
Europäische Investitionsbank startet 15 Mrd. Euro-Dachfonds
Europäische Milliarden aus Brüssel sollen die vielen VC-Gesellschaften dabei unterstützen, ihre mittelgroßen VC-Fonds mit einer soliden Basis auszustatten und damit weiteres institutionelles, aber auch privates Geld in diese Anlageklasse zu locken. Aus 15 Milliarden sollen damit im Idealfall 80 Milliarden werden, die die bestehende Finanzierungslücke in der europäischen Start-up-Szene überbrücken.
Das muss wie Musik in den Ohren der europäischen Wagniskapital-Unternehmer klingen: Der Europäische Investitionsfonds hat einen neuen Dachfonds (Fonds-of-Funds) mit einem Zielvolumen von 15 Mrd. Euro aufgelegt, um Wachstumsfinanzierungen im europäischen Technologiesektor zu stärken. Das Programm gilt als das bislang größte seiner Art in Europa und richtet sich an rund 100 Venture-Capital-Fonds in der Spätphase.
Im Fokus stehen sowohl mittelgroße Fonds mit Zielvolumina zwischen 300 und 600 Mio. Euro als auch sogenannte Mega-Fonds mit mehr als einer Milliarde Euro. Eine erste Schließung des Fonds ist für den Sommer geplant. Ziel ist es, die anhaltende Finanzierungslücke im europäischen Scale-up-Segment zu verkleinern, die im Vergleich zu den USA auf etwa 70 Mrd. Euro geschätzt wird.
Zweite Generation mit neuen Spielern
Der neue Fonds ist die zweite Generation der European Tech Champions Initiative (ETCI), die 2023 gestartet wurde. Die erste Auflage hatte ein Volumen von 3,9 Mrd. Euro und unterstützte 14 große Venture-Capital-Fonds. Über diese wurden bislang rund 40 Unternehmen finanziert, darunter mehrere Unicorns.
Im Unterschied zur ersten Phase wird der Investitionsansatz nun deutlich ausgeweitet. Neben großen Fonds sollen verstärkt auch mittelgroße Vehikel unterstützt werden, um eine breitere geografische Abdeckung innerhalb der EU zu erreichen. Während etablierte Märkte wie Deutschland und Frankreich bereits über eine ausgeprägte Scale-up-Finanzierungslandschaft verfügen, besteht in anderen Ländern weiterhin Nachholbedarf.
Parallel dazu wird der Kreis der Kapitalgeber erweitert. Neben öffentlichen Institutionen sollen verstärkt institutionelle Investoren wie Versicherungen, Banken und Pensionsfonds eingebunden werden. Europäische Investitionsbank und EIF haben bereits 1,25 Mrd. Euro zugesagt. Langfristig zielt die Initiative darauf ab, zusätzliche Investitionen von bis zu 80 Mrd. Euro für europäische Wachstumsunternehmen zu mobilisieren.
Vielfalt der europäischen Initiativen
In Europa sind auch eigenständige Finanzierungsinstrumente für bestimmte Sektoren oder ebenfalls gezielt für die Start-ups unterwegs. Der EIF-Fonds sei dabei komplementär zu weiteren europäischen Förderinstrumenten angelegt, insbesondere zum geplanten Scaleup Europe Fund der EU-Kommission, der direkt in Technologieunternehmen investieren soll und mit etwa 5 Mrd. Euro ausgestattet sein soll. Laut Aussagen aus dem EIF-Umfeld wäre der EU-Scaleup-Fund kein Wettbewerber, sondern eher ein Ziel für den EIF, dort auch noch „eigenes“ Geld hinzuzufügen.
Für den Betrachter könnte es danach aussehen, dass europäisches Geld gleich ein paar Mal an unterschiedlichen Stellen gezählt wird, oder aber, dass jemand eine ewig sprudelnde Geldquelle gefunden hat, die fleißig in unterschiedliche Kanäle abfließt und abgeschöpft werden kann. Dadurch entsteht zwar ein dynamisches Bild, auf der anderen Seite aber auch eine gewisse Beliebigkeit und bei schier unendlichen Finanzströmen die Gefahr des Kontrollverlustes, wenn nicht auch konkrete Ziele verfolgt werden. Kompliziert wird die ganze Vielfalt der Geldströme auch dadurch, dass einzelne Nationen ihrerseits ebenfalls großvolumige Wachstumsfonds, Zukunftsfonds und Transformationsfonds aufgelegt haben oder auflegen wollen, um dem ewigen Klagelied der Finanzierungslücke zu begegnen. Nur im Volksmund heißt es dazu „Viel hilft viel“ während die alte Medizinerregel lautet, dass die „Dosis das Gift macht“. Zuviel lockeres Geld kann auch viele Fehlschläge und Frustration erzeugen. Das gilt es weiter zu beobachten.

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