Joachim F. Tornau

11. Medtech Pitch Day in Lübeck

Anfang April präsentierten zehn ausgewählte Medtech-Start-ups in der Dräger-Garage in Lübeck einem internationalen Fachpublikum aus Investoren und Industrievertretern ihre hochinnovativen Ideen. Gastgeber des 11. Medtech Pitch Days war das Medizin- und Sicherheitstechnik-Unternehmen Dräger.

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Auch in diesem Jahr wurde der Medtech Pitch Day vom High-Tech Gründerfonds (HTGF) sowie dem Medizintechnik-Unternehmen B. Braun mit seinem B. Braun Innovation Hub und der B. Braun-Stiftung ausgerichtet. Auch das Medizin- und Sicherheitstechnik-Unternehmen Dräger war wieder dabei, diesmal als Gastgeber. Erstmals beteiligte sich Life Science Nord, das regionale Branchennetzwerk für Hamburg und Schleswig-Holstein.

Aus 15 Ländern kamen 83 Bewerbungen von jungen Unternehmen, die dem Fachpublikum aus Investoren, Industrievertretern und anderen Start-ups in zehnminütigen Pitches ihre Ideen zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung präsentieren wollten. Insgesamt zehn von ihnen wurden ausgewählt und erhielten die Gelegenheit, sich vorzustellen. Sie kamen aus den Bereichen Digital Health, aber auch aus der klassischen Medizintechnik.

So präsentierte die Leipziger MDA Medical Decisions Alliance GmbH ihre KI-basierte Software, die Ärzte im Operationssaal bei ihren Entscheidungen unterstützt. Die Dresdner Altavo GmbH kombiniert maschinelles Lernen und neueste Sensortechnologien, um Tumorpatienten nach Verlust ihres Kehlkopfes eine natürlich klingende Stimme zurückzugeben. Mit der Kombination aus einem tragbaren Bluttest und einer Handy-App können chronisch Kranke ihre Medikamentendosierung zu Hause selbst überwachen. Entwickelt wurde dieses System vom Team der QuantilLight (MPI für medizinische Forschung) in Heidelberg. Der tragbare Inkubator der israelischen Skincubator Neocare soll Frühgeborenen den wichtigen Hautkontakt zur Mutter ermöglichen. Mit dem Perfusionssystem der Apersys AG (Zürich) kann eine Leber, die transplantiert werden soll, sieben Tage außerhalb des Körpers konserviert werden. Die Entwicklung von MedVasc AB (Lund, Schweden) soll schmerzfreie Krampfaderoperationen ermöglichen, bei denen das Anästhetikum auf innovative Weise aus dem Veneninneren verabreicht wird.

Mit Lasertechnik der Refined Laser Systems GmbH aus Münster soll die Diagnose und Behandlung von Krebserkrankungen verbessert werden. PropofolSAFE (Stuttgart) misst mit einem photoakustischen Detektor die Konzentration des Narkosemittels Propofol in der Atemluft von Patienten, um falsche Dosierungen zu verhindern. Die Kieler Acquandas GmbH produziert mit Mikrosystemtechnik foliendünne und biokompatible Metallteile, beispielsweise für Mikroimplantate. Auf maßgeschneiderte High-Performance-Batterien hat sich Celtrix (Itzehoe) spezialisiert.

Beeindruckende Präsentationen
Die Veranstalter zeigten sich zufrieden. So war es für Dr. Thilo Brinkmann, Geschäftsführer der B. Braun-Stiftung „ein inspirierender Tag mit beeindruckenden Präsentationen“. Von einer großartigen Bühne für die jungen Unternehmen, die Gastgeber Dräger geschaffen hätte, sprach Dr. Achim Plum, HTGF-Geschäftsführer und verantwortlich für den Investment-Bereich Life Sciences und Chemie. Alexander Katzung, Vice President Acceleration & Innovation bei B. Braun, betonte die überdurchschnittlich hohe Investorendichte des Pitch Days.

Aber auch die jungen Unternehmen waren begeistert vom Medtech Pitch Day. Acquandas-Gründer und -CEO Dr. Rodrigo Lima de Miranda lobte die produktive Atmosphäre und sprach von wichtigen Einblicken, die er durch das Networking und den Austausch mit Investoren erhalten hätte. Und Alon Metrikin-Gold, CEO von Skincubator, war angenehm überrascht, wie fokussiert sich Investoren mit Start-ups auf der Veranstaltung vernetzen konnten.

Patientenperspektive in der Produktentwicklung
Thema der begleitenden Podiumsdiskussion war die Frage, ob Patienten in die Produktentwicklung einbezogen werden sollten und wie das geschehen könnte. So berichtete Dr. Franzpeter Bracht, CEO der Lindis Blood Care in Hennigsdorf, wie er den Kontakt zu Medizinern, aber auch zu Patienten gesucht hätte, als es um die Entwicklung eines Verfahrens ging, mit dem das Patientenblut während einer Krebs-OP von Tumorzellen gereinigt werden kann. Das Münchner Start-up SmartAIs entwickelt eine Hinderniserkennungs-App für blinde Menschen und arbeitet dafür ebenfalls eng mit Betroffenen zusammen. Gründer und CEO Sascha Preget bezeichnete die nutzerzentrierte Entwicklung gar als einen der Glaubenssätze des Unternehmens. Als Vertreterin der Bundarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe von Menschen mit Behinderung, chronischer Erkrankung und ihren Angehörigen e.V. betonte Jana Hasse, wie wichtig es sei, dass die Patientenperspektive im Mittelpunkt der Entwicklungen stehe.

Gastgeber des 12. Medtech Pitch Days im kommenden Jahr werden B. Braun und die B. Braun-Stiftung sein.

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