Public Domain (CDC/Alissa Eckert; James Archer)

Tuberkulose-Projekt zwischen Fraunhofer und Roche

Fraunhofer-Forscher starten mit Roche in Penzberg ein Tuberkulose-Projekt, um neue hochsensitive und spezifische Biomarker für die Diagnose der Infektionskrankheit zu identifizieren.

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Forscher des Fraunhofer ITMP und des Tropeninstituts des LMU-Klinikums starteten im Rahmen der seit 2022 bestehenden strategischen Kooperation mit Roche am Fraunhofer ITMP-Standort für Immunologie, Infektions- und Pandemieforschung IIP in Penzberg/München die Studie DisTB (Discovery of novel biomarkers for the diagnosis of TB disease). Ziel der Studie ist es, neue hochsensitive und spezifische Biomarker für die Diagnose von Tuberkulose zu identifizieren, die nicht auf Sputum, sondern auf Blut-, Urin- oder Speichelproben basieren. Darüber hinaus soll eine Plattform für die Sammlung von Proben zur Entdeckung und Verifizierung weiterer diagnostischer Marker geschaffen werden. Blutbasierte Testverfahren wie der Interferon-Gamma-Release-Assay, kurz IGRA, gibt es zwar schon seit einigen Jahren, sie können aber nicht zwischen einer aktiven Tuberkulose-Erkrankung und einer latenten Tuberkulose-Infektion oder einem früheren Kontakt mit dem Bakterium unterscheiden.

Weltweit erkranken jährlich über 10 Millionen Menschen an der Infektionskrankheit, die durch den Erreger Mycobacterium tuberculosis (im Bild) verursacht wird. Das Verbundprojekt forscht an neuen Lösungen für einen vereinfachten Zugang zur Diagnostik.

Der neu gegründete Fraunhofer-ITMP-Standort IIP fokussiert sich auf die translationale Schnittstelle zwischen akademischer Forschung und Industrie und etabliert neueste Technologien zur Entwicklung neuer Infektionsdiagnostika. Er war während der Corona-Pandemie von Ministerpräsident Markus Söder und dem damaligen Bundesgesundheitsminister Jens Spahn mit einer Anschubfinanzierung von 80 Mio. Euro ausgestattet worden, die für fünf Jahre ausreichen sollen. Danach muss der Standort in bewährter Fraunhofermanier zu rund 70% aus selbst akquirierten Drittmitteln aus der Industrie sein Fortbestehen sichern.

Prof. Dr. Dr. Gerd Geißlinger, Institutsleiter des ITMP, Frankfurt am Main, Direktor des Instituts für Klinische Pharmakologie, Universitätsklinikum Frankfurt am Main (dem Mutterstandort des Satelliten in Penzberg) hofft, dass dies gelingen kann: „Die Kooperation zwischen Roche, dem LMU Klinikum und dem Fraunhofer ITMP wird konkrete Lösungen für die Tuberkulose-Diagnostik entwickeln und dazu beitragen, die jetzt schon enge Partnerschaft der Institutionen weiter zu festigen.“

Das Interesse von Roche, am Penzberger Standort maßgeblich an der Entwicklung des dann millionenfach eingesetzten COVID-19-Diagnosetests beteiligt, ist jedenfalls groß: „Wir bei Roche haben die Problematik der Diagnose der Tuberkulose erkannt und wollen uns daher der Thematik stellen. Wenn wir die chronische Pandemie auf diese Weise in den Griff bekommen, hätte das eine bedeutend positive Auswirkung auf die Gesundheit der Menschen weltweit“, sagte Dr. Elke Glasmacher, Global Head of Discovery Sciences in Diagnostics, Roche in Penzberg.

Phagenlysin für klinische Studie zugelassen

Gemeinsam mit der HYpharm GmbH in Bernried und gefördert vom BMBF haben Wissenschaftler ein Phagenlysin für die klinische Erprobung entwickelt. Das Protein aus Bakteriophagen befällt hochspezifisch Staphylococcus-aureus-Zellen und löst sie auf. Der modifizierte Wirkstoff HY-133 der Firma HYpharm hat nun die Erlaubnis für die erste klinische Studienphase erhalten.

Bioversys bekommt mehr Geld von GSK

GSK und BioVersys werden ihre Zusammenarbeit über die derzeitige Phase IIa hinaus fortsetzen und Alpibectir sowohl in TB-Lungen- als auch in TB-Meningitis-Programmen entwickeln. GSK beteilgt sich dazu an der jüngsten Investitionsrunde von BioVersys, die damit um CHF 12,3 Mio. aufgestockt wird, was zu einem Gesamterlös von CHF 44,9 Mio. für diese Serie C Runde führt.

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