
Sonnenschein zum Jahresstart
Regelmäßig setzt die J.P. Morgan Healthcare Conference in San Francisco den ersten wichtigen Taktgeber für das neue Jahr im globalen Healthcare-Sektor. Die Gespräche mit Unternehmenslenkern und Investoren zeigen zum Jahresauftakt ein insgesamt konstruktiveres Bild.
Die Stimmung im Healthcare-Sektor zum Jahresauftakt auf der J.P. Morgan Healthcare Conference war insgesamt deutlich konstruktiver. Über Pharma und Biotech hinaus zeigte sich auch in Medtech sowie bei Life-Sciences-Tools eine spürbare Aufhellung, getragen von nachlassender Unsicherheit bei der Arzneimittelpreisgestaltung – insbesondere in den USA – und einer besseren Visibilität für große Pharmaunternehmen. Der Fokus der Investoren verlagert sich damit wieder stärker auf operative Umsetzung, Pipeline-Fortschritte und Kapitalallokation.
Solide kommerzielle Entwicklungen und neue Produkteinführungen stützten das Sentiment, während die M&A-Aktivität während der Konferenz selbst insgesamt begrenzt blieb.
Verbessertes Umfeld
Bei Gesprächen mit CEOs großer Pharmaunternehmen zeigte sich ein insgesamt konstruktiver Ton in Bezug auf die Dynamik der Arzneimittelpreise. Führungskräfte, die kürzlich MFN-bezogene Vereinbarungen mit der US-Regierung abgeschlossen haben, betonten übereinstimmend, dass eine wesentliche Unsicherheitsquelle nun reduziert sei.
MFN (Most Favourable Nation – eine Preisgestaltung in den USA nach dem in westlichen Vergleichsländern üblicherweise ausgehandelten Medikamentenpreis) werde als in seinem Umfang begrenzt und gut handhabbar eingeschätzt, mit klarer Planungssicherheit für den verbleibenden Zeitraum der aktuellen US-Regierung (drei Jahre) sowie Ausnahmen von umfassenderen CMMI-Preisexperimenten (zum Beispiel GUARD, GLOBE).
Gleichzeitig verändern sich auch die Preisdynamiken in Europa: Regierungen stehen zunehmend unter Druck, Innovationen – insbesondere bei Neueinführungen – angemessen zu vergüten. Mehrere Unternehmen verwiesen auf eine verbesserte Verhandlungsposition, eine aktivere Steuerung der geografischen Launch-Reihenfolge und wachsende Zuversicht, dass Preisgestaltung nicht länger das dominierende makroökonomische Risiko darstellt.
Unternehmen nutzen Bühne
Auf Unternehmensebene stach Galderma mit einer ermutigenden Dynamik für Nemluvio hervor, getragen von einer klaren Differenzierung über den Juckreiz-Fokus, starker kommerzieller Abdeckung und einer guten Aufnahme bei biologikanaiven Patienten. Dies könnte einen schnelleren als erwarteten Weg zur Profitabilität des Produkts unterstützen. CEO Flemming Ørnskov betonte zudem, dass das Ästhetikgeschäft weiterhin Marktanteile bei Injektabilia gewinnt.
Teva-CEO Richard Francis skizzierte eine glaubwürdige langfristige Turnaround-Story bis 2030 und darüber hinaus, gestützt auf steigende Cashflows, eine wachsende späte Innovationspipeline, ein robustes Biosimilar-Portfolio sowie signifikante optionale Wertpotenziale aus dem IL-15-monoklonalen Antikörper über mehrere immunologische Indikationen hinweg – beschleunigt durch den kürzlich angekündigten Deal mit Royalty Pharma.
UCB bekräftigte seine Positionierung als wachstumsstarker Spezialist im Bereich Immunologie. Wachstumstreiber ist Bimzelx, mit Vertragsabschlüssen für 2026, die eine Erhöhung der abgedeckten Patientenzahlen um 25% ermöglichen sollen, sowie eine vielversprechende Pipeline, darunter Donzakimig mit Potenzial zur Wiederherstellung der Hautbarriere bei atopischer Dermatitis.
