
Messe analytica: Volle Hallen und viel Betrieb, doch Aussichten verhalten
Die analytica 2026 verzeichnet mehr Aussteller und Besucher und bestätigt ihre Rolle als internationaler Branchentreff. Im Fokus standen vor allem KI, Automatisierung und digitale Labore. Rund 35.000 Teilnehmer informierten sich in München über aktuelle Entwicklungen in Analytik, Labortechnik und Biotechnologie. China ist ein Thema, doch wegen stagnierender Zahlen dominiert eher der Wunsch der Laborausrüster, wieder mehr Aufmerksamkeit in Gesellschaft und Politik zu erhalten.
Die analytica 2026 hat vom 24. bis 27. März in München erneut als internationaler Treffpunkt der Laborbranche stattgefunden. Insgesamt 1.135 Aussteller aus 40 Ländern präsentierten ihre Produkte und Entwicklungen einem Fachpublikum von rund 35.000 Besuchern aus 115 Ländern. Im Mittelpunkt standen insbesondere Themen wie Digitalisierung, Automatisierung, Nachhaltigkeit und der Einsatz von Künstlicher Intelligenz im Laborumfeld.
Nach Angaben des Veranstalters verzeichnete die Messe sowohl bei den Aussteller- als auch bei den Besucherzahlen einen Anstieg gegenüber der Vorveranstaltung der alle zwei Jahre stattfindenden Messe. Der internationale Anteil blieb dabei auf hohem Niveau. Die analytica deckte erneut ein breites Spektrum von Analytik, Labortechnik und Biotechnologie ab und bot neben der Ausstellung ein umfangreiches Rahmenprogramm wie die traditionelle analytica Conference der einschlägigen Fachgesellschaften.
Vorjahreszahlen sprechen von Stagnation, nun keimt leise Hoffnung
Zur Eröffnungspressekonferenz hatten die Messeleitung und die tragenden Verbände wie Spectaris und der VDGH sowie die dort angesiedelte Fachgruppe LSR (Life Science Research) noch eher betrübt auf die Zahlenreihen des vergangenen Jahres blicken lassen. Es habe sich nach dem Covid-Hype und der folgenden Delle der Ernüchterung nun eine „stabile Seitwärtsbewegung“ etabliert, hieß es dort. Das Wort Stagnation wurde zwar tunlichst vermieden, doch da auch die eigenen Aussichten auf das laufende Jahr kein Wachstum signalisierten oder erhoffen lassen, wird aus der Seitwärtsbewegung eben doch eine ziemlich langer ebener Pfad, der bei steigenden Preisen aus der Umgebung (Energie, Zölle, Lieferketten) sogar nur gehalten werden kann, wenn intern höhere Anstrengungen zu Effizienzgewinnen passieren würden.
Aus Sicht der Aussteller dient die Messe zwar vorrangig als Plattform für Austausch und Geschäftsanbahnung. Doch mindestens ebenso wichtig ist es, mit kräftigem Auftritt und dem direkten Kundenkontakt ein besseres Gefühl für die Lage auf der Abnehmerseite zu erhalten und das Fundament für die eigenen Planungen zu stabilisieren. Viele Unternehmen berichten nun von einer hohen Gesprächsintensität an den Ständen sowie von einer starken Nachfrage nach Lösungen in den Bereichen Automatisierung, digitale Vernetzung und integrierte Workflows. Gleichzeitig wird die analytica weiterhin als zentraler Branchentreff wahrgenommen, der Industrie, Forschung und Anwender zusammenführe.
Große Stände dominieren die Hallen, China steht am Rande – noch
Beim Durchstreifen der wieder fünf recht gut gefüllten Messehallen fallen dem Betrachter verschiedene Dinge auf. Zuerst einmal: die gewohnten großen Namen sind alle da und vertreten und sind auch mit großen Ständen und einer riesigen Mannschaft an technisch versierten Verkäufern entsprechend wirbelnd über die Standfläche hinaus aktiv, so dass spätestens am zweiten Messetag schon früh am Tag kaum ein Durchkommen durch manche Hallenwege mehr möglich ist. Der erste Messetag ist traditionell eher verhaltener und wird zum Warmlaufen genutzt, denn die Aussteller müssen insgesamt ganze vier Tage durchhalten. Neben den Großen der Laborausrüster trifft man auch Jahr für Jahr auf den buntgesprenkelten Jaguar E-Type von Lab-Exchange, die sich nach eigenen Angaben als Weltmarktführer der Laborgerätegebrauchtbörsen etabliert haben. Ob in schwierigen Zeiten dieses Geschäftsfeld besonders nachgefragt ist, wollte jedoch niemand bestätigen.
