Merck KGaA

Merck lizenziert Krebsmittel aus Shanghai

Die Merck KGaA, Darmstadt, und Abbisko (Shanghai, China) unterzeichnen einen Vertrag über 70 Mio. US-Dollar für ein Krebsmedikament der Phase III. Die Zulassung des Wirkstoffes wird im optimalen Falle Ende nächsten Jahres erwartet.

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Die Merck KGaA wendet sich China zu – nicht um dort eigene Produkte besser vermarkten zu können, sondern um Anteile am möglichen Zulassungserfolg eines in Shanghai entwickelten Krebsmedikamentes zu gewinnen – auf dem chinesischen Gesunndheitsmarkt. Deshalb unterzeichneten die Darmstädter einen Vertrag über 70 Mio. US-Dollar für die Kommerzialisierungsrechte für den führenden Wirkstoff des Biotech-Unternehmens in China, ein Krebsmedikament, das sich noch in der Phase III befindet.

Merck wird insgesamt bis zu 605,5 Mio. US-Dollar plus zweistellige prozentuale Lizenzgebühren auf potentielle künftige Nettoumsätze zahlen, um sich die Vermarktungsrechte für Abbiskos oral verabreichten niedermolekularen Wirkstoff Pimicotinib zu sichern, der in einer weltweiten Phase III-Studie für Patienten mit tenosynovialem Riesenzelltumor (TGCT) untersucht wird.

Der Darmstädter Arzneimittelhersteller erhält im Rahmen der Vereinbarung die exklusive Lizenz zur Vermarktung von Pimicotinib für alle Indikationen auf dem chinesischen Festland, in Hongkong, Macao und Taiwan, teilten die Unternehmen am Montagmorgen mit. Die Merck KGaA kann sich auch für die weltweiten kommerziellen Rechte entscheiden und den CSF-1R-Inhibitor für andere Indikationen mitentwickeln, fügten sie hinzu. Abbisko hat Pläne skizziert, Pimicotinib auch bei chronischer Graft-versus-Host-Krankheit und Bauchspeicheldrüsenkrebs einzusetzen.

Die Indikation TGCT ist hart umkämpft. Vor etwa fünf Wochen hatte das Biotech-Unternehmen Deciphera Pharmaceuticals einen Phase III-Test bei TGCT bestanden. Deciphera (Boston, USA) plant, im zweiten Quartal 2024 die FDA-Zulassung zu beantragen und im dritten Quartal des nächsten Jahres eine EU-Zulassung zu erhalten. Bisher ist in der Indikation ein Wirkstoff von Daiichi Sankyo zugelassen, der jedoch stärkere Nebenwirkungen zeigt und daher mit einigen sicherheitsbedingten Besonderheiten in der Abgabe eingeschränkt ist.

Der Weg, in China Innovationen zu erwerben oder über Partnerschaften Teil eines Markterfolges zu werden, wird von deutschen Pharma- und Biotech-Firmen immer häufiger beschritten. Zuletzt hatte die Mainzer BioNTech mehrere Lizenzen und Kooperationen in der Onkologie mit chinesischen Unternehmen abgeschlossenen, um Teilhaber deren weit fortgeschrittener Pipeline zu werden.

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