Weltalzheimer-Tag: Therapien lassen weiter auf sich warten

Die Deutsche Alzheimergesellschaft hat zum heutigen Welt-Alzheimertag darauf hingewiesen, dass hierzulande derzeit 1,8 Millionen Menschen an einer Demenz erkrankt sind, etwa zwei Drittel davon haben Alzheimer. Im Jahr 2021 bekamen etwa 440.000 Menschen im Alter über 65 Jahren die Diagnose Demenz,  alzheimerbedingte Klinikbehandlungen und Todesfälle haben sich in Deutschland binnen 20 Jahren mehr als verdoppelt. Obwohl eine große Zahl klinischer Studien durchgeführt werden, ist kein Durchbruch in nächster Zeit absehbar.

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„Eine ursachenbezogene Therapie gibt es bislang noch nicht", erklärt Dr. Wilken, Apotheker beim Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie e.V. (BPI), und macht damit das Hauptproblem deutlich. Er betont jedoch, dass pharmazeutische Unternehmen verschiedene Behandlungsmöglichkeiten entwickelt haben, mit denen sich vor allem Symptome und Begleiterscheinungen der Krankheit lindern lassen. „Sogenannte Antidementiva zögern den Abbau des Erinnerungs- und Denkvermögens möglichst lange hinaus“, so Wilken.

Die Ursache und Abfolge von molekularen Ereignissen zur Entstehung von Alzheimer bleibt unverstanden. Dabei ist dies die häufigste Form der Demenz, bei der Betroffene unter krankhaftem Vergessen leiden. In Folge von Eiweißablagerungen zwischen den Nervenzellen – so die gängige aktuelle Theorie – sogenannten Plaques, verlieren Betroffene meist zunehmend ihre kognitiven Fähigkeiten – darunter ihr Gedächtnis, ihren Orientierungssinn, ihre Sprache sowie emotionale und soziale Fähigkeiten.
 
Die Ansätze der Forschungsgemeinde und Unternehmen sind bisher nicht von Erfolg gekrönt, eher haben sich gerade in letzter Zeit wieder einige Rückschläge gehäuft. So liegt eine Hoffnung auf monoklonalen Antikörpern, die gegen die Plaques im Gehirn vorgehen. Zusätzlich wird auch an einer Impfung geforscht. Impfstoffe verfolgen den Ansatz, dass der Körper eigenständig Antikörper produziert und sich somit selbständig gegen den Verfall der Nervenzellen wehren kann.
 
„Insgesamt laufen laut EU-Studienregister 128 Arzneimittelstudien im Bereich der Alzheimer-Forschung. Europaweit befinden sich aktuell 51 Studien in der Phase III, 15 davon allein in Deutschland“, so Wilken. Dabei sind sowohl große Pharmaunternehmen als auch kleinere KMU weiterhin in dem Feld aktiv. Die Untersuchungen gerade in der klinischen Entwicklung stehen und fallen jedoch mit der korrekten Diagnose der Erkrankung und Einordnung in gleiche Behandlungsgruppen, der sogenannten Stratifikation. Auch um das Wissen an dieser Stelle zu vergrößern, sind selbst die später scheiternden Studien von großer Bedeutung, die eventuell zumindest bei der Bestimmung von Biomarkern und Verbesserung der Diagnose für Fortschritte sorgen.

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