PERSONALIA
Foto: Körber-Stiftung/Friedrun Reinhold

Körber-Preisträger 2020

Mit maßgeschneiderten Gentherapien Erblindeten wieder zum Sehen zu verhelfen, das ist das Ziel von Botond Roska. Für seine vielversprechenden Ergebnisse erhält er in diesem Jahr den mit 1 Mio. Euro dotierten Körber-Preis für die Europäische Wissenschaft.

Gemeinsam mit seinen Kollegen vom Institut für Molekulare und Klinische Opthalmologie in Basel gelang es Botond Roska, genetische Defekte zu lokalisieren und zu kartieren, die zu erblichen oder altersbedingten Netzhauterkrankungen führen können. Dafür erforschten die Wissenschaftler das funktionelle Zusammenwirken von rund einhundert unterschiedlichen Zelltypen in der Retina bei der Signalverarbeitung. Ihre Ergebnisse stellen eine bisher nicht dagewesene Grundlage für die Behandlung von Augenerkrankungen dar. Sie sollen nun dabei helfen, Gentherapien für betroffene Patienten zu entwickeln. So laufen beispielswiese derzeit klinische Studien, in denen blinde Netzhäute ihre Lichtempfindlichkeit zurückerhalten sollen. Roska war es gelungen, einen Zelltyp im Auge so umzuprogrammieren, dass er die Funktion defekter Lichtrezeptor-Zellen übernehmen konnte.


Auch Genfähren mit deren Hilfe lichtempfindliche Protein-Kanäle aus Algen, Pilzen oder Bakterien in noch intakte Zellen der Netzhaut eingeschleust werden, könnten dazu beitragen, dass Retinitis pigmentosa-Patienten zumindest einen Teil ihrer Sehkraft zurückerhalten. Eine entsprechende klinische Studie mit fünf Probanden läuft ebenfalls.

Dem ungarischen Wissenschaftler war es erstmals auch gelungen, aus einer Patientenhautzelle eine vollständige künstliche Netzhaut in der Petrischale zu züchten. Der komplizierte Prozess dauert 30 Wochen. Dann steht ein Netzhaut-Organoid zur Verfügung, an dem weitere Behandlungsmöglichkeiten getestet werden können, denn das Organoid weist dieselben genetischen Defekte auf wie das „Original“.

Roska, der ursprünglich Cellist werden wollte – das Studium musste er wegen einer Verletzung abbrechen –, entschied sich dann für Medizin und Mathematik. Er promovierte in Neurobiologie in Berkeley, USA, und anschließend als Harvard Fellow auf den Gebieten Genetik und Virologie. Von 2005 bis 2017 leitete er eine Gruppe am Friedrich-Miescher-Institut für biomedizinische Forschung in Basel. Im Dezember 2017 wurde er gemeinsam mit Prof. Dr. Hendrik Scholl Gründungsdirektor des IOB. Das Baseler Institut schließt die Lücke zwischen Grundlagenforschung und Anwendung in der klinischen Praxis. Dafür werden Methoden der Genetik, Molekularbiologie, Neurowissenschaften und Informatik miteinander kombiniert.

Die Preisverleihung soll im Herbst in Hamburg stattfinden. Seit 1985 zeichnet die Körber-Stiftung jährlich exzellente Forschungsansätze mit hohem Anwendungspotential in den Physical oder Life Sciences aus.

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