Studie aus St. Gallen: 6 Mrd. US-Dollar pro Medikament nötig

In viel beachteten Studien zur Kosteneffizienz der Pharmaforschung wurde bereits 2010 das bis dahin gültige Mantra, dass eine Medikamentenentwicklung 1 Mrd. US-Dollar kostet, revidiert. Die Kosten wurden auf rund 1,8 Mrd. pro Wirkstoffzulassung berechnet (Steven Paul). Wenige Jahre später rechnete die Gruppe um Joseph DiMasi nach und kam auf eher 2,8 Mrd. US-Dollar. Nun hat eine Studie der Hochschule St. Gallen zusammen mit der Hochschule Ingolstadt noch einmal geprüft: Pro neu zugelassenem Wirkstoff der Top Big-Pharma-Firmen sind demnach sogar 6 Mrd. US-Dollar zu veranschlagen.

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Steven Pauls Artikel "How to improve R&D productivity: the pharmaceutical industry’s grand challenge", der 2010 in Nature Reviews Drug Discovery veröffentlicht wurde, ist einer der meistzitierten Artikel über die Produktivität der pharmazeutischen F&E. Damals schätzten die Forscher die Kosten pro Medikament – von der Identifizierung des Hits bis zur Zulassung – auf etwa 1,8 Mrd. US-Dollar und die durchschnittliche Zeit bis zur Zulassung auf etwa 13 Jahre.

Im Jahr 2016 veröffentlichte die Gruppe um Joseph DiMasi von der Tufts University eine Studie, aus der hervorgeht, dass sich die Kosten pro Marktzulassung im Jahr 2013 sogar auf rund 2,8 Mrd US-Dollar beliefen. Diese Studie wird gemeinhin als "Tufts Cost Study" bezeichnet und erlangte eine ähnliche Popularität wie ihre Vorgängerin.

Unter der Leitung von Prof. Oliver Gassman von der Universität St. Gallen und Prof. Alexander Schuhmacher von der Technischen Hochschule Ingolstadt sind nun die neuesten Erkenntnisse des Konsortiums kürzlich in einem Artikel mit dem Titel "Analysis of pharma R&D productivity – a new perspective needed" in Drug Discovery Today veröffentlicht worden, die aktuell dem Forbes-Magazin ein ganze Artikelserie wert sind. Demnach liegt die F&E-Effizienz (falls man davon überhaupt sprechen sollte) von Big Pharma in den vergangenen 20 Jahren bei 6,16 Mrd. US-Dollar pro neuem Medikament.

Obwohl die großen Pharmakonzerne in den vergangenen 20 Jahren (Untersuchungszeitraum 2001 bis 2020) ihre F&E-Ausgaben jährlich um 6 Prozent gesteigert und mit 251 Medikamenten fast die Hälfte aller von der FDA zugelassenen Medikamente auf den Markt gebracht haben, ist ein großer Teil der zugelassenen Medikamente gar nicht in ihren Forschungslabors entstanden. Sie wurden einlizenziert oder als Asset einer kleineren Biotech-Firma gleich mit eingekauft (detailliert analysiert vom gleichen Autorenteam vor wenigen Wochen in Nature Reviews Drug Discovery). Die durchaus massiven F&E-Investitionen bringen also nur wenige (eigene) innovative Medikamente hervor. Als Kosten-Nutzen-Rechnung der Investitionen im Vergleich zu den erzielten Gewinnen errechnen die Schweizer und bayerischen Forscher die tatsächlichen Kosten eines Big-Pharma-Medikaments daher mit über 6 Mrd. US-Dollar.

Kein Wunder, dass bei dieser Berechnungsmethode nur die Hälfte der Top-20-Pharmaunternehmen bei der Bewertung der Effizienz ihrer Forschungsanstrengungen im grünen Bereich bleibt. Dass diese Studie wieder einmal sehr deutlich zeigt, wie notwendig die Innovationspipeline der kleinen und mittleren (externen) Biotech-Unternehmen ist, könnte ein Lichtblick in finanziell schwierigeren Zeiten sein und die Basis für intensivere Kooperationsbemühungen bilden.

Startkapital für Schweizer SixPeaks Bio

In Basel tritt die Firma SixPeaks Bio AG neu aufs Parkett. Das im Inkubator Ridgeline Discovery der VC-Gesellschaft Versant Ventures entwickelte Projekt erhält in einer Serie A-Finanzierung 30 Mio. US-Dollar. Dazu verpflichtet sich AstraZeneca in den nächsten zwei Jahren 80 Mio. US-Dollar bereitzustellen. Es geht in dem Projekt um den Muskelerhalt bei GLP-1-Diäten

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