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Bayer baut in den USA mit Milliarden

Bayer baut seine Pharmaaktivitäten in den USA weiter aus. Der Konzern will 2,2 Mrd. US-Dollar in einen neuen Produktionsstandort in New Albany, Ohio, investieren. Trotz der Milliarden, die der Leverkusener Konzern in den USA investiert, sieht man das globale Hauptquartier der Pharma-Division weiterhin Berlin.

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Mit dem Milliardeninvestment will Bayer am Standort in Ohio einen modularen Campus gestalten, auf dem künftig sowohl pharmazeutische Wirkstoffe als auch Fertigarzneimittel hergestellt werden. Das erste Modul für die Wirkstoffproduktion soll 2031 in Betrieb gehen, die Fertigarzneimittelproduktion soll 2034 folgen. Rund 600 hochqualifizierte Arbeitsplätze sollen entstehen, während der Bauphase weitere 1.500.

Viele Milliarden wandern in die USA, …

Für Bayer ist Ohio mehr als ein weiteres Produktionsprojekt. Der Standort fügt sich in die strategische Neuausrichtung der Pharmasparte ein, die nach Jahren mit Patentabläufen und Umsatzdruck wieder auf Wachstumskurs gebracht werden soll. In den vergangenen fünf Jahren hat Bayer nach eigenen Angaben bereits mehr als 7 Mrd. US-Dollar in Pharma-Forschung, -Entwicklung und -Produktion in den USA investiert. Mit Whippany, New Jersey, als US-Pharmazentrale sowie Standorten unter anderem in Berkeley, Cambridge, Pittsburgh, Research Triangle Park und San Diego verfügt der Konzern dort bereits über ein dichtes Netzwerk.

Der Investitionszeitpunkt ist kein Zufall. Die USA sind für Bayer inzwischen der wichtigste Wachstumsmarkt der Pharmasparte. Gleichzeitig zeigen die Geschäftszahlen, warum der Konzern dort investieren will: Nubeqa (Darolutamid) und Kerendia (Finerenon) wachsen vor allem in den USA stark. Im ersten Halbjahr 2026 stieg der Umsatz mit Pharmaceuticals zwar nur leicht auf 8,7 Mrd. Euro, doch Nubeqa und Kerendia legten deutlich zu. Dem standen die erwarteten Einbußen bei Xarelto nach dem Patentablauf sowie bei Eylea durch den zunehmenden Wettbewerb mit Biosimilars gegenüber.

… um Umsatzrückgänge zu kompensieren

Damit steht Ohio für die zweite Hälfte einer Strategie, die Bayer seit einiger Zeit verfolgt: Das Unternehmen versucht, die verlorenen Umsätze des alten Blockbuster-Portfolios durch neue Wachstumsträger und eine fokussierte Pipeline zu ersetzen. Für 2027 hat Bayer für Pharmaceuticals wieder ein Umsatzwachstum im mittleren einstelligen Prozentbereich in Aussicht gestellt; bis 2030 soll die operative Marge in Richtung 30% steigen. Der Konzern konzentriert Forschung und Entwicklung dabei insbesondere auf Onkologie, Herz-Kreislauf- und Nierenerkrankungen, Neurologie und seltene Erkrankungen sowie Immunologie.

Der neue Standort passt auffällig genau zu diesem Portfolio. Zunächst soll Ohio insbesondere die Produktion von Arzneimitteln für Onkologie sowie Herz-Kreislauf- und Nierenerkrankungen unterstützen. Damit wird nicht nur Kapazität aufgebaut, sondern bereits heute Infrastruktur für die Produkte geschaffen, mit denen Bayer in den kommenden Jahren wachsen will. Die geplante Kombination von Wirkstoff- und Fertigarzneimittelproduktion an einem Standort soll zudem die Lieferkette robuster machen.

Bayer wird immer amerikanischer

Parallel baut Bayer sein US-Netzwerk auf der Forschungs- und Entwicklungsseite aus. So vereinbarte der Konzern im Januar eine fünfjährige Zusammenarbeit mit dem Vanderbilt University Medical Center, um mithilfe von Daten und klinischer Expertise neue Wirkstoffe insbesondere für Herz-Kreislauf- und Nierenerkrankungen zu entwickeln. Im Sommer kam eine weitere Allianz mit der University of Colorado Anschutz, UCHealth und Children’s Hospital Colorado hinzu, diesmal mit Schwerpunkt auf klinischer Forschung und Studien.

Damit entsteht in den USA zunehmend ein integriertes Bayer-Ökosystem aus Forschung, klinischer Entwicklung, Produktion und Vermarktung. Auch die Ernennung von Nelson Ambrogio zum Leiter für das US-Pharmageschäft im Mai 2026 unterstreicht die Bedeutung des Marktes für die Wachstumsstrategie. Bayer bezeichnet die USA ausdrücklich als seinen größten und am schnellsten wachsenden Pharmamarkt.

