
Bühne frei für Medtech-Start-ups
Auf dem 12. MedTech Pitch Day in Freiburg im Breisgau hatten zehn Medizintechnik-Start-ups die Chance, ihre innovativen Ideen für eine Verbesserung der Gesundheitsversorgung vor Investoren und Experten aus etablierten Unternehmen zu präsentieren.
Rund hundert junge Unternehmen aus 14 Ländern hatten sich für den diesjährigen MedTech Pitch Day beworben. Zehn von ihnen erhielten Mitte März in Freiburg im Breisgau auf dem 12. MedTech Pitch Day die Gelegenheit, ihre Projekte und Produkte in zehn Minuten vor rund 40 potenziellen Investoren und einem Fachpublikum zu präsentieren:
Aisthesis Medical (London) nutzt künstliche Intelligenz (KI), um durch eine Auswertung von Klinikdaten die Gefahr einer Blutvergiftung bis zu 48 Stunden früher zu erkennen als bisher.
CertHub (München) will die Erfüllung regulatorischer Pflichten und Dokumentationsaufgaben mit einem KI-basierten „Compliance Companion“ automatisieren und Zertifizierungsprozesse damit deutlich beschleunigen.
ARON Surgical (München) erzeugt digitaleZwillinge von Patienten als Grundlage für ein Navigationssystem, das Chirurgen bei minimalinvasiven Operationen per Augmented Reality unterstützen soll.
CorTec (Freiburg) entwickelt eine voll implantierbare Hirn-Computer-Schnittstelle, mit der Hirnaktivität gemessen und stimuliert werden kann, um neurologische Funktionen etwa nach einem Schlaganfall wiederherzustellen.
Clee Medical (Genf) möchte neurochirurgische Eingriffe am Gehirn mit einem auf Optischer Kohärenztomografie (OCT) basierenden System, das während der Operation hochauflösende Live-Bilder liefert, sicherer und effizienter machen.
BIOS Medical (Davos) rüstet Standard-Hüftimplantate mit smarten Sensoren aus, die Belastung und Heilungsverlauf kontinuierlich messen und den Patienten so eine Rehabilitation zu Hause ermöglichen.
Ciromed (Leverkusen) arbeitet an einem Heimgerät zur Behandlung von altersbedingter Makuladegeneration mit niederenergetischem Licht (Photobiomodulation), die bislang nur zeitaufwendig in Klinik oder Augenarztpraxis möglich ist.
Puray (München) präsentierte einen selbstdesinfizierenden Katheter, der dank integrierter Fotodesinfektion 99,99 Prozent auch resistenter Keime auf der gesamten Oberfläche abtötet.
InhalPlus (Hannover) entwickelt eine Inhalationstechnologie für Frühgeborene, die hochkonzentrierte Aerosole getrennt vom Atemgas zuführt, dadurch die Wirkstoffabgabe deutlich steigert und Hospitalisierungs- sowie Langzeitschäden reduziert.
Sencilia (Groningen, NL) möchte die Infusionssicherheit auf neonatologischen Intensivstationen mit nicht-invasiven Sensoren erhöhen, die geringste Infusionsflüsse bis 0,1 Milliliter pro Stunde exakt steuern und einen Venenverschluss frühzeitig erkennen.
Alle Teilnehmer profitieren
Ausrichter des MedTech Pitch Days ist der Seed-Investor Hightech-Gründerfonds (HTGF), das Medizintechnologie-Unternehmen B. Braun mit seinem B. Braun Innovation Hub, der B. Braun-Stiftung und dem Medizin- und Sicherheitstechnikunternehmen Dräger.
Ziel der Veranstaltung ist es laut Dr. Thilo Brinkmann, Geschäftsführer der B. Braun-Stiftung, die in diesem Jahr zusammen mit B. Braun die Gastgeberrolle übernommen hatte, den jungen Unternehmen den Start in das komplexe deutsche Gesundheitssystem zu erleichtern und sie bei der Suche nach Partnern zu unterstützen.
Dabei profitieren nicht nur die Jungunternehmen, sondern auch etablierte Firmen, wie Alexander Katzung, Vice President Acceleration & Innovation beim B. Braun Innovation Hub, betonte: „Vom MedTech Pitch Day profitieren nicht nur die Start-ups. Auch ein weltweit führendes Unternehmen der Medizintechnologie wie B. Braun kann durch die Kooperation mit innovativen Start-ups noch schneller auf neue Entwicklungen reagieren und neue Potenziale erschließen.“
HTGF-Geschäftsführer Dr. Achim Plum ergänzte: „Mit dem MedTech Pitch Day bieten wir innovativen Start-ups eine Plattform, um sich zu vernetzen und ihre Lösungen zu präsentieren. Der frühe und direkte Zugang zu Investoren und Industriepartnern macht oft den Unterschied zwischen Idee und Markterfolg.“
Klarer Fokus und familiäre Atmosphäre
Sehr inspirierend fand Vasilis Dimakopoulos, Chief Scientific Officer und Mitgründer von Aisthesis die Veranstaltung. Dr. Amar Kamat, CEO und Gründer von Sencilia, lobte das Konzept und die fast familiäre Atmosphäre: „Das macht es leichter, mit allen ins Gespräch zu kommen.“
Viele dieser Gespräche werden nach dem MedTech Pitch Day fortgeführt. „Mit zwei oder drei der Start-ups werden wir noch einen Deep Dive machen“, sagte Mi Lê vom Investor GIMIC Ventures. „Wir waren sehr beeindruckt und überlegen ernsthaft, ob wir investieren.“
Auch Katrin Siebenbürger Hacki von der schweizerischen MedTech-Beratungsfirma Medows zeigte sich begeistert: „Es war ein hervorragendes Event mit hochqualitativen Pitches. Man muss den Veranstalter*innen sehr viel Lob aussprechen, dass sie diese Plattform für den Face-to-Face-Kontakt von Start-ups und sehr hochkarätigen Investor*innen geschaffen haben – was in Deutschland nicht so oft passiert.“
Im kommenden Jahr wird der High-Tech Gründerfonds Gastgeber des MedTech Pitch Days. Dr. Lena-Sophie Schütter, Investmentmanagerin beim HTGF, freut sich jetzt schon: „Wir haben heute großartige Ideen und tolle Diskussionen in einer wunderbaren Location erlebt. Die Start-ups haben uns gezeigt, wie vielfältig MedTech sein kann, wie unterschiedlich die Herausforderungen sind – und dass wir bester Hoffnung sein dürfen, dass diese Herausforderungen gelöst werden können.“

Joachim F. Tornau