
ASCO: Immatics im Schatten der In-Vivo-CAR-T-Welle
ASCO 2026: Immatics präsentiert neue Daten zu PRAME-Programmen und erweitert den Blick über Anzu-cel hinaus, doch der Jubel des Publikums gehört einer vielversprechenden Pankreaskrebstherapie sowie den neueren Daten zur In-vivo-CAR-T von Eli Lilly und Kelonia.
Das deutsch-amerikanische Biotechnologieunternehmen Immatics hat auf der Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology (ASCO) mehrere klinische Updates zu seiner auf das Tumorantigen PRAME ausgerichteten Pipeline vorgestellt. Im Mittelpunkt standen neue Daten zur Zelltherapie IMA203CD8 sowie weiterführende Analysen zum fortgeschrittenen Entwicklungsprogramm Anzu-cel, dessen zulassungsrelevante Phase-III-Ergebnisse noch im laufenden Jahr erwartet werden.
PRAME (Preferentially Expressed Antigen in Melanoma) gehört zu den sogenannten Cancer-Testis-Antigenen und wird in einer Vielzahl solider Tumoren exprimiert. Dadurch eignet sich das Zielmolekül potenziell für unterschiedliche Krebsarten, darunter Melanome, gynäkologische Tumoren und Synovialsarkome.
IMA203CD8 soll Patientenkreis deutlich erweitern
Während Anzu-cel derzeit vor allem auf ausgewählte PRAME-positive Tumorindikationen mit einer vergleichsweise begrenzten Patientenzahl abzielt, verfolgt Immatics mit der nächsten Generation seiner Zelltherapien das Ziel, deutlich größere Patientengruppen zu erreichen. Nach Unternehmensangaben könnte IMA203CD8 künftig bei einer Vielzahl fortgeschrittener PRAME-positiver Tumoren eingesetzt werden.
In einer laufenden Phase I-Studie zeigten 12 von 19 Patientinnen mit gynäkologischen Krebserkrankungen ein objektives Ansprechen nach einer einmaligen Infusion einer klinisch relevanten Dosis von IMA203CD8. Vier dieser Remissionen waren vollständig, wobei zwei davon zum Zeitpunkt der Auswertung bereits bestätigt waren. Von den neun bestätigten Respondern befanden sich acht weiterhin in Remission. Die bislang längste anhaltende Wirkung bestand nach zwölf Monaten noch fort.
Erwartbares Sicherheitsprofil
Nach Angaben der auf dem Kongress präsentierenden Charité-Onkologin Antonia Busse zeigte die Therapie ein insgesamt beherrschbares Sicherheitsprofil. Wie bei vielen T-Zell-basierten Immuntherapien trat bei einem Großteil der Patienten ein Cytokine Release Syndrome (CRS) auf. Die meisten Fälle wurden jedoch als leicht bis moderat (Grad I oder II) eingestuft.
Unter den 27 Patienten der Sicherheitskohorte wurden zwei dosislimitierende Nebenwirkungen beobachtet: ein Fall eines immunzellassoziierten Neurotoxizitätssyndroms (ICANS) sowie eine schwere Hautinfektion.
Neue Einblicke in das Wirkprofil von Anzu-cel
Parallel präsentierte Immatics weitere Auswertungen seines am weitesten entwickelten Programms Anzu-cel. Die Analyse untersuchte das individuelle Ansprechverhalten von Patienten mit fortgeschrittenem Melanom. Mehr als 40 % der ausgewerteten Patienten litten an kutanem Melanom – jener Indikation, die derzeit in der zulassungsrelevanten Phase-III-Studie untersucht wird.
Die Daten deuten darauf hin, dass Krankheitsprogression unter Anzu-cel häufig nicht auf ein generelles Versagen der Therapie zurückzuführen ist. Stattdessen entstanden neue Tumorläsionen oder einzelne bestehende Herde entwickelten sich weiter, während viele andere Tumormanifestationen weiterhin kontrolliert blieben. Nach Einschätzung des Unternehmens spricht dies dafür, dass die Therapie in der Lage sein könnte, die Tumorkontrolle an mehreren metastatischen Orten gleichzeitig über längere Zeit aufrechtzuerhalten.
Darüber hinaus wurden weitere Daten zu den PRAME-Programmen bei Synovialsarkomen vorgestellt.
PRAME bleibt Kern der Pipeline – erste Daten auch jenseits des Zielantigens
Die Programme Anzu-cel, IMA203CD8 sowie der bispezifische T-Zell-Rezeptor-Kandidat IMA402 bilden derzeit das Zentrum der Entwicklungsstrategie von Immatics.
Gleichzeitig erweitert das Unternehmen seine Pipeline um weitere Tumorantigene. Auf der ASCO stellte Immatics erstmals klinische Daten zu IMA401 vor, einem gegen die Zielstrukturen MAGEA4 und MAGEA8 gerichteten bispezifischen T-Zell-Rezeptor-Molekül.
In der laufenden First-in-Man-Studie zeigte IMA401 nach Unternehmensangaben ein handhabbares Sicherheitsprofil sowie erste Hinweise auf Wirksamkeit – sowohl als Monotherapie als auch in Kombination mit Keytruda von Merck & Co.. Auf Basis dieser Ergebnisse plant Immatics, IMA401 künftig gemeinsam mit dem PRAME-gerichteten bispezifischen Kandidaten IMA402 zu untersuchen.
„Verrückte“ 100% Ansprechen bei In-vivo-CAR-T
Mehr Begeisterung bis Reaktionen, die solche Resultate als schier unfassbar einstuften („verrückte Response“) erhielt Eli Lilly dem Vernehmen nach für genauere Daten der kürzlich für viele Milliarden US-Dollar übernommenen Kelonia, einer Firma mit In-vivo-CAR-T-Ansätzen. Hier produziert der Patient selbst die modifizierte Zelle. Dennoch sind dies noch sehr frühe Ergebnisse und mit den fortgeschrittenen Programmen sollte es für Immatics einen Platz in der Behandlungsschublade geben. Die auf der ASCO präsentierten Daten unterstreichen dabei die strategische Bedeutung von PRAME für Immatics. Während die Branche nun gespannt auf die regulären Phase III-Ergebnisse von Anzu-cel wartet, arbeitet das Unternehmen bereits an Nachfolgegenerationen und Kombinationsansätzen, die deutlich größere Patientengruppen adressieren sollen. Sollte sich insbesondere IMA203CD8 in weiteren Studien bestätigen, könnte Immatics seine Position als einer der führenden Entwickler TCR-basierter Zelltherapien gegen solide Tumoren weiter ausbauen.

ROGER HARRIS/SCIENCE PHOTO LIBRA-stock.adobe.com
Scholz et al. https://www.nature.com/articles/s41586-026-10466-y/figures/4
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