Cellbox Solutions GmbH

Erfolgreiche Serie A: Wenn die Kühlkette nicht kalt sein darf

Cellbox Solutions (Hamburg/Köln) schließt die kürzlich gestartete Serie A-Finanzierungsrund bei über 5 Mio. Euro ab. Das Unternehmen will den Transport lebender Zellen, Gewebe und Organoide zu einem integrierten Logistikgeschäft ausbauen, denn mit der wachsenden Zahl zellbasierter Therapien steigen auch die Anforderungen an den Transport empfindlicher biologischer Materialien.

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Lebende Zellen sind keine gewöhnliche Fracht. Anders als bei vielen Arzneimitteln genügt es nicht, eine vorgeschriebene Kühltemperatur einzuhalten. Bestimmte biologische Materialien benötigen während des Transports Bedingungen, die ihrer physiologischen Umgebung möglichst nahekommen. Temperatur und CO2-Gehalt können entscheidend dafür sein, ob Zellen und Gewebe ihre Eigenschaften behalten und anschließend verwendbar sind. Damit wird der Transport selbst zum kritischen Prozessschritt. Umgebungsbedingungen müssen auch bei Umladungen, Verzögerungen und auf internationalen Versandwegen kontrolliert werden. Mit dem Wachstum bei Zelltherapien und anderen Anwendungen lebender biologischer Materialien steigt der Bedarf an spezialisierten Lösungen.

Hier setzt Cellbox Solutions an. Das 2017 gegründete Unternehmen mit Standorten in Köln und Hamburg entwickelt transportable CO2-Inkubatoren, die kontrollierte Bedingungen für lebende Zellen, Gewebe und Organoide schaffen. Die Systeme Cellbox Go und Cellbox Shipper sind für den Land- und Lufttransport ausgelegt. Nach Unternehmensangaben sind inzwischen mehr als 400 Inkubatoren im Markt; sie werden unter anderem in der Forschung und bei Anwendungen im Bereich der Zelltherapie eingesetzt.

Vom Transportgerät zum Logistikdienstleister

Nun meldete Cellbox den Abschluss seiner Serie A-Finanzierungsrunde über insgesamt 5 Mio. Euro. Auf einen ersten Abschluss von rund 3,5 Mio. Euro im März folgten weitere Investoren: Mitglieder der Baltic Business Angels Invest, ein kanadisches Family Office und ein nicht namentlich genannter Investor mit Pharmalogistik-Erfahrung. Auch die bestehenden Investoren NRW.BANK und Fraunhofer Venture beteiligten sich erneut. Der erste Abschluss war von Companisto über ein Crowdfunding angeführt worden.

Mit dem Kapital will Cellbox über das Gerätegeschäft hinauswachsen. Geplant ist, die Inkubatoren stärker mit Transport- und Serviceleistungen zu verbinden – von der Vermietung über die Überwachung der Transportbedingungen bis zu Flottenmanagement und Versandkoordination. Kunden sollen damit nicht nur die Technik, sondern zunehmend eine integrierte Logistiklösung erhalten.

Das Geschäftsmodell verschiebt sich damit vom Produkt zum laufenden Service. Dafür braucht Cellbox neben geeigneten Geräten verlässliche Abläufe und Partner, die auch komplexe internationale Lieferketten abdecken. Die Finanzierung soll deshalb sowohl den Ausbau wiederkehrender Dienstleistungen als auch die Expansion in Europa, Asien und Nordamerika unterstützen.

Physiologische Bedingungen statt Einheitslösung

Welche Transportbedingungen erforderlich sind, hängt vom Zelltyp, dem jeweiligen Prozess und der geplanten Anwendung ab. Nicht jedes biologische Material benötigt dieselbe Temperatur oder eine CO2-Regelung. Entscheidend ist, die Bedingungen auf die jeweilige Fracht abzustimmen und ihre Einhaltung während des Transports nachvollziehbar zu machen.

Cellbox verweist auf regulatorische Grundlagen, darunter Drug Master Files für die Cellbox-Produktfamilie. Diese können regulatorische Verfahren unterstützen, sind jedoch nicht mit einer pauschalen Zulassung für sämtliche Anwendungen oder Transportprozesse gleichzusetzen.

Mit der zunehmenden Verwendung von Organoid-Modellen anstatt Tierversuchen wächst auch der Bedarf an angepasster Transportlogistik in diesem Bereich zum Austausch von Modellsystemen unter Entwicklungspartnern oder vom Hersteller bestimmter Lab-on-Chip-Lösungen. In diesem Bereich kann Cellbox bereits einige Referenzkunden aufführen.

Die nächste Wachstumsphase

Gründerin und CEO Prof. Dr. Kathrin Adlkofer sieht den Abschluss der Series A als Grundlage, ein breiteres Angebot für physiologische Logistik aufzubauen. „In den vergangenen Jahren haben wir eine solide Grundlage für den kontrollierten Transport lebender biologischer Materialien geschaffen“, so Adlkofer. „Mit dem Abschluss unserer Series-A-Finanzierungsrunde entwickeln wir unsere etablierte Warm-Chain-Technologieplattform nun zu einem breiteren Angebot für physiologische Logistik weiter. Damit können wir unsere Kunden entlang ihrer Logistikprozesse noch umfassender unterstützen und zugleich unsere Präsenz in wichtigen internationalen Märkten ausbauen.“ Finanzchef und Geschäftsentwicklungsleiter Bernd Muehlenweg setzt auf Mietmodelle und wiederkehrende Dienstleistungen, die langfristige Kundenbeziehungen ermöglichen sollen.

Ob daraus ein skalierbares Geschäft entsteht, hängt nicht allein von der Zahl der eingesetzten Inkubatoren ab. Wichtig ist, die Services zuverlässig über die erforderlichen Bedingungen unterschiedlicher Verkehrsträger, Länder und Logistikpartner hinweg zu gewährleisten. Die aktuelle Unsicherheit im Marktumfeld der Zell- und Gentherapeutika, deren hohe Kosten immer mehr Gesundheitssysteme vor einer Verbreiterung der Nutzung zurückschrecken lassen, ist eine weitere Herausforderung für das Unternehmen. Die Lage bei und Akzeptanz zu lebenden Therapeutika ist jedoch in unterschiedlichen Weltregionen sehr verschieden. Da kann eine breitere internationale Aufstellung auch Stabilität und Puffer schaffen für schwierige Zeiten. Die 5 Mio. Euro verschaffen Cellbox Spielraum für einen solchen Ausbau. Der Praxistest bleibt, empfindliches biologisches Material auch in komplexen Lieferketten sicher und unter kontrollierten Bedingungen ans Ziel zu bringen.

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