PERSONALIA
Foto: FWF/Daniel Novotny

Wittgenstein-Preis 2022 geht an Christa Schleper

Die Mikrobiologin Christa Schleper, Professorin an der Universität Wien, erhielt Ende Juni den „österreichischen Nobelpreis“ – den mit 1,5 Mio. Euro dotierten Wittgenstein-Preis des Wissenschaftsfonds FWF.

Mit dem Preis wird das herausragende wissenschaftliche Lebenswerk von Schleper geehrt, die sich seit Beginn ihrer Laufbahn mit Archeen beschäftigt. Sie gilt als Expertin für mikrobioelle Ökologie und möchte mit dem Preisgeld die Grundlagenforschung zu neu entdeckten Archaeen intensivieren, neben deren evolutionärer Bedeutung auch ihre Rolle im Ökosystem untersuchen. Ihre Erkenntnisse könnten dabei helfen, die Landwirtschaft nachhaltiger zu gestalten.


„Ich freue mich riesig über die Auszeichnung durch die internationale Jury des Wissenschaftsfonds FWF“, so Schleper, die seit 2007 Professorin an der Universität Wien und Leiterin des Instituts für funktionelle und evolutionäre Biologie ist. „Der Wittgenstein-Preis gibt mir und meinem ganzen Team viel Freiraum, uns noch an einige der unbeantworteten Fragen der Biologie zu wagen. Wir erforschen, warum Mikroorganismen, also die allerkleinsten und allerältesten Lebewesen der Erde, eine so große Rolle im Ökosystem spielen. Es ist mir ein Anliegen, mich mit unseren Erkenntnissen nicht nur an die Fersen der Evolution zu heften, sondern auch einen Beitrag für die Biodiversität und den Klimaschutz von morgen zu leisten“, so Schleper abschließend.

Schleper zählt zu den meistzitierten Forschern Österreichs. Die gebürtige Deutsche studierte in Aachen und Konstanz Biologie und promovierte in München am Max-Planck-Institut für Biochemie. Es folgten Forschungsaufenthalte in den USA, Norwegen und Deutschland. Schwerpunkte ihrer wissenschaftlichen Arbeit sind Ökologie, Molekularbiologie und Evolution von Archaeen, Virus-Wirt-Interaktionen sowie die Erforschung nicht kultivierbarer Mikroorganismen mithilfe der Metagenomik.

In der Begründung der Jury, zu der mit Bruce Beutler (2011, Physiologie/Medizin) und Stefan Hell (2014, Chemie) auch zwei Nobelpreisträger gehören, heißt es: „Christa Schleper leistet einen außergewöhnlichen Beitrag auf dem Gebiet der mikrobiellen Ökologie. Ihre Studien über Archaeen haben zu bahnbrechenden Entdeckungen geführt und unser Verständnis des Stickstoffkreislaufs verbessert. Mit dem Wittgenstein-Preis würdigen wir nicht nur den Pioniercharakter ihrer Forschung, der zur Entdeckung neuer Arten und ökologischer Nischen geführt hat, sondern auch die weitreichenden Auswirkungen auf die Zukunft dieses Forschungsbereichs.“ 

Der Wissenschaftsfonds FWF ist Österreichs führende Organisation zur themenoffenen Förderung der Grundlagenforschung sowie der künstlerisch-wissenschaftlichen Forschung.

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