Fokusbranche Medizintechnik

Das Familienunternehmen Trumpf ist bekannt als Spezialist für Werkzeugmaschinen und Lasertechnik. Ob schneiden, schweißen, markieren oder 3D-drucken –  der Laser ist das ideale Werkzeug für die Herstellung von Medizinprodukten. Medtech zwo sprach mit Dr. Bernd Block, Branchenmanager Medizintechnik bei der TRUMPF Laser- und Systemtechnik GmbH.

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medtech zwo. Trumpf war bereits in der Medizintechnik aktiv, trennte sich jedoch 2013 von dem Geschäftsbereich. Warum?

Bernd Block.Trumpf war tatsächlich vor ein paar Jahren noch ein Medizinprodukte-Hersteller. Aber die selbst produzierten OP-Tische und Lampen für OP-Säle passten nicht ins Portfolio – ein guter Grund, die Sparte 2014 zu verkaufen. Zulieferer für die Medizintechnik ist Trumpf aber bereits seit Jahrzehnten. Einer der Pioniere sind wir beispielsweise bei der Anwendung von Lasern für das Markieren von Medizintechnikprodukten. Hierfür ist der Laser das ideale Werkzeug. Trumpf ist auch Vorreiter im 3D-Druck von Metall. Mit unseren 3D-Druckern können die Hersteller zum Beispiel individuelle Implantate für Patienten fertigen.

medtech zwo. Die Aktivitäten im Medizintechnikbereich sollen nun wieder verstärkt werden. Was sind die Gründe dafür?

Bernd Block.Die Medizintechnik ist bei Trumpf eine Fokusbranche. Eine eigene Fertigung von medizinischen Produkten ist jedoch nicht unser Ziel. Wir wollen den Medizintechnikunternehmen als Partner zur Seite stehen und sie über den kompletten Lebenszyklus ihrer Produkte begleiten. Unsere Laser sind das ideale Werkzeug für Medizintechnikunternehmen. Laser arbeiten verschleißfrei, berührungslos, steril und mit chirurgischer Präzision. Trumpf bietet ein breites Spektrum an Laserfertigungstechnologien für die Medizintechnik und entwickelt dieses beständig weiter. Wir sehen uns als verlässlichen Unterstützer, der langfristig mit all seinem Know-how zur Verfügung steht. Da sprechen wir über einen Zeitraum von mehr als zehn Jahren. So, wie wir auch mit Unternehmen aus anderen Branchen zusammenarbeiten. Gemeinsam mit unseren Kunden erörtern wir deren Produktidee. Wir diskutieren gemeinsam das Design und die Produktionsprozesse. Wir wollen unsere Kunden langfristig unterstützen und auf ihrem Weg begleiten – mit großem Prozessverständnis und einer starken Entwicklungsabteilung im Rücken. Wir liefern unsere Ersatzteile auch noch in vielen Jahren – und das weltweit. Unsere Servicetechniker sind innerhalb von 24 Stunden vor Ort und helfen unseren Kunden bei Bedarf.

medtech zwo. Lassen sich Ihre bisherigen Erfahrungen denn so einfach auf die Medizintechnik-Branche übertragen?

Bernd Block.Unsere Stärken haben wir bei sehr robusten, großen Systemen, die bei Bedarf rund um die Uhr fehlerfrei laufen. Wir verkaufen Laserstrahlquellen sowie die dazugehörige Systemtechnik und haben große Erfahrung bei der Automatisierung von Produktionsprozessen. Die Medizintechnikhersteller müssen kleine, sehr filigrane Teile fertigen – und das in hohen Stückzahlen. Dafür brauchen sie zuverlässige und reproduzierbare Produktionsprozesse. Dafür sind wir die Experten und unsere Laser perfekt geeignet.

medtech zwo. Ist das mit den vorhandenen Ressourcen zu stemmen?

Bernd Block.Als weltweit tätiges Hochtechnologieunternehmen haben wir dafür starke Ressourcen.

medtech zwo. Erübrigt sich da die Frage nach den Fachkräften, die überall fehlen?

Bernd Block.Glücklicherweise zeichnet sich Trumpf durch eine langjährige Treue der Belegschaft aus. Das Know-how der Fachkräfte im Unternehmen ist unglaublich wichtig. Darüber hinaus setzen wir auf Weiterbildung und Weiterentwicklung, ständiges Lernen und natürlich den Nachwuchs. Derzeit bauen wir ein hochmodernes Ausbildungszentrum für unsere Lehrlinge. Wir haben zahlreiche Studenten im dualen System und betreuen Promotionen. Überall müssen die Unternehmen überlegen, was sie ihren Bewerbern bieten können. Trumpf konkurriert in nächster Umgebung mit der Automobil- und Zulieferindustrie um Fachkräfte. Da muss man sich was überlegen, die firmeneigene Kantine, in der täglich frisch gekocht wird, ist da nur der Anfang. Außerdem bietet Trumpf seinen Mitarbeitern beispielsweise flexible Arbeitszeitmodelle, ein eigenes Fitness-Studio und einen Bügel- und Wäscheservice für den privaten Bedarf.

medtech zwo. Ein spannender Ansatz und Alleinstellungsmerkmal von Trumpf sind die Laserapplikationszentren …

Bernd Block.  Hier können Firmen gemeinsam mit unseren Applikationsexperten den optimalen Produktionsprozess für ihre Laser-Anwendung finden. Im Jahr haben wir mehr als 1.000 Kunden zu Besuch, insgesamt werden mehr als 5.000 Applikationsversuche durchgeführt Jeder Kunde, der anfragt, kann jederzeit die Machbarkeit seiner Idee prüfen – ohne Verpflichtungen einzugehen.

medtech zwo.  Trumpf hat weltweit mittlerweile 16.500 Mitarbeiter, etwa die Hälfte davon in Deutschland.  Es ist ein inhabergeführtes Familienunternehmen, in dem durchaus auch unkonventionelle Wege gegangen werden, um Probleme zu lösen …

Bernd Block.Wir sind für unsere Kunden da, auch in herausfordernden Zeiten. Ein Beispiel dafür:  Es ist derzeit aus verschiedenen Gründen kompliziert, Güter auf dem Seeweg zu transportieren – das betrifft auch Lieferungen in die USA. Trumpf hat sich deshalb etwas Besonderes einfallen lassen. Als eines der ersten Indus-trieunternehmen Deutschlands haben wir über ein Logistikunternehmen ein eigenes Hochsee-Containerschiff gechartert. Die Maschinen trafen dadurch um bis zu vier Wochen schneller bei unserem Kunden ein. Die langfristige Orientierung eines unabhängigen Familienunternehmens macht Trumpf zum Garant für Innovation. Wir sind global und regional unterwegs, sehr gut vernetzt und setzen auf langfristige, vertrauensvolle Partnerschaften und Lieferbeziehungen.


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Der Schweizer Bundesrat hat Ende vergangener Woche 650 Mio. Franken für Ausschreibungen im Horizon Europe-Förderprogramm freigegeben. Da die Schweiz als nicht assoziierter Drittstaat gilt, wären Schweizer Wissenschaftler und Unternehmen ohne die Förderung von zwei Dritteln der Ausschreibungen des von 2021 bis 2027 laufenden EU-Programms ausgeschlossen.

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