Medizinalcannabis – Regelung dringend nötig

Interview mit Rainer Krüger, Mitgründer der European Cannabis Association

Wie berurteilt die European Cannabis Association (ECA) die politische Entwicklung bei der Herstellung von Medizinalcannabis in Deutschland und in Europa?

Seit der Vergabe der 13 Lose durch das Bundesinstitut für Arzneimittel- und Medizinprodukte (BfArM) sehen wir positive Ansätze innerhalb der Bundesrepublik und in sehr vielen Länder Europas. Leider liegen wir immer noch weit hinter den anvisierten Zielen der besseren Versorgung von Patienten mit Medizinalcannabis in Deutschland.

Welche Faktoren bremsen am meisten?

Zum einen fehlt ein adäquater regulatorischer Rahmen,zum anderen gibt es Wissenslücken bei der Entwicklung und Herstellung von qualitativ hochwertigem Medizinalcannabis in pharmazeutischer Güte.

Wo sehen Sie Regelungsbedarf?

Es fehlen eindeutige und harmonisierte Vorgaben. Dies beginnt bei der Bewertung der Inhaltsstoffe und endet bei den Packmittelvorgaben von Rezepturarzneien.

Was müsste verändert werden?

Es braucht eindeutige Vorgaben, die innerhalb der Europäischen Union, aber auch innerhalb der Bundesrepublik für mehr Struktur und Klarheit sorgen. Das aktuelle Urteil des Europäischen Gerichtshofes (EuGH), nach dem Cannabidiol (CBD) als Nicht-Narkotikum eingestuft wird, zeigt deutlich, dass in vielen Bereichen die richtigen Vorgaben fehlen.

Sollten Ihrer Ansicht nach die Vorgaben reduziert werden?

Nein, es geht nicht um die Reduktion, sondern die Klärung und Harmonisierung rechtlicher Vorgaben. Für die Entwicklung von Standards und von Qualitätsprozessen wird sich die ECA als Ansprechpartner innerhalb der EU einbringen.

Wie wichtig sind Anpassungen und Veränderungen in der COVID-19-Krise?

Aus unserer Sicht sind sie zwingend notwendig. Das zeigt nicht zuletzt der aktuell vierte Produktrückruf eines Medizinalcannabis-Produktes in Deutschland aufgrund einer mikrobiologischen Kontamination.

Welche politischen Entscheidungen würden Sie begrüßen?

Es würde mich freuen, wenn wir es schaffen, die wissenschaftlichen und technologischen Erkennt-
nisse des digitalen Zeitalters zu nutzen, um ähnliche Vorgaben zu empfehlen wie die WHO zur
Neueinstufung beziehungsweise Herabstufung von Marihuana und Haschisch in der Single Convention
on narcotic drugs aus dem Jahr 1961. Wir müssen durch Reformen verbesserte Rahmenbedingungen schaffen und diese müssen dazu führen, dass die Qualität verbessert wird und Risiken für Patienten minimiert werden. In vielen Diskussionen kommt diese klare Mission zu kurz. Dies löst bei uns als Experten, die seit 20 Jahren im Bereich der pharmazeutischen Entwicklung und Produktion tätig sind, mehr als Befremden aus.›

www.europeancannabisassociation.com

(aus dem BioTechnologie Jahrbuch 2020)

VDGH kritisiert geplante Kostensenkung

Den Beschluss des Bewertungsausschusses zur Vergütung labormedizinischer Leistungen, die Vergütung von IVD-Tests vom 1. Januar 2025 um bis zu 70% zu senken, hat der Diagnostikverband VDGH als „existenzgefährdend für die mittelständisch geprägte Diagnostikbranche“ kritisiert.

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