Neben vielen internationalen Messeständen – auch größeren Gemeinschaftsständen aus europäischen, US-amerikanischen oder asiatischen Ländern – fiel die zu früheren Messen deutlich gestiegene Zahl an Messeständen aus China auf. Viele davon tragen zwar recht international klingende Namen, doch verweilt kaum ein Messebesucher zufällig an einem dieser Stände oder tritt gar eine größere Zahl der Teilnehmer gezielt an einen dieser Stände heran. Als einziger wirklich auffälligerer Stand dieser Kategorie machte die Firma Westingarea aus China sehr deutlich auf sich aufmerksam, die einen bunten, sehr offenen Stand mit einer großen Vielfalt an Equipment nutzte, die vorbeiziehenden Besucher auch aktiv ins Gespräch zu holen. Der erstmalige Auftritt dieser Firma auf der analytica, ja in Europa überhaupt, soll der Beginn einer größeren Kampagne werden, hieß es mit aller zurückhaltenden Vorsicht ausgedrückt vom Standpersonal.
China ist natürlich überall auf der Messe ein Thema, noch ist das Land in Fernost auch gut, den in den USA rückläufigen Umsatz etwas zu kompensieren, wie die Zahlen von Spectaris dies vermitteln, doch China wird nicht mehr lange ein Importland bleiben, sondern hat ganz im Gegenteil das Ziel, dass alle in China verkauften Waren (auch die Laborgüter) aus China selbst stammen. Dies mache das Land auch dadurch, in dem für China von den chinesischen Herstellern andere Standards verlangt werden (weniger strenge) als dies von den internationalen Anbietern durch ihre eigene Regulierung für die globalen Märkte eigentlich festgesetzt wird. Es entstünden damit gleichsam „zwei China“, denn die chinesische Firma, die auf den Export zielt, muss sich den internationalen Standards fügen, während die auf den Binnenmarkt gerichteten Unternehmen oder Business Units der gleichen Firma bei Zertifizierung und Regulierung etwas lockerer und damit schneller vorgehen können.
Mehr Aufmerksamkeit fürs Labor
Für Dr. Anette Leue, Vorsitzende der Fachabteilug LSR im VDGH (und im normalen Beruf Head of Digital Marketing & Communications at Promega GmbH), sind diese Entwicklungen bisher keine Bedrohung. Der Wettbewerb würde allen gut tun, wenn damit erreicht werden kann, dass die allgemeine Aufmerksamkeit für den Labormarkt wieder so ansteige, wie dies einmal in den Pandemiezeiten gegolten habe. Nicht, dass sich jemand die Pandemie zurückwünscht, aber der darauffolgende Abschwung dürfe nicht als fortlaufender Niedergang der Branche missverstanden werden. „Es ist ja beinahe unglaublich, wieviel tagtäglich von den Forschungslaboren in Deutschland und Europa geleistet wird, aber kaum einer nimmt das wahr“, sagte Leue im Gespräch mit |transkript.de. „Die fehlende Aufmerksamkeit ist unser großes Thema, denn von Forensik bis Lebensmittelkontrolle, von der alltäglichen Diagnostik bis zur Spezialdiagnostik oder dem Monitoring von chronisch Erkrankten – daran arbeiten unsere Forscher und Labormitarbeiter jeden Tag für die Gesellschaft“, kommentierte Leue weiter. Es gelte nun aus der selbstverordneten Resilienz und dem gefühlten Stillstand wieder zu mehr Dynamik zu kommen. Das Motto der LSR sollte dabei hilfreich sein, es lautet „die Möglichmacher“.
Stagnation ist nämlich eigentlich nicht wirklich das Thema im Labor: Experten gehen davon aus, dass der globale Labormarkt in den kommenden Jahren weiter wachsen wird. Prognosen zufolge liegt die jährliche Wachstumsrate bei etwa fünf Prozent. Als wesentliche Treiber gelten Investitionen in Life Sciences, Pharmaforschung, Umweltanalytik sowie Fortschritte in Automatisierung und Robotik. Das Rahmenprogramm der Messe griff diese aktuellen Entwicklungen der Branche in verschiedenen Formaten auf. Dazu zählten unter anderem Sonderschauen zur digitalen Transformation von Laborprozessen, Live-Demonstrationen sowie Fachforen zu Themen wie Laborsicherheit. Ergänzend bot der Jobday Einblicke in Karriereperspektiven für Nachwuchskräfte. Die begleitende wissenschaftliche Konferenz verzeichnete mehr als 2.000 Teilnehmer und diente als Plattform für den Austausch zwischen Forschung und Industrie. Inhaltlich standen unter anderem neue analytische Verfahren, nachhaltige Laborkonzepte sowie Anwendungen in Bereichen wie Forensik und Lebensmittelanalytik im Fokus.
In zwei Jahren trifft man sich wieder in München und kann erneut die Rückschau mit dem Blick in die nähere Zukunft verbinden. Die nächste analytica findet gemeinsam mit der analytica conference vom 25. bis 28. April 2028 statt.


Johannes Meger Photography
Konzeptstudie, Green Elephant/Barski Design