CAR-T heilt Autoimmunerkrankung

Am Universitätsklinikum Erlangen wurde der weltweit erste Patient mit einer schweren Form der Muskelentzündung (Autoimmunmyositis) erfolgreich mit CAR-T-Zellen behandelt. Mit Hilfe des neu eingeführten modifizierten T-Zellrezeptors töteten die patienteneigenen, modifizierten infundierten T-Zellen gezielt die krankheitsauslösenden B-Zellen ab. In einer Lancet-Publikation wird beschrieben, dass der Patient seit sechs Monaten ohne Medikamente lebt und als "geheilt" gilt.

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Unter der Gruppe der Myositiden gibt es Muskelentzündungen, die durch Autoimmunreaktionen hervorgerufen werden können. Eine Form der Autoimmunmyositis ist das sogenannte Antisynthetase-Syndrom, das durch Autoimmunattacken gegen Aminoacyltransfer-RNA-Synthetasen (anti-ARS) verursacht wird. Aminoacyltransfer-RNA-Synthetasen sind die Enzyme, die Transfer-RNA (tRNA) hochspezifisch mit den jeweils korrekten Aminosäuren beladen, sodass diese dann im Rahmen der Proteinbiosynthese an den Ribosomen nach den Vorgaben der Nukleotid-Abfolge in der mRNA zu Proteinen aneinandergereiht werden.

Zu einem ungewöhnlichen und neuartigen Eingriff entschlossen sich die Erlanger Kliniker unter Leitung von Professor Dr. Georg Schett, Direktor der Medizinischen Klinik 3 (Rheumatologie und Immunologie), und Professor Dr. Andreas Mackensen, Direktor der Medizinischen Klinik 5 (Hämatologie und Internistische Onkologie), nachdem sich der Gesundheitszustand eines 41-jährigen männlichen Patienten, der an einem Antisynthetase-Syndrom litt, plötzlich verschlechterte. Alle gängigen Medikamente zeigten keine Wirkung.

Die Ärzte des Uniklinikums der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg wählten eine CAR-T-Zelltherapie als letzte Behandlungsoption. Bereits im vergangenen September war eine spezielle Behandlung mit dieser Methode bei der Autoimmunerkrankung SLE (Systemischer Lupus erythematodes) in Erlangen erstmals und erfolgreich angewendet worden. Die aktuelle Fallbeschreibung wurde in The Lancet veröffentlicht.

Die körpereigenen T-Zellen des Patienten wurden mit einem zusammengesetzten (chimären) Antigenrezeptor (CAR), der ein wichtiges Protein (CD19) auf der Oberfläche von B-Zellen erkennt, ausgestattet und wandelten sich damit zu CAR-T-Zellen. Diese wurden durch Einschleusen eines lentiviralen CD19-CAR-Vektors in die isolierten T-Zellen des Patienten ex vivo hergestellt. Der Patient erhielt dann 1×106 der für ihn hergestellten CAR-T-Zellen pro kg Körpergewicht reinfundiert.

Danach stieg die Zahl der CAR-T-Zellen beim Patienten stark (>600-fach) an, um dann auch wieder schnell abzunehmen. Mit Hilfe des neu eingeführten modifizierten T-Zellrezeptors töteten die infundierten T-Zellen gezielt die B-Zellen ab, wobei auch die für die autoimmunogenen Antikörper verantwortlichen B-Zellen eliminiert wurden. Für einen Zeitraum von 100 Tagen waren diese Zellen nahezu vollständig verschwunden, danach bildete sich aus Stammzellen das normale B-Zell-Repertoire aber wieder kontinuierlich auf ein normales Maß zurück. Da die langlebigen Plasmazellen im Knochemark CD19 negativ sind, werden diese (Memory B-Zellen) nicht eliminiert, und der humoraler Schutz durch die langlebigen Plasmazellen bei wiederkehrenden Keimen bleibt erhalten, wie Prof. Schett gegenüber |transkript.de betont.

In der Lancet-Publikation berichten die Erlanger Kliniker, dass sich nach der Therapie der Gesundheitszustand des Patienten dramatisch verbesserte. "Die Entzündung in den Muskeln, den Lungen und den Gelenken bildete sich vollständig zurück. Kraft, Leistungsfähigkeit und Ausdauer kamen zurück", sagt Dr. Fabian Müller, Erstautor der Publikation und betreuender Arzt. Da der Patient auch alle seine Medikamente absetzen konnte, gilt er nun sechs Monate nach der CAR-T-Zelltherapie als vollkommen von seiner Autoimmunerkrankung genesen.

Zugelassen sind derzeit sechs CAR-T-Zellpräparate bislang nur zur Therapie verschiedener Blutkrebs-Erkrankungen wie dem multiplem Myelom oder bestimmten B-Zell-Lymphomen. Die Arbeiten von Schett und Mackensen werden durch Sonderforschungsbereiche, der Hightech-Agenda des Freistaates Bayern und durch den 4I-Immunocluster Erlangen-Regensburg-Würzburg unterstützt. Dies ermöglicht es weiteren Patienten, die an einer Autoimmunmyositis oder einem SLE leiden, bei Indikation eine CAR-T-Zelltherapie im Rahmen der anlaufenden klinischen CASTLE-Studie zu erhalten, wie die Universitätsklinik Erlangen verlauten ließt.

Milliarden-Spin-off von Numab geht an Johnson&Johnson

Die Schweizer Numab AG verkauft ihren Phase-I bispezifischen Antikörper NM26 über ein Spin-off (Yellow Jersey Therapeutics) zu 100% und für 1,25 Mrd. US-Dollar an Johnson & Johnson. Der mit dem japanischen Kooperationspartner Kaken Pharma entwickelte Antikörper gegen IL4Ra und IL31 wird in der atopischen Dermatitis erprobt. Auch Anteilseigner HBM Ventures profitiert.

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