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Blauzungen-Krankheit: Verovaccine erhält Finanzierung
Die Verovaccine GmbH aus Halle (Saale) hat für die Weiterentwicklung ihres Tierimpfstoffes gegen die Blauzungenkrankheit eine Brückenfinanzierung erhalten.
Das Veterinärimpfstoff-Unternehmen Verovaccines GmbH aus Halle/Saale konnte sich eine Brückenfinanzierung in Höhe von 1,6 Mio. Euro sichern. Diese wurde im Wesentlichen von bestehenden Investoren und den Gründern getragen, um die nächsten Entwicklungsschritte ohne Verzögerungen angehen zu können.
Nach der zügigen Entwicklung eines hochwirksamen Impfstoffs gegen das Blauzungenvirus Typ 3 (BTV-3) plant Verovaccines, die Mittel gezielt für den weiteren Ausbau der Produktpipeline zu verwenden. Dabei soll die proprietäre Impfstofftechnologie (Unified Vaccine Platform) eingesetzt weerden, die ein durchgängiges System zur Generierung, Entwicklung und Produktion innovativer Subunit-Impfstoffe entlang der gesamten Wertschöpfungskette bietet.
Dr. Hanjo Hennemann, CEO von Verovaccines, kommentierte die neue Entwicklung: „Die enormen Fortschritte, die wir im vergangenen Jahr beim Ausbau unserer Technologieplattform gemacht haben, ermöglichen es uns, die Entwicklung von Impfstoffen für unsere eigene Pipeline voranzutreiben und weitere Kooperationen einzugehen. Wir sind unseren Investoren dankbar für ihre Unterstützung, die es uns ermöglicht, unsere ambitionierten Entwicklungsziele zu erreichen.“
Die Blauzungenkrankheit (BT) ist eine Virusinfektion, die vor allem Wiederkäuer wie Schafe, Rinder und Ziegen befällt und zu erheblichen wirtschaftlichen Verlusten in der Viehwirtschaft führen kann. Besonders in wärmeren Klimazonen wird die Krankheit von Stechmücken übertragen, was die Kontrolle und Vorbeugung erschwert. Impfstoffe gegen Blauzungenvirus-Typen sind von großer Bedeutung, um die Ausbreitung der Krankheit zu verhindern und die Tierbestände zu schützen.
Prof. Sven-Erik Behrens, CSO von Verovaccines, hebt hervor: „Mit diesen Mitteln können wir die Impfstoffentwicklung erheblich beschleunigen und vielversprechende Impfstoffkandidaten auf die nächste Stufe bringen. Unser Ziel ist es, innovative und wirksame Impfstoffe auf den Markt zu bringen, um langfristig den steigenden Herausforderungen im Bereich der Tiergesundheit zu begegnen.“ Behrens stand gemeinsam mit Molekulargenetikerin Prof. Karin Breunig bereits am Anfang der langen Wegstrecke, die die Impfstoffplattform aus Halle gegangen ist.
Denn seit fast 20 Jahren wird an der Martin-Luther-Universität (MLU) daran geforscht. Damals entstand an der MLU die Idee, mit Hilfe der Milchhefe Kluyveromyces lactis und Virusbestandteilen kostengünstige und hochwirksame Impfstoffe gegen Infektionskrankheiten bei Tieren herzustellen. In der ersten, der „akademischen“ Phase von GO-Bio wurde dieses Vorhaben seit 2013 bereits mit 3,2 Mio. Euro gefördert. Der Antrag knüpfte damals an ein bereits vom Bund gefördertes Projekt an, das 2008 gemeinsam von Behrens und Breunig in Halle begonnen wurde. 2018 gelang dem Team von Verovaccines dann der Schritt in die GO-Bio-Phase 2, um mit einer weiteren Millionenförderung die konkrete Ausgründung des Unternehmens voranzutreiben.
Der lange Zeitraum zeigt: Forschung braucht einen langen Atem. Behrens spricht in einem älteren Beitrag für das Unimagazin der MLU von sehr teuren und aufwändigen experimentellen Untersuchungen. Es handele sich um ein völlig neues Prinzip, das umso mehr Tests und Optimierungen erfordere, um „sicher zu sein, dass die Ergebnisse stimmen“, so der Mikrobiologieprofessor. Bei der Neuentwicklung von Verovaccinen werden im Gegensatz zu herkömmlichen Impfstoffen nicht komplette, entschärfte Viren verwendet, sondern nur einzelne virale Proteine. Sie werden in gentechnisch veränderter Hefe produziert. Als im vergangenen Jahr die Blauzungenkrankheit auch in Mitteldeutschland grassierte und bundesweit bis Oktober schon 12.000 infizierte Tiere durch das zuständige Friedrich-Loeffler-Institut gezählt worden waren, erteilte das für Impfstoffe zuständige Paul-Ehrlich-Institut einige Notfallzulassungen für Impfstoffe gegen BTV-3. Auch Verovaccines strebt eine solche Notfallzulassung an und sieht die eigene Impfstoffplattform als variabler im Vergleich zur Konkurrenz, um so auf veränderte Virustypen schneller reagieren zu können.