterverbandspreis 2019

Prof. Dr. Wolfgang Baumeister, Direktor am MPI für Biochemie in Martinsried, wurde Ende Juni in Hamburg für die Entwicklung der Kryo-Elektronentomographie mit dem Wissenschaftspreis des Stifterverbandes 2019 geehrt.

Der Biophysiker, der am Max-Planck-Institut für Biochemie die Abteilung Molekulare Strukturbiologie leitet, entwickelte eine Methode, mit der Zellen in ihrem intakten Umfeld in hoher räumlicher Auflösung betrachtet werden können – die Kryo-Elektronentomographie. Dabei werden komplette Zellen oder Zellorganellen in flüssigem Stickstoff schockgefroren. Von den Proben erstellen die Forscher aus verschiedenen Perspektiven zweidimensionale Bilder, die zu dreidimensionalen Bildern hochgerechnet werden. Unschlagbarer Vorteil der Methode: die Zellen werden nicht durch Isolation oder Aufreinigung aus ihrem zellulären Umfeld entfernt. Auf diese Weise entschlüsselten Baumeister und seine Kollegen zum Beispiel die Struktur des 26S- Proteasoms, das aus 66 Einzelproteinen besteht und wichtige Aufgaben in der lebenden Zelle hat. Es erkennt, entfaltet und zerschneidet andere Proteine in einem kontrollierten Prozess. Allerdings sind solche großen Proteinkomplexe wie das 26S-Proteasom oft sehr labil oder nur kurzzeitig vorhanden. Deshalb können sie kaum in biochemischen Präparationen und in gereinigter Form erfasst werden. Die Lösung des Problems war das neuartige Verfahren der Kryo-Elektronentomographie, an dem Baumeister seit mehr als 30 Jahren arbeitet. In ihren aktuellen Forschungen befassen sich die Forscher mit Kernporenkomplexen, prä- und postsynaptischen Strukturen von Nervenzellen sowie Proteinkomplexen in Membranen und Zellwänden.

Für seine Pionierarbeit erhielt der 72-Jährige bereits zahlreiche renommierte Auszeichnungen, so unter anderem die Ernst-Jung-Medaille für Medizin in Gold und den Louis-Jeanet-Preis.

Der Wissenschaftspreis des Stifterverbandes ist mit 50.000 Euro dotiert. Er wurde gemeinsam von der Max-Planck-Gesellschaft (MPG) und dem Stifterverband auf der Jahresversammlung der MPG in Hamburg verliehen. In der Begründung der Jury wurde die hohe wirtschaftliche Relevanz der Methode gelobt, die ihren Einsatz nicht nur in der Molekularbiologie findet, sondern auch in der Elektronik und Materialtechnik.

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