
Roche wettet noch eine Milliarde auf ADC-Kooperation
Die Schweizer Roche platziert einen weiteren Milliarden-Deal in das Feld der Antikörper-Wirkstoff-Konjugat-Entwickler, diesmal im Vereinigten Königreich bei Oxford BioTherapeutics.
Roche investiert bis zu 1 Mrd. US-Dollar in eine Partnerschaft mit Oxford BioTherapeutics Ltd. zur Entwicklung innovativer Krebstherapien, um die britische Plattformtechnologie für die Entwicklung von Antikörper-Wirkstoff-Konjugaten (ADCs) nutzen zu können. Im Rahmen der Vereinbarung zahlen die Schweizer zunächst 36 Mio. US-Dollar. Gleichzeitig haben sie sich zu Meilensteinzahlungen und bei Erfolg fälligen Lizenzgebühren an den Nettoumsätzen verpflichtet, die insgesamt ebenfalls die 1 Mrd.-Grenze übersteigen können.
Im Gegenzug erhält Roche Zugang zu Oxfords OGAP-Verify-Plattform, einer proprietären Datenbank zur Quantifizierung von Membranproteinen mit rund 7.000 katalogisierten Proteinen in soliden Tumoren, hämatologischen Krebserkrankungen und gesundem Gewebe. Diese Bibliothek ermöglicht die Identifizierung neuer Zielmoleküle, die sonst möglicherweise übersehen worden wären, und unterstützt die Vorhersage der Wirksamkeit und potentiellen Toxizität von Arzneimittelkandidaten.
Roche übernimmt die weitere Entwicklung sowie die regulatorischen und kommerziellen Aktivitäten für alle Programme, die das Unternehmen weiterführen möchte. Bisher wurden keine spezifischen Zielindikationen bekannt, die Unternehmen haben jedoch angekündigt, sich auf mehrere neue onkologische Indikationen zu konzentrieren.
Durch die Partnerschaft mit Oxford verstärkt Roche sein Engagement auf dem Gebiet der ADCs. Das Unternehmen verfügt bereits über zwei Zulassungen: Polivy zur Behandlung bestimmter Lymphome und Kadcyla zur Behandlung bestimmter Brustkrebsarten. Doch kauft das Unternehmen in dem Bereich auch zu. Das Jahr 2025 eröffnete Roche mit einer Lizenzvereinbarung mit Innovent im Wert von ebenfalls bis zu 1 Mrd. US-Dollar. Damit sicherten sich die Schweizer den Zugang zum Anti-DLL3-ADC des chinesischen Biotech-Unternehmens, das sich in einer Phase I-Studie zur Behandlung von kleinzelligem Lungenkrebs befindet.
Bereits ein Jahr zuvor hatte Roche ebenfalls in China einen weiteren ADC für die Krebstherapie erworben – diesmal von MediLink Therapeutics aus Suzhou. Für eine Vorauszahlung von 50 Mio. US-Dollar und potentiellen zukünftigen Zahlungen in der – nun nicht mehr überraschenden – Höhe von rund 1 Mrd. US-Dollar erhielt Roche die Rechte an YL211, einem c-MET-gerichteten ADC zur Behandlung von soliden Tumoren.
Mit der neuen Vereinbarung baut Oxford sein Netzwerk starker Partner weiter aus. Die Firmenpipeline ist sehr breit aufgestellt und mit bereits fünf Wirkstoffkandidaten in der frühen klinischen Entwicklung. Das britische Biotech-Unternehmen arbeitet bereits mit Boehringer Ingelheim zusammen, das im Januar 2025 die Option auf ein viertes neuartiges Krebstarget ausgeübt hat. Darüber hinaus unterhält Oxford Partnerschaften mit Agenus und Genmab und belegt damit zumindest, dass auch in Europa interessante ADC-Manufakturen zu finden sind.