Evotec SE

Evotec will noch mehr sparen und reduziert die Belegschaft

Der Rotstift kommt manchmal mit einer wohlklingenden Umschreibung daher. "Horizon" nennt die Hamburger Evotec SE die nächste Stufe der Restrukturierung und der Sparmaßnahmen, die einige weitere Standorte und deren Belegschaften betreffen sollen. Bis zu 800 Beschäftigte dürften sich von schönen Worten nicht allzu stark blenden lassen.

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Der Wirkstoffforschungsdienstleister Evotec treibt seine bereits seit 2024 laufende Restrukturierung weiter voran. Mit dem neuen Transformationsprogramm „Horizon“ will das Hamburger Unternehmen seine Organisation verschlanken, Kosten senken und stärker auf margenstärkere Technologien ausrichten. Kern der Strategie ist ein neues Betriebsmodell entlang der drei Säulen Operations, Science und Commercial Execution. Dabei sollen Strukturen vereinfacht, wissenschaftliche Kompetenzen gebündelt und die Vertriebsorganisation stärker auf Kundenbedürfnisse ausgerichtet werden.

Besonders einschneidend ist der weitere Umbau der globalen Präsenz. Nachdem Evotec die Zahl seiner Standorte bereits von 19 auf 14 reduziert hatte, soll das Netzwerk in den kommenden zwei Jahren auf nur noch zehn Standorte verkleinert werden. Damit verbunden ist auch ein weiterer Stellenabbau: bis zu 800 Arbeitsplätze könnten weltweit wegfallen.

Konzentration der Unternehmensstruktur

Parallel plant das Unternehmen, zentrale Forschungsbereiche in sogenannten Centers of Excellence zu bündeln. Dort sollen wichtige Technologien, Datenkompetenzen und wissenschaftliche Infrastruktur konzentriert werden, um die Wettbewerbsfähigkeit in besonders attraktiven Segmenten der Wirkstoffforschung und präklinischen Entwicklung zu stärken.

Finanziell zielt das Programm auf deutliche Einsparungen ab. Bis Ende 2027 erwartet Evotec jährliche Kostensenkungen von rund 75 Mio. Euro. Gleichzeitig werden jedoch Restrukturierungskosten von insgesamt etwa 100 Mio. Euro über die Jahre 2026 bis 2028 anfallen. Das Jahr 2026 bezeichnet das Unternehmen selbst als Übergangsjahr, in dem erste operative Verbesserungen erst in der zweiten Jahreshälfte sichtbar werden sollen.

Geschäftsjahr im Rahmen der Erwartungen

Trotz der laufenden Umstrukturierung bestätigte Evotec vorläufige Zahlen für 2025 im Rahmen der bisherigen Prognosen. Der Konzernumsatz lag demnach bei rund 788 Mio. Euro, während das bereinigte EBITDA etwa 41 Mio. Euro erreichte. Dabei entwickelte sich insbesondere die Biologics-Sparte Just – Evotec Biologics dynamisch und wuchs wie in den vergangenen Jahren stark, diesmal um rund 40 Prozent.

Mit dem Umbau verfolgt Evotec langfristig ehrgeizige Ziele: Bis 2030 sollen die Umsätze auf über eine Milliarde Euro steigen, während die EBITDA-Marge bis 2028 etwa 20 Prozent erreichen soll. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass sich der Markt für frühe Wirkstoffforschung nach der aktuellen Nachfrageschwäche wieder erholt.

Der Umbau markiert damit die nächste Stufe einer tiefgreifenden Transformation des Unternehmens – mit klarer Kostenkontrolle, stärkerer Fokussierung auf Technologieplattformen und der Hoffnung auf profitableres Wachstum in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts. Worüber der aus seiner McKinsey-Zeit stark zahlengeprägte CEO Dr. Christian Wojczewski seit seinem Amtantritt relativ wenig sagt, ist die Forschungsausrichtung des Unternehmens, sind die Kooperationen oder zukünftige Strategien in wissenschaftlicher Hinsicht. Für gute Stimmung dürfte auch an der Hamburger Waterkant der Bezug auf den alten Udo-Lindenberg-Song „Hinterm Horizont geht´s weiter“ nicht von ganz alleine sorgen.

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