Die Investition hat zudem eine industriepolitische Dimension. Bayer spricht von einer resilienteren Versorgung des US-Marktes; gleichzeitig stärkt der Konzern mit der lokalen Produktion seine Position in einem Umfeld, in dem die US-Politik seit Jahren auf mehr heimische Arzneimittelproduktion drängt. Bayer folgt damit einem Muster, das derzeit bei europäischen Pharmakonzernen zu beobachten ist: Forschung, Entwicklung und Produktion werden näher an den größten Absatzmarkt gerückt. Der Ohio-Campus ist insofern weniger ein isoliertes Milliardenprojekt als ein weiterer Schritt bei der Verlagerung des strategischen Schwerpunkts der Pharmasparte in Richtung USA.

Für Bayer kommt dabei ein weiterer Faktor hinzu: Der Konzern muss sein Pharmageschäft wachsen lassen und gleichzeitig profitabler machen. Die neue Produktionsstätte wird erst 2031/34 vollständig wirksam werden und ist damit keine kurzfristige Antwort auf die aktuellen Umsatzrückgänge. Sie ist vielmehr eine Wette darauf, dass die heute aufgebaute Pipeline und die neuen Wachstumsträger bis dahin ein Produktionsvolumen rechtfertigen, das den Milliardenaufwand trägt. Dass Bayer dabei auf einen hochautomatisierten, modularen Standort setzt, deutet auf den Versuch hin, die künftige Kapazität möglichst flexibel an die Entwicklung des Portfolios anzupassen.

Und Deutschland?

Was die stark US-amerikanisch orientierte Strategie, die sich in der Vergangenheit auch schon durch viele Firmenzukäufe ebenfalls in Milliardenhöhe gezeigt hatte, für den deutschen Standort bedeutet, kann man mit einem Fragezeichen versehen oder den öffentlichen Äußerungen des Unternehmens dazu folgen, die dies als „komplementär“ bezeichnen.

Und in der Tat, in Berlin wird die Pharma-Division derzeit auf- und ausgebaut. Berlin ist dabei der wichtigste deutsche Pharma-Hub des Unternehmens aus Leverkusen. Bayer bezeichnet Berlin selbst ausdrücklich als globalen Sitz der Division Pharmaceuticals. Rund 5.000 Menschen arbeiten dort auf dem 190.000 m² großen Gelände. Von Berlin aus werden die globalen Pharmaaktivitäten gesteuert; Forschung und Entwicklung konzentrieren sich unter anderem auf Onkologie und Radiologie. Gleichzeitig ist Berlin Produktionsstandort: Im Supply Center werden wichtige Produkte insbesondere für die Augenheilkunde und Radiologie hergestellt, abgefüllt und verpackt.

Aber Bayer investiert weiter. Im Geschäftsbericht 2025 wird die Modernisierung der Berliner Produktion mit Fokus auf das Radiologie-Portfolio und weitere parenterale Produkte ausdrücklich als laufendes Projekt genannt. Auch der Ausbau einer Sterilabfüllung für Launchprodukte sowie die Modernisierung der Forschungseinrichtungen gehören zum Berliner Investitionsprogramm. Damit wird deutlich: Berlin wird nicht auf die Konzernzentrale reduziert. Der Standort soll Forschung, globale Steuerung, Produktion und künftig noch stärker den Transfer in neue Therapien miteinander verbinden.

Besondere Strategie: Bayer + Charité

Diese Strategie für Berlin bekommt von 2026 an eine neue Dimension. Im März etablierte Bayer und die Charité den Health Innovation Quarter Berlin-Mitte als gemeinsamen Zukunftsort. Das rund fünf Kilometer lange Areal reicht vom Charité Campus Mitte über den Spreekanal und den Bayer-Standort zwischen Nordhafen und Müllerstraße bis zum Campus Virchow-Klinikum. Ziel ist es ausdrücklich, Forschung, Industrie, Start-ups und klinische Anwendung enger zusammenzubringen.

Den Mittelpunkt dieses Innovationsbogens entlang des Spreekanals und der geschichtsträchtigen Areale des ehemaligen Invalidenhauses (heute Bundeswirtschaftsministerium) bildet auf dem Bayer Campus das neue BayerCo.lab, in dem Bayer einige besonders interessante Start-ups einquartiert hat, um deren Entwicklung zu unterstützen, aber auch frühzeitig erfolgreiche Meilensteine mitzuerleben. Dazu gehört auch das geplante Center for Gene and Cell Therapies, das am Ufer zum Nordhafen entstehen soll.

Noch ist der Health Innovation Quarter eher die nebulöse Vision eines „Zukunftortes“, doch manch einer spann bereits den Bogen noch weiter bis zum ehemaligen Flughafen Tegel, auf dem ein urbanes Innovations- und Experimentierfeld entstehen soll, das auch Anknüpfungspunkte zu Gesundheitsthemen bietet.

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