
Brain Biotech hat in der Wundheilung neuen Hoffnungsträger
Die hessische Brain Biotech AG legt neue Geschäftszahlen vor, die laut Unternehmen in einzelnen Geschäftsfeldern eher einen "langsamen Start ins Jahr" widerspiegeln. Nüchtern betrachtet ist der Umsatz jedoch zum Vergleichszeitraum um 9% zurückgegangen, während sich durch interne Sparprogramme dennoch das bereinigte EBITDA auf eine schwarze Null gegenüber roten Zahlen verbessert hat. Große Hoffnung wird auf eine Beteiligung im Bereich Wundheilung gesetzt, wo klinische Daten einen "Durchbruch" erwarten lassen.
Ist das noch industrielle Biotechnologie, für die Brain Biotech traditionell wie wenige Firmen in der deutschen Biotechnologie steht, oder ist das Pharma? Man hat anhand des aktuellen Geschäftsberichtes und dessen Vorgänger das starke Gefühl, dass BRAIN (die Abkürzung steht nicht für das Oberstübchen, sondern für Biotechnology Research and Information Network) den strategischen Fokus immer stärker auf das Pharmageschäft ausrichtet. Während das klassische Enzymgeschäft verhalten ins neue Geschäftsjahr gestartet ist, nähren nun auch die Fortschritte bei Beteiligungen und Partnerschaften die Hoffnung der Investoren auf künftige Wertsteigerungen – insbesondere im Bereich innovativer Therapeutika.
Im ersten Quartal 2025/26 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 11,9 Mio. Euro nach 13,1 Mio. Euro im Vorjahreszeitraum. Das bereinigte EBITDA verbesserte sich auf 0,3 Mio. Euro, nach minus 0,7 Mio. Euro ein Jahr zuvor. Treiber dieser Entwicklung war vor allem das Segment BRAINBioIncubator, in dem forschungsintensive Projekte und Beteiligungen gebündelt sind. Hier sorgte unter anderem eine Meilensteinzahlung aus dem Deucrictibant-Programm für einen Ergebnisbeitrag – ebenfalls ein medizinischer Wirkstoff, der von Partner Pharvaris in der klinischen Entwicklung vorangebracht wird und über Meilensteine im dreistelligen Millionenbereich der bisherige größere Hoffnungsträger ist.
Das Kernsegment BRAINBiocatalysts – Enzyme, Mikroorganismen und Spezialinhaltsstoffe für industrielle Anwendungen – verzeichnete dagegen einen Umsatzrückgang um 16,3 Prozent auf 10,0 Mio. Euro. Belastet wurde das Geschäft durch geringere Nachfrage etwa bei Backenzymen sowie durch Produktionsverlagerungen in die Niederlande. Für die kommenden Quartale erwartet das Management jedoch eine schrittweise Belebung.
Pharma als Werttreiber
Deutlich dynamischer entwickelt sich der Pharmabereich. Neben der bestehenden Partnerschaft mit Pharvaris, aus der bereits Meilensteine geflossen sind, rückt nun eine weitere Beteiligung in den Fokus: SolasCure. An dem klinisch ausgerichteten Wundheilungsunternehmen, das als Ltd. im britischen Cambridge angesiedelt ist, hält BRAIN Biotech 35 Prozent und besitzt zudem Produktionsrechte für den Wirkstoff Tarumase.
SolasCure meldete nun überzeugende Daten aus einer Erweiterungsstudie der Phase IIa mit Aurase® Wound Gel. Das Enzympräparat zur Behandlung chronischer Wunden zeigte im Vergleich zur Standardtherapie eine deutlich effektivere Wundreinigung sowie eine signifikant beschleunigte Heilung. Auf Basis dieser Ergebnisse bereitet das Unternehmen eine größere Finanzierungsrunde vor, um in eine Phase IIb/III-Studie einzutreten. Der adressierte Markt für fortgeschrittene Wundbehandlungen wird allein in den USA auf mehrere Milliarden US-Dollar geschätzt.
BRAIN-Biotech-CEO Adriaan Moelker sieht entsprechend großes Potenzial: „Ich bin begeistert von den klinischen Daten, die das SolasCure-Team vorlegen konnte. Weltweit besteht ein großer Bedarf an Innovationen in der modernen Wundversorgung. Aurase Wound Gel beschleunigt nachweislich sowohl die Wundreinigung als auch die Wundheilung und hat daher das Potenzial, sich als bevorzugte Primärbehandlung für chronische Wunden mit einem großen Marktpotenzial zu etablieren. Wir bei BRAIN Biotech sind sehr stolz darauf, dieses Enzym entwickelt zu haben und aktiv an seiner Markteinführung mitzuwirken.“
Strategische Verschiebung
Damit verschiebt sich die Wahrnehmung des Unternehmens zunehmend: Weg vom reinen Spezialenzym-Anbieter, hin zu einem Beteiligungs- und Entwicklungsmodell mit substanziellen Partnerschaften im Pharmabereich. Auch die Abspaltung der CRISPR/Cas-Einheit für therapeutische Zwecke, Akribion Genomics, fällt in den Bereich „Hoffnung auf Pharma“. Das Segment BRAINBioIncubator soll im laufenden Geschäftsjahr deutlich wachsen und nun ein positives bereinigtes EBITDA erzielen.
Die kurzfristige Entwicklung im Industriegeschäft bleibt wichtig, doch die Phantasie für eine nachhaltige Wertsteigerung speist sich immer stärker aus der klinischen Pipeline und den Partnerschaften im Pharmabereich. Mit Pharvaris und nun SolasCure hat BRAIN Biotech gleich zwei Programme im Portfolio, bei denen klinische Fortschritte den Unternehmenswert maßgeblich beeinflussen könnten, und in ganz anderen Größenordnungen, als dies bisher aus dem traditionellen industriellen Biotech-Segment vorstellbar war.

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