PERSONALIA
Foto: Kerstin Rolfes

Carl-Friedrich-von-Weizsäcker-Preis 2022 für Antje Boetius

Prof. Dr. Antje Boetius, alte und neue Direktorin des Alfred-Wegener-Instituts in Bremerhaven, erhält in diesem Jahr den Carl-Friedrich-von-Weizsäcker-Preis für ihr langjähriges, erfolgreiches wissenschaftliches Engagement. Die Auszeichnung ist mit 50.000 Euro dotiert und wird gemeinsam von der Leopoldina und dem Stifterverband vergeben.

„Antje Boetius leistet mit ihren Forschungen Pionierarbeit auf dem Gebiet der Tiefsee- und Polarforschung“, so der Präsident der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina, Prof. (ETHZ) Dr. Gerald Haug. Ihre Arbeiten in den Weltmeeren, von den methanzehrenden Mikrobengemeinschaften der Tiefsee bis zu den ökologischen Folgen des Meereisrückgangs in der Arktis, spiegeln die hohe Diversität ihres wissenschaftlichen Einsatzes wider. Sie baut Brücken zwischen Biologie, Chemie und Erdsystemforschung und trägt somit wesentlich zur Entwicklung der neuen Disziplin Biogeochemie bei.“ Seit Jahren erforscht Boetius mit ihren Kollegen die Tiefsee und deren Einfluss auf Stroffkreisläufe, die Lebensvielfalt und das globale Klima.

Aber auch ihr gesellschaftliches Engagement sei hervorzuheben, wie der Präsident des Stifterverbandes, Prof. Dr. Michael Kaschke, betonte: „Es ist Antje Boetius ein besonderes Anliegen, den disziplinübergreifenden Dialog innerhalb wie außerhalb der Wissenschaft zu fördern sowie Diskussionen über kontroverse Themen der Forschung anzuregen. Dabei befasst sie sich auch intensiv mit der Vielfalt und Qualität von Formaten der Wissenschaftskommunikation.“

Boetius bleibt AWI-Direktorin
Erst Anfang November wurde Antje Boetius für weitere fünf Jahre als Direktorin des Alfred-Wegener-Instituts (AWI), Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven, bestätigt. Und trotz aktueller Krisen hat sie sich für ihre zweite Amtszeit viel vorgenommen: ein Schwerpunkt ihrer Arbeit wird die verstärkte Erforschung der Lebensvielfalt im Ozean und an den Küsten sein. Dafür entsteht am Standort Oldenburg das Helmholtz-Institut für Funktionelle Marine Biodiversität. Forschungsschwerpunkte sind unter anderem das Verhältnis der Menschen zum Meer sowie Möglichkeiten, gefährdete Meeresumwelten zu schützen und zurückzugewinnen. Außerdem möchte die Polar- und Tiefseeforscherin im Rahmen der UN-Ozeandekade eine internationale Antarktis-Mission starten.

„Die Suche nach dem Unbekannten und manchmal auch zufällige Entdeckungen in einer uns noch in weiten Teilen verborgenen Welt werden immer der Kern unserer exzellenten Grundlagenforschung bleiben. Gleichzeitig haben wir in den vergangenen Jahren gezeigt, was wir erreichen können, wenn wir in großen Forschungsmissionen denken, zu denen wir gemeinsam mit unseren Partnern aus der ganzen Welt aufbrechen. So eine Mission wollen wir in den kommenden Jahren der Antarktis widmen, bevor der Klimawandel ihr Gesicht verändert. Wissen um unseren Planeten soll dabei noch viel teilbarer werden“, sagt Antje Boetius.

Neue Expedition mit der Polarstern
Im kommenden Jahr will Antje Boetius zum ersten Mal seit 2017 wieder eine Expedition mit der Polarstern leiten. Das internationale Team der ArcWatch-Expedition erforscht, wie der Rückgang des arktischen Meereises das Ökosystem des Arktischen Ozeans bis zum Tiefseeboden rund um den Nordpol im vergangenen Jahrzehnt verändert hat.

Zahlreiche Auszeichnungen
Für ihre wissenschaftliche Arbeit und ihr darüber hinaus gehendes gesellschaftliches Engagement erhielt Antje Boetius bereits zahlreiche Auszeichnungen, so 2009 den Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft, 2011 den Advanced Grant des Europäischen Forschungsrates und 2018 erhielt sie den Communicator-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft und des Stifterverbandes sowie den Deutschen Umweltpreis und ein Jahr später das Bundesverdienstkreuz. Boetius ist seit 2009 Mitglied der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina in der Sektion Geowissenschaften, und zudem Mitglied einer Reihe von deutschen und internationalen Akademien.

Die Verleihung des Carl-Friedrich-von-Weizsäcker-Preises findet Mitte Dezember 2022 in Halle (Saale) im Rahmen der traditionellen Weihnachtsvorlesung der Leopoldina statt, die Antje Boetius zum Thema „Leben im Ozean“ halten wird.