
Gerüchte verdichten sich: Qiagen vor Übernahme durch EQT?
EQT greift nach Qiagen – KKR bietet offenbar mit: Der schwedische Finanzinvestor EQT soll ein verbindliches Übernahmeangebot von mehr als 50 US-Dollar je Aktie vorgelegt haben. Auch KKR ist im Rennen. Für den deutsch-niederländischen Diagnostikspezialisten könnte sich damit ein seit Monaten diskutierter Eigentümerwechsel konkretisieren.
Qiagen könnte vor einer der größten Transaktionen im europäischen Diagnostiksektor stehen. Der schwedische Finanzinvestor EQT befindet sich nach einem Bericht von Bloomberg in fortgeschrittenen Gesprächen über die Übernahme des Molekulardiagnostikunternehmens. EQT habe ein verbindliches Angebot von mehr als 50 US-Dollar je Aktie vorgelegt. Auch der US-Finanzinvestor KKR soll ein Gebot eingereicht haben. Der Aufsichtsrat von Qiagen wolle sich laut Reuters noch in dieser Woche mit den Angeboten befassen. Eine Einigung ist bislang nicht bestätigt.
Bei einem Preis von mehr als 50 US-Dollar je Aktie würde Qiagen mit mehr als 10 Mrd. US-Dollar bewertet. Das Unternehmen hat seinen Hauptsitz im niederländischen Venlo, ist aber historisch eng mit Deutschland verbunden und an der Frankfurter Börse sowie in den USA gelistet. Seine Technologien zur Probenvorbereitung und molekularen Diagnostik werden weltweit in Forschungs- und klinischen Laboren eingesetzt.
Ein Übernahmeprozess mit Vorgeschichte
Das Interesse kommt nicht überraschend. Bereits im Januar hatte Qiagen angesichts erneuter Übernahmeinteressen strategische Optionen prüfen lassen. Damals war von ersten Gesprächen mit potenziellen Käufern die Rede. Im Juli wurden EQT, KKR und Advent erneut als mögliche Interessenten genannt. Nun scheint sich der Prozess zuzuspitzen: Aus dem zunächst berichteten Interesse ist laut Bloomberg bei EQT ein verbindliches Angebot geworden, während KKR offenbar ebenfalls eine konkrete Offerte vorgelegt hat.
Qiagen erklärte gegenüber Reuters, man kommentiere keine Marktgerüchte oder Spekulationen. Auch EQT und KKR bestätigten die Berichte zunächst nicht. Damit bleibt offen, ob der Aufsichtsrat einen Verkauf empfiehlt, ob die Gebote weiter erhöht werden oder ob die Gespräche ohne Abschluss enden.
Strategischer Käufer oder Finanzinvestor?
Der Eigentümerwechsel würde einen Konzern betreffen, der sowohl im Forschungsmarkt als auch in der klinischen Diagnostik etabliert ist. Qiagen verbindet Verbrauchsmaterialien und Geräte zur Probenvorbereitung mit molekulardiagnostischen Tests und zugehörigen Technologien. Das Geschäft profitiert vom wiederkehrenden Bedarf in Laboren, ist aber zugleich von der Entwicklung der Forschungsbudgets, der Nachfrage nach Diagnostik und dem Wettbewerb im Laborgeräte- und Testmarkt abhängig.
Für EQT wäre die Übernahme eine große Investition in den Life-Sciences- und Diagnostiksektor. Für KKR könnte ein konkurrierendes Gebot den Prozess verteuern. Ob ein Finanzinvestor oder ein strategischer Käufer langfristig mehr Wert aus Qiagen ziehen könnte, ist derzeit offen. Ebenso wenig lässt sich aus den vorliegenden Berichten ableiten, welche Veränderungen ein neuer Eigentümer bei Standorten, Investitionen oder der Unternehmensstrategie vornehmen würde.
Fest steht vorerst nur: Qiagen prüft seit Monaten seine Optionen, und mit den nun berichteten Geboten gewinnt die Möglichkeit eines Verkaufs an Kontur. Zwischenzeitlich hat das Unternehmen auch einen neuen CEO bestellt, ob dessen Amtszeit redkordverdächtig kurz wird, weil das Unternehmen verkauft wird? Bis zu einer offiziellen Vereinbarung bleibt der Ausgang jedoch ungewiss. Der Börsenkurs von Qiagen zieht aktuell etwas, aber auch etwas verhalten an.


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