Brunerie & Irissou Architectes, Thomas Brunerie

Deal mit Pfizer: Evotec arbeitet sich aus dem Tal

Die Hamburger Wirkstoffschmiede Evotec SE meldet eine neue Forschungs- und Entwicklungskooperation mit der US-amerikanischen Pharmafirma Pfizer. Die auf mehrere Jahre angelegte Zusammenarbeit soll vorrangig am französischen Standort von Evotec in Toulouse stattfinden, den die Hamburger vor einigen Jahren von Sanofi übernommen haben.

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Die Hamburger Evotec SE ist an der Börse in schwere See geraten, in Bayern würde man sagen: „abgewatscht“ worden. Seit Januar hat sich der Kurs und damit die Marktkapitalisierung fast halbiert. Doch das Hamburger Unternehmen ist nicht in Panik verfallen, sondern hat sich nach dem für alle überraschenden Rücktritt des langjährigen Chefs Lanthaler Schritt für Schritt durch die Wellen gekämpft. Dass Evotec mit seiner breiten Technologieplattform als Angebot für risikominimierte Wirkstoffforschung im Wettbewerb sehr gut aufgestellt ist, war nie bestritten worden, aber dieser inhaltliche Kern des Unternehmens hatte es schwer, sich gegen die Psychologie der Unsicherheit auf dem Börsenparkett und bei den Analysten durchzusetzen. Hinzu kam, dass sich Leerverkäufer auf das angeschlagene Unternehmen stürzten und jeden kleinen Erholungsversuch sofort konterten.

Mit der Hamburger Hartnäckigkeit, die man den Kaufleuten von der Waterkant gerne nachsagt, hielt Evotec dennoch an der eigenen Marschroute fest und reihte weiterhin Forschungskooperation an Forschungskooperation als sichtbares Zeichen dafür, dass die internationale Pharmawelt weiter und verstärkt (mit neuen Partnerschaften) Zugang zum Technologieangebot an den verschiedenen Evotec-Standorten gewinnen möchte.

Passend dazu gab Evotec SE heute bekannt, dass das Unternehmen eine mehrjährige Forschungskooperation sowie eine Options- und Lizenzvereinbarung mit der US-amerikanischen Pfizer Inc. abgeschlossen hat. Im Rahmen der Vereinbarung werden sich Evotec und Pfizer zunächst auf die frühe Forschung und Entdeckung in den Bereichen Stoffwechsel- und Infektionskrankheiten konzentrieren. Die Forschungsarbeiten werden an Evotecs Standorten in Frankreich durchgeführt, darunter am Campus Curie in Toulouse, einem hochmodernen Forschungsstandort mit Kompetenzen in den Bereichen Hochdurchsatz-Screening, in vitro- und in vivo-Biologie, Proteomik und Metabolomik. Evotec erhält von Pfizer Forschungszahlungen und hat Anspruch auf mögliche Meilenstein- und Tantiemenzahlungen in Abhängigkeit vom Erfolg der Programme, deren Höhe das Unternehmen nicht bekannt gab.

Dr. Matthias Evers, Chief Business Officer von Evotec, kommentierte: „Wir fühlen uns geehrt, mit Pfizer bei der Erforschung potenzieller neuer therapeutischer First-in-Class-Ansätze zusammenzuarbeiten. Frankreich hat ein florierendes biopharmazeutisches Ökosystem aufgebaut, zu dem Evotec mit einer starken Präsenz von mehr als 1.000 Mitarbeitenden an unseren französischen Standorten und einer starken Pipeline wichtiger Medikamente beiträgt.“ Den Standort in Toulouse hatte Evotec im Jahr 2020 von Sanofi übernommen, das den „Biopark by Sanofi, BBS“ zuvor jahrelang betrieben hatte. Evotec nutzte die Infrastruktur und ergänzte sie ab 2022 mit dem Bau ihrer J.POD® Produktionsanlage für Biologika. Basierend auf der Expertise und Technologie von Just Evotec Biologics ist dies die zweite Anlage ihrer Art und die erste auf europäischem Boden. Sie nutzt die hochflexible, datengetriebene biopharmazeutische Produktionstechnologie, um dringend benötigte klinische und kommerzielle Produktionskapazitäten für Biologika zu schaffen. Die Anlage soll noch in diesem Jahr in Betrieb gehen.

Dort setzt nun die Zusammenarbeit mit Pfizer an und Dr. Luca Mollo, Vice President und Medical Lead France bei Pfizer, kommentiert seinerseits: „Wir freuen uns über die Zusammenarbeit mit Evotec, um Forschungsarbeiten durchzuführen, die dazu beitragen können, neue Ansätze zur Behandlung von weit verbreiteten Stoffwechsel- und Infektionskrankheiten zu entwickeln, von denen Millionen von Patienten weltweit betroffen sind. Frankreich hat ein starkes biopharmazeutisches Ökosystem entwickelt und wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit Evotec, um unser gemeinsames Ziel zu erreichen.“

Mit einem neuen CEO, Dr. Christian Wojczewski, hat Evotec seit dem 1. Juli eine weitere Untiefe umschifft und für Beobachter des Unternehmens für mehr Transparenz gesorgt. Zwar hat der Neue eine grundsätzliche Überprüfung aller strategischen Entscheidungen und laufenden Programme angekündigt, aber das ist die übliche Begleitmusik eines neuen Vorstands. Es wäre schon sehr verwunderlich, wenn sich am bewährten Kooperationsmodell der Hamburger etwas ändern würde. Um weiterhin ein attraktiver Partner für solche Forschungskooperationen zu sein, muss Evotec seinerseits am Puls der technologischen Entwicklung sein und gegebenenfalls auch Kompetenz von außen zukaufen. An diesen Grundelementen des Geschäftsmodells dürfte sich also wenig ändern. Der Pfizer-Deal ist nur der jüngste Beleg dafür, dass der Maschinenraum des Tankers Evotec intakt ist.

Evotec erweitert Oligoinukleotid-Kooperation

Die britische SynaptixBio Ltd. hat ihre Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Entwicklung von Antisense-Nukleotiden (ASOs) gegen erbliche H-ABC-Leukodystrophien aus dem Jahr 2022 mit der Evotec SE erweitert. Die Hamburger bereiten die klinische Prüfung des Leitkandidaten vor und screenen weitere ASOs gegen seltenere Mutationen im überaktiven TUBB4A-Gen.

Valneva: Warten auf die Zulassung

Die Valneva SE  und ihr Partner Pfizer Inc. gaben heute bekannt, dass die Teilnehmer der Phase III-Studie „Vaccine Against Lyme for Outdoor Recreationists“ (VALOR) die Primärimmunisierung (drei Dosen) des Borreliose-Impfstoffkandidaten VLA15 abgeschlossen haben. Sie werden bis zum Ende der Borreliose-Saison im Jahr 2025 auf das Auftreten von Borreliose überwacht.

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