Karin Kaiser/MHH

Port-Delivery-System soll Spritzen ins Auge ersetzen

Menschen mit feuchter altersabhängiger Makuladegeneration (AMD) erhalten bislang regelmäßig Medikamenteninjektionen ins Auge. Eine Studie der Medizinischen Hochschule Hannover untersucht nun ein Port-Delivery-System, das den Wirkstoff kontinuierlich abgibt und nur alle sechs bis neun Monate nachgefüllt werden muss. Eine Teilnahme an der Studie ist noch möglich.

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Bei einer Makuladegeneration wird die Netzhaut am Punkt des schärfsten Sehens, der Makula, angegriffen. Undichte Blutgefäße führen bei der feuchten Form der AMD, die sich aus einer trockenen AMD entwickeln kann, zu Schwellungen, Blutungen und letztendlich zum Verlust der Sehkraft. Das betrifft in Deutschland etwa 400.000 Menschen.

Diese Patienten erhalten regelmäßig Medikamente mittels Injektion direkt ins Auge. Für die oftmals älteren Patienten ist das eine sehr belastende Behandlungsform, die gleichzeitig mit etlichen Arztbesuchen verbunden sind.

Dies könnte sich künftig ändern: An der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) wird im Rahmen der Studie Sightspire eine neue Behandlungsmöglichkeit für Menschen mit feuchter altersabhängiger Makuladegeneration erprobt. Dabei wird ein sogenanntes Port-Delivery-System (PDS) ins Auge eingesetzt, das kontinuierlich ein Medikament zur Behandlung der Erkrankung abgibt.

Implantat so groß wie ein Reiskorn

Das PDS ist etwa so groß wie ein Reiskorn und wird über einen rund zwei Millimeter großen Schnitt hinter der Linse eingesetzt. Der Eingriff dauert laut MHH etwa 40 Minuten und kann unter örtlicher Betäubung oder Vollnarkose erfolgen. Nach einer Nacht zur Überwachung können die Patienten die Klinik wieder verlassen.

Das Implantat liegt anschließend unter dem Oberlid und ist von außen nicht sichtbar. Es gibt kontinuierlich eine gleichbleibende Menge des Medikaments ab. Nachgefüllt werden muss das System nach Angaben der MHH lediglich alle sechs bis neun Monate, abhängig vom jeweiligen Patienten. Dabei wird der Wirkstoff nicht direkt in den Glaskörper des Auges gespritzt, sondern durch eine Membran in das Implantat eingebracht.

„Der Bedarf an einer weniger aufwändigen, aber dennoch wirksamen und sicheren Therapiemöglichkeit ist groß“, sagt Oberärztin Dr. Ekaterina Sokolenko von der MHH-Klinik für Augenheilkunde. Sie untersucht in der Sightspire-Studie mit ihrem Team die Sicherheit und Wirksamkeit des Implantats.

In den USA ist das Port-Delivery-System bereits seit 2021 zugelassen. Auch in Europa ist ein Markteintritt geplant. Die aktuelle Studie soll dazu beitragen, die Behandlungsmöglichkeit weiter zu untersuchen.

Studienteilnehmer gesucht

An der Sightspire-Studie können sich Menschen mit feuchter AMD beteiligen. Voraussetzung ist unter anderem ein Alter von mindestens 50 Jahren und eine Erstdiagnose der feuchten AMD, die nicht länger als zwei Jahre zurückliegt. Die Studie dauert etwa 19 Monate. Weitere Voraussetzungen werden im Rahmen einer Voruntersuchung geprüft.

Interessierte Patienten können sich an das Studienteam der MHH-Klinik für Augenheilkunde wenden – telefonisch unter +49-511-532-9411 oder per E-Mail an Augenklinik.Studien@mh-hannover.de.

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