
analytica: Innovation mit grünem Elephant
Oft wird beklagt, dass der deutsche Mittelstand Innovationen aus den vielen Life-Sciences-Start-ups der Republik zu zögerlich aufnimmt. Die Kooperation von Bürkert und Green Elephant Biotech (Gießen) zeigt, dass es auch recht schnell gehen kann.
Das Familienunternehmen Bürkert Fluid Control Systems und das Start-up Green Elephant Biotech (GEB) haben vor einigen Monaten ihre Zusammenarbeit bekanntgegeben, die genau passend zur diesjähirgen analytica eine Produktneuheit erbracht hat. Ziel der Partnerschaft soll es sein, die jeweilige Kernkompetenz – industrielle Fluidik- und Automatisierungstechnik auf der einen, nachhaltige Zellkultur- und Labortechnologie auf der anderen Seite – strategisch zu verbinden.
Nach Angaben beider Unternehmen wurde die Zusammenarbeit bewusst so ausgestaltet, dass die Agilität des jungen Biotech-Unternehmens erhalten bleibt. Statt klassischer Investorenstrukturen steht eine technologieorientierte Partnerschaft im Vordergrund. GEB bringt seine Expertise im Bereich nachhaltiger Zellkultursysteme für Life Sciences ein, Bürkert steuert langjährige Erfahrung in der Entwicklung und Integration automatisierter Fluidiklösungen bei. Die regionale Nähe der Standorte erleichtert zusätzlich die Abstimmung. Für Green Elephant schließt die Kooperation Lücken in der Geräteentwicklung, Fluidsteuerung und Systemintegration. Bürkert erhielt dafür Zugang zu biotechnologischem Anwendungswissen und neuen Märkten im Life-Sciences-Sektor. Anwendungsfelder der Zusammenarbeit sind unter anderem automatisierte Zellkultursysteme für personalisierte Therapien sowie nachhaltige Laborverbrauchsmaterialien auf Basis pflanzenbasierter Kunststoffe (PLA).
Durch stärkere Automatisierung sollen Herstellprozesse effizienter gestaltet werden. Parallel sollen alternative Materialien zu herkömmlichem Polystyrol die Nachhaltigkeit im Laborbereich verbessern. Die Partnerschaft steht beispielhaft für eine arbeitsteilige Zusammenarbeit zwischen innovativem Start-up und etabliertem mittelständischem Technologieunternehmen – mit dem Ziel, industrielle Umsetzungskompetenz und biotechnologische Innovationskraft zu verbinden. Das 2021 aus der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) ausgegründete Gießener Start-up Green Elephant Biotech entwickelt nachhaltige Zellkultivierungssysteme für die biopharmazeutische Produktion. Kernprodukt ist die patentierte „CellScrew“-Technologie, die im Vergleich zu herkömmlichen Rollerflaschen bei gleichem Volumen eine deutlich größere Wachstumsoberfläche bietet.
2022 gelang eine Pre-Seed-Finanzierung im mittleren sechsstelligen Bereich mit Lead-Investor Beteiligungs-Managementgesellschaft Hessen mbH (BMH), zudem beteiligten sich branchenerfahrene Business Angels. Im Rahmen einer strategischen Partnerschaft beteiligte sich dann im Frühjahr 2025 die Bürkert Fluid Control Systems aus Ingelfingen (Baden-Württemberg) an Green Elephant Biotech.
Adhärente Zellkultur 2.0
Nun stellen das Start-up und Bürkert mit „Archimedes® One“ einen dynamischen Adhärenz-Bioreaktor vor, der speziell für das Scale-up adhärenter Zellkulturen entwickelt wurde. Kern ist die rotierende CellScrew®-Geometrie mit konzentrischen Zylindern für große Wachstumsflächen (bis 10.000 cm²) und kontrollierte Durchmischung. Das System ermöglicht Perfusionskultur mit integrierter pH-, Sauerstoff – und Temperaturkontrolle über Standard-Biocontroller sowie automatisierte Ernte in einem vorinstallierten Single-Use-Setup. Ziel ist es, manuelle 2D-Systeme mit hoher Arbeitslast und Variabilität abzulösen und adhärente Zellkulturen ohne Umstellung auf Suspensionsprozesse reproduzierbar und skalierbar zu machen – bei geringerer Komplexität und reduziertem GMP-Aufwand.
Für die GEB-Gründer Dr. Joel Eichmann und Felix Wollenhaupt geht damit die ursprüngliche Produktinnovation in eine neue Phase über: „Wir wollten CellScrew zu einem vollwertigen Bioreaktor machen, das ist uns jetzt gelungen.“


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