Sandoz-CEO Richard Saynor hob den Größenvorteil des Unternehmens als entscheidend hervor, um die Chancen der bevorstehenden Patentklippe (2029–2032) mit einem breit gefächerten Biosimilarportfolio optimal zu nutzen. Zudem bietet die geplante Einführung generischer GLP-1-Produkte in Kanada, Brasilien und Mexiko in diesem Jahr zusätzliche Aufwärtspotenziale, die in der Mittelfristprognose bislang nicht berücksichtigt sind.
Biotech-Pipelines überzeugen
Im Biotech-Bereich überwogen solide operative Fortschritte und konstruktive Unternehmensupdates, die das Sentiment trotz begrenzter M&A-Aktivität stabilisierten. Erwartete Transaktionen mit Revolution Medicines und Abivax materialisierten sich zwar nicht, doch die operativen Entwicklungen fielen insgesamt ermutigend aus. Mehrere Unternehmen hoben sich besonders hervor: BridgeBio zeigte weiterhin beschleunigte kommerzielle Fortschritte mit Attruby bei gleichzeitig wichtigen kurzfristigen Datenkatalysatoren. Madrigal bekräftigte das Vertrauen in die reale Therapietreue von Rezdiffra, verbesserte Diagnoseraten bei Lebererkrankungen und die Ambition, eine nachhaltige Franchise aufzubauen. Die Mainzer BioNTech SE überzeugte durch die Tiefe und Breite ihrer Onkologie-Pipeline in der späten Phase sowie eine hohe Dichte an nahenden Entwicklungsmeilensteinen.
Medtech mit M&A-Feuerwerk
Die Konferenz bestätigte, dass Medtech-Unternehmen weiterhin auf Kurs sind, und endete mit einem deutlichen Anstieg der M&A-Aktivität. In diesem Umfeld bietet der Medtech-Sektor derzeit einen attraktiven Einstiegspunkt: Moderate Bewertungen treffen auf ein zunehmend besser sichtbares Erholungspotenzial und ergeben ein überzeugendes Investmentargument.
Übernahme von Penumbra
Der letzte Konferenztag stand im Zeichen der Ankündigung von Boston Scientific, Penumbra für 14,5 Mrd. US-Dollar zu übernehmen. Im Anschluss veröffentlichte Penumbra vorläufige Q4-Zahlen mit einem Umsatzwachstum von über 21% und lag damit deutlich über den Analystenerwartungen. Für 2026 kann man daher mit weiteren M&A-Aktivitäten rechnen, vermutlich mit einem klaren Fokus auf wachstumsstarke, innovative und qualitativ hochwertige Unternehmen.
Life-Sciences-Werkzeuge
Ein besonders auffälliges Merkmal der Konferenz war der spürbare Optimismus bei den großen Anbietern von Life-Sciences-Tools wie Danaher, Thermo Fisher, Waters und Agilent. Danaher und Thermo Fisher betonten wiederholt, dass die Nachfrage nach ihren Produkten seit mehreren Quartalen kontinuierlich steigt und sich das Umfeld schrittweise verbessert. Insgesamt deuteten die Aussagen darauf hin, dass sich die Dynamik in diesem Segment weiter stabilisiert. Hervorzuheben ist zudem, dass Danaher eine Trendwende in seinem chinesischen Diagnostikgeschäft meldete.
Bellevue Group ist ein unabhängiger, aktiver Asset-Manager mit Sitz in Zürich. Der Schwerpunkt liegt auf Healthcare, Small- & Mid-Cap sowie weiteren Wachstumsstrategien. Das Angebot umfasst Fonds, Active ETFs und institutionelle Mandate. Das 1993 gegründete, an der SIX notierte Unternehmen verwaltet rund CHF 4,9 Mrd. (Stand: 30. Juni 2025).
Der Gastbeitrag von Marcel Fritsch (Portfolio Manager, Bellevue Asset Management) und Stefan Blum (Portfolio Manager, Bellevue Asset Management) ist |transkript 1/2026 entnommen.

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