Idorsia Ltd.

Platzt bei Idorsia der Knoten?

In einer finanzschweren Entwicklungskooperation mit der US-amerikanischen Viatris Inc. erhält die Schweizer Idorsia Ltd. eine Vorauszahlung von 350 Mio. US-Dollar für die weltweite, nun gemeinsame Entwicklung von zwei Wirkstoffen, die sich derzeit in Phase III-Studien befinden.

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Es könnte ein Befreiungsschlag für die Schweizer Idorsia sein, deren Börsenkurs an der Schweizer SIX seit Monaten der ständigen Talabfahrt eines Skifahrers gleicht. Heute macht der Kurs einen regelrechten Freudensprung von 5% nach oben. Das klingt nicht viel, weil sich der Kurs bereits seit wenigen Tagen auf merkwürdige Weise stark ins Plus drehte. Seit Mitte des Monats hatte er sich plötzlich mehr als verdoppelt. Ob da schon etwas von den Vereinbarungen durchgesickert war?

Jedenfalls müssen die Verhandlungen bereits ein paar Tage laufen und dabei geht es der US-amerikanischen Viatris, die sich selbst als eine Art Brückenbauer zwischen der Welt der Generika und der Origianlpräparate sieht, um die weitfortgeschrittenen Originalwirkstoffe von Idorsia – Selatogrel und Cenerimod. Die beeindruckende Vorauszahlung von 350 Mio. US-Dollar an Idorsia hilft dem in den vergangenen Monaten mit finanziellen Schwierigkeiten und Entlassungen aufgefallenen Unternehmen. Dazu kommen potentielle Meilensteinzahlungen für die Entwicklung und Zulassung sowie bestimmte bedingte Zahlungen in Form von zusätzlichen Meilensteinzahlungen und gestaffelten Lizenzgebühren im mittleren einstelligen bis niedrigen zweistelligen Prozentbereich auf den jährlichen Nettoumsatz bei einer erfolgreichen Zulassung.

Doch Idorsia hat auch selbst noch Einiges in die gemeinsame Entwicklung zu investieren: Ein gemeinsamer Entwicklungsausschuss wird die Entwicklung der laufenden Phase III-Programme für Selatogrel und Cenerimod bis zur Marktzulassung überwachen. Idorsia muss dann in den nächsten drei Jahren bis zu 200 Mio. US-Dollar eigene Mittel beisteuern und bei Abschluss der Vereinbarung das für beide Programme zuständige Personal auf Viatris übertragen. Gleichwohl ist Jean-Paul Clozel, MD und Chief Executive Officer von Idorsia und erfolgsverwöhnter Gründer der Schweizer Actelion, zufrieden: „Ich freue mich, dass wir mit Viatris einen starken Partner gefunden haben, um die Entwicklungsprogramme für Selatogrel und Cenerimod zu sichern und zu beschleunigen, indem wir die Stärke der globalen Infrastruktur von Viatris nutzen. Vom ersten Treffen an war klar, dass das Team von Viatris die gleiche Begeisterung und das gleiche Engagement für unsere Innovationen teilt. Diese globale Zusammenarbeit ermöglicht es uns, die Kosten der laufenden Phase III-Programme zu teilen und gleichzeitig den langfristigen Shareholder-Value zu erhalten, indem wir die Belohnungen für den Erfolg durch die Meilensteine und Tantiemen teilen.“

André C. Muller, Chief Financial Officer von Idorsia, wird etwas deutlicher, wie nötig dieser Deal für Idorsia ist: „Die Vorabzahlung von 350 Mio. US-Dollar verschafft uns die dringend benötigte Liquidität. Wir haben wiederholt erklärt, dass wir viele Bälle in der Luft haben, den ersten haben wir jetzt gefangen und arbeiten weiter an anderen, um die Zukunft von Idorsia zu sichern. Wir arbeiten an mehreren Finanzierungsoptionen, darunter Geschäftsentwicklungsmöglichkeiten, Eigenkapital und an Eigenkapital gebundene Transaktionen, um unsere Liquiditätsspanne deutlich zu verlängern.“ Er ergänzte: „In den kommenden Wochen und Monaten stehen uns viele Wendepunkte bevor, nämlich die Entscheidungen der FDA und des CHMP für Aprocitentan sowie der erweiterte Zugang und die Verfügbarkeit von QUVIVIQ (Daridorexant) in den USA, Kanada und in Europa.“

Insofern verschafft das neue Finanzpolster die benötigte Luft, die beiden Phase III-Projekte zu einem möglicherweise guten Ende zu führen. Cenerimod ist ein in der Erprobung befindlicher, hochselektiver S1P1-Rezeptor-Modulator, der einmal täglich als Tablette eingenommen wird. Er bietet möglicherweise einen neuen Ansatz für die Behandlung des systemischen Lupus erythematodes (SLE). Selatogrel ist ein schnell wirkender, reversibler und hochselektiver P2Y12-Hemmer, der für die Behandlung von AMI (akutem Herzinfarkt, acute myocard infarction) bei Patienten mit AMI in der jüngeren Vergangenheit entwickelt wird. Er soll über ein Verabreichungssystem (Autoinjektor) subkutan selbst verabreicht werden.

Schweiz gibt Geld für Horizon-Programm frei

Der Schweizer Bundesrat hat Ende vergangener Woche 650 Mio. Franken für Ausschreibungen im Horizon Europe-Förderprogramm freigegeben. Da die Schweiz als nicht assoziierter Drittstaat gilt, wären Schweizer Wissenschaftler und Unternehmen ohne die Förderung von zwei Dritteln der Ausschreibungen des von 2021 bis 2027 laufenden EU-Programms ausgeschlossen.

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