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Pro: Dr. Ricardo Gent, Geschäftsführer der Deutschen Industrievereinigung Biotechnologie im VCI (Foto: DIB), Kontra: Dr. Christoph Then, Geschäftsführer Testbiotech e.V., München (Foto: Testbiotech)

Gentechnik: Nötig im Kampf gegen den Welthunger?

Pro: Dr. Ricardo Gent, Geschäftsführer der Deutschen Indus­trievereinigung Biotechnologie
im VCI

Gentechnik kann den Kampf gegen den Welthunger unterstützen. Dieser hat viele Ursachen: ideologische Politik und militärische Konflikte, mangelhafte Infrastruktur, geringe Bildung, fehlender Zugang zu Krediten, Dürreperioden und vieles mehr spielen je nach Land eine wichtige Rolle. Eine Technologie allein kann ihn also ebenso wenig beseitigen wie eine bestimmte Anbauart. Das gilt für den ökologischen und den integrierten Landbau gleichermaßen.

Die Pflanzenzüchtung leistet aber einen wesentlichen Beitrag, die Produktivität aller Anbauformen zu steigern. Die konventionelle Züchtung allein schafft es nicht immer. Daher sind die Gentechnik und die Methoden des Genome Editing wie CRISPR und TALEN unerlässliche Ergänzungen im Werkzeugkasten der Pflanzenzüchtung.

Landwirte wollen Pflanzen einsetzen, die weniger Ressourcen benötigen, gute Qualität und hohen Ertrag liefern, mit Krankheiten und Schädlingen fertigwerden und mit den Bedingungen des Klimawandels zurechtkommen. Das stellt die Pflanzenzucht vor große Herausforderungen.

So wird etwa die Produktion von Bananen derzeit durch die Panama-Krankheit bedroht. Mittels Genome Editing ist es endlich möglich, resistente Kulturbananen nachhaltig und mit der notwendigen Schnelligkeit zu züchten. Diese könnten auch unter Öko-Standards angebaut werden, wenn die Pflanze gezielt durch Mutagenese entstanden ist und keine artfremde DNA in das Genom eingefügt wurde. Dann ist die Banane nach Gentechnikgesetz kein GVO.

Die Frage, welche Technologien für welche Formen der Landwirtschaft eingesetzt werden, sollte keine Rolle spielen. Das Ziel muss immer eine nachhaltige Landwirtschaft sein.

Kontra: Dr. Christoph Then, Geschäftsführer, Testbiotech e.V., München

Bei Versuchen, den „Golden Rice“ mit der bekannten indischen Reissorte „Swarna“ zu kreuzen, gab es eine böse Überraschung: Das eingebaute Genkonstrukt störte die Funktion eines natürlichen Wachstums-Gens. Zudem verminderte sich der Gehalt des für die Pflanzen lebensnotwendigen Chlorophylls. Das Beispiel zeigt, wie schnell die angebliche Lösung selbst zum Problem werden kann.

Bereits seit etwa 20 Jahren wird propagiert, dass der Gentechnik-Reis bei der Bekämpfung ernährungsbedingter Mangelkrankheiten helfen könnte. Doch bis heute gibt es keine ausreichenden Daten über Qualität und Sicherheit der Pflanzen. Würde der Reis angebaut, könnte sein Erbgut rasch in Wildreis und regionale Reissorten gelangen. Dabei könnten auch Effekte wie bei der Kreuzung von Golden Rice mit der indischen Sorte Swarna auftreten. Wenn die Schäden bemerkt werden, kann es bereits zu spät sein, um die Transgene wieder aus der Umwelt zu entfernen.

Derzeit beruhen die Geschäfte der großen Konzerne ohnehin auf Gentechnik-Pflanzen, die herbizidresistent, insektengiftig und in Bezug auf die Sicherung der Welternährung weitgehend untauglich sind. Auch die neuen Gentechnikverfahren wie CRISPR-Cas werden vielfach zur Produktion derartiger Pflanzen verwendet. Dabei sind die Risiken ähnlich komplex wie bei der bisherigen Gentechnik: Zwar werden nicht mehr unbedingt artfremde Gene eingebaut, aber die Muster der gewollten Veränderungen im Erbgut, die oft mehrere Gene gleichzeitig betreffen, haben in der Natur keine Entsprechung. Dazu kommen zusätzliche, ungewollte Veränderungen. Vor diesem Hintergrund ist es wichtig zu betonen, dass die konventionelle Züchtung in Bezug auf eine höhere Leistung oder verbesserte Widerstandskraft von Nutzpflanzen wesentlich erfolgreicher ist als die Gentechnik.