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© Thomas Sattelberger, MdB

15% des Pakts für Forschung und Innovation variabel vergeben

Warum steht die erste deutsche Uni erst auf Platz 31 im renommiertesten internationalen Ranking, gefolgt von den Plätzen 45 und 92? Blickt man auf Patente, steht Deutschland zwar bei der schieren Anzahl auf Platz 1. Bei forschungsintensiven aber auf Platz 5, bei Spitzentechnologie nur auf Platz 8.

Zwischen 2006 und 2020 werden etwa die außeruniversitären Forschungseinrichtungen an die 86 Mrd. Euro von Bund und Ländern erhalten haben. Wir stecken vorne so viel rein! Was kommt eigentlich hinten dabei heraus? Diese Frage stellt mittlerweile auch der Bundesrechnungshof, der beim Pakt für Forschung und Innovation leistungsorientiertes Controlling einfordert. Nötig wäre dies aus meiner Sicht vor allem zum Innovationstransfer in den Mittelstand, zu KI- und DeepTech-Ausgründungen, zu transnationalen Patenten und zu Wanderungsbewegungen von Spitzenforschern.

Grundlagenforschung, neugiergetriebene Forschung ist wichtig. Doch außeruniversitäre Forschungseinrichtungen wie Max Planck, Leibniz, Helmholtz und Fraunhofer brauchen zumindest einige Benchmarks und Performance-Indikatoren. Wir sollten diejenigen belohnen, deren Forschungsergebnisse Bürgern, Wirtschaft und Politik nachweislich nutzen.

Dazu gehört zum Beispiel auch das innovative Feld der Translationalen Medizin. Sie bringt interdisziplinär verschiedene Expertisen und technisches Know-how von Labor, Krankenbett und Wissenschaft zusammen mit dem Ziel, Prävention, Diagnose und Therapie weiterzuentwickeln und zu verbessern. Wenn Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung evidenzbasiert zu besserer klinischer Versorgung und einer verbesserten Gesundheit der Bevölkerung führen: Dann verdienen solche Erfolge mehr Förderung.

In Großbritannien etwa ist ein solcher Mechanismus bereits etabliert. Das Research Excellence Framework vergibt Forschungsgelder bis zu 25% erfolgsabhängig für nachgewiesenen Impact. In Deutschland trete ich dafür ein, in einem ersten Schritt staatliche Forschungsgelder des Pakts für Forschung und Innovation künftig bis zu 15% variabel zu vergeben und an Zielvereinbarungen und transparentes Erfolgscontrolling zu knüpfen.

Ich fordere das Bundesforschungsministerium auf, einen Indikatorenkatalog und dazugehörige Verfahren zu entwickeln, nach denen sich Ergebnisse, Nutzen und Wirkung von Forschung messen lassen – um dann die variablen Mittel transparent und nachvollziehbar vergeben zu können.

Darüber hinaus müssen wir ein Frühwarnsystem mit webbasierten Indikatoren aufbauen, das aufkommende Trends früh identifiziert: in Wissenschaft und Forschung, bei Gründungen, Patenten, Wanderungsbewegungen von Wissenschaftlern. Damit Deutschland nicht wieder so schläft wie bei der neuronalen KI, sondern bereits zu Beginn neuer Entwicklungen agiert.

Um Missverständnisse auszuschließen: An der staatlichen Forschungsförderung will niemand rütteln – weder an der Grundfinanzierung noch an der dynamischen Budgetsteigerung pro Jahr. Forschungsgelder sollen nicht schrumpfen, sie müssen wachsen.

Wir müssen einen Impuls setzen, einen Anreiz für die vier Forschungseinrichtungen, ihr Potential kräftiger auszuschöpfen. Und dabei hilft eine variable, wettbewerbliche Komponente von bis zu 15% für die, die vereinbarte Ziele erreichen. 

Erschienen in |transkript 02/2019