NVision

NVision aus Ulm lässt die Quanten tanzen

Quantencomputer? Zwar hat man schon gehört, dass die multiparallele Datenberechnung der immer noch futuristischen Computergebilde eine neue Dimension der Informationsverarbeitung möglich macht, doch konkrete Beispiele sind noch rar. Die Ulmer NVision ist schon lange in dem Feld aktiv und hat mit einem neuen Bildgebungsverfahren eine greif- und sichtbare Neuheit bei der Bildgebung von Stoffwechselprozessen entwickelt: ein Echtzeit-MRT. Führende akademische Institutionen haben bereits ihr Interesse daran bekundet.

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Wie die Quantencomputertechnologie und die Gesundheitsforschung zusammenspielen können, das erforscht bereits seit gut einem Jahrzehnt das Unternehmen NVision, das aus der Universität Ulm 2015 ausgegründet wurde.  Nun hat NVision Imaging Technologies seinen ersten strategischen Forschungshub an der University of Cambridge im Department of Radiology etabliert – wegen des großen Interesses der Wissenschaft. Dort wird die quantenbasierte Plattform POLARIS installiert, die Forschung in der Onkologie sowie bei neurodegenerativen und kardiovaskulären Erkrankungen unterstützt.

Stoffwechsel sichtbar machen, den Molekülen zuschauen

POLARIS verstärkt das MRT-Signal von Zuckermolekülen über das  10.000-Fache und ermöglicht so eine Echtzeitvisualisierung des Zellstoffwechsels. Diese Technologie könnte entscheidend zur Entwicklung metabolischer Biomarker beitragen, die Therapieentscheidungen beschleunigen und die Arzneimittelforschung effizienter gestalten. Die Partnerschaft zielt darauf ab, metabolische Bildgebung systematisch in klinische Anwendungen zu überführen.

Nach der Zusammenarbeit mit dem Memorial Sloan Kettering Cancer Center in den USA wird Cambridge (UK) zum langfristigen Zentrum für „quantum-enhanced metabolic MRI“ in Europa. Für NVision ist dies ein bedeutender Schritt zur Stärkung der internationalen Präsenz und zur Positionierung an der Schnittstelle von Quantenphysik und medizinischer Bildgebung. Mit dem Cambridge-Hub wird die Entwicklung innovativer Lösungen für große medizinische Herausforderungen vorangetrieben, um letztendlich die Patientenergebnisse zu verbessern.

Konkrete Verbindung von Quantencomputer und Pharmaforschung

Die Ulmer NVision Imaging Technologies setzt auf eine neuartige, quantenbasierte Methode, um Stoffwechselprozesse in Echtzeit sichtbar zu machen, und das ohne aufwendige Umrüstung bestehender MRT-Systeme. Kern der Technologie ist die sogenannte Hyperpolarisierung: Mithilfe von hyperpolarisiertem Wasserstoff werden Stoffwechsel-Zwischenprodukte wie Pyruvat zu hochsensitiven „Super-Markern“ verstärkt. Das für den Körper unbedenkliche, polarisierte Pyruvat wird vor der Untersuchung injiziert. Durch die gezielte Ausrichtung von Kernspins werden die MRT-Signale massiv verstärkt, sodass molekulare Stoffwechselvorgänge direkt im Gewebe abgebildet werden können.

Die Wurzeln der Technologie reichen ins Jahr 2012 zurück. Damals forschte das Team um Mitgründer Professor Martin Plenio an kernspinbasierten Quantencomputern mit Diamantoberflächen. Die dabei entwickelte Polarisationsmethode wurde später auf Flüssigkeiten übertragen mit dem Ziel, MRT-Signale zu verstärken. Gemeinsam mit Professor Fedor Jelezko, ebenfalls Mitgründer, entstand die Idee für NVision.

Förderung und Venture-Geld

Finanziell basierte die Entwicklung auf einer Alexander-von-Humboldt-Professur Plenios sowie zwei ERC-Synergy-Grants („BioQ“ und „HyperQ“) und weiteren EU-Mitteln, unter anderem für das Projekt „Hyperdiamond“. Ein ERC Proof of Concept Grant unterstützte die Ausgründung. Zusätzlich erhielt das Unternehmen Wagniskapital aus den USA und Deutschland. Die Universität Ulm begleitete die Lizenzierung sowie Patentierung und stellte die Infrastruktur bereit.

Im Jahr 2017 wurde Dr. Sella Brosh CEO. Inzwischen beschäftigt das Unternehmen rund 70 Mitarbeiter und bezog 2023 ein neues Gebäude im Science Park III in Ulm. 2023 gelang eine internationale Finanzierungsrunde mit rund 30 Mio. US-Dollar, dem Vernehmen nach sollen aber mittlerweile rund 100 Mio. US-Dollar durch Investoren im Unternehmen platziert worden sein, die eher aus dem Umfeld der Quantencomputer stammen, als aus dem traditionellen Pharma-VC-Umfeld.

Operativ ist NVision dabei, die Technologie stärker auszurollen: Zunächst wurden Hyperpolarisatoren für die präklinische Forschung an Kleintieren ausgeliefert. Seit kurzem geht es nun in einer zweiten Produktlinie um die Anwendung am Menschen. Schwerpunktmärkte sind Nordamerika, Europa und der asiatisch-pazifische Raum – bei klarem Bekenntnis zum Standort Ulm als Wiege der Technologie